Kloten

Ein Engel für die Engelskinder von Kloten

Auf dem Friedhof Chloos gibts ein neues Kindergrabfeld. Auch Fehlgeborene – sogenannte Engelskinder – die eigentlich keinen Anspruch auf ein Grab hätten, finden hier ihre letzte Ruhe. Am Dienstag fand eine kleine aber feine Feier vor Ort statt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Stimmung will nicht so recht zum Ort passen. Viel zu heiter ist es an diesem prächtigen Nachmittag, als die Besucher sich im Grünen etwas oberhalb von Kloten treffen. Eitel Sonnenschein und stahlblauer Himmel sorgen für ganz andere Gefühle. Doch der Titel der Einladung verkündet: «Übergabe Kindergrabfeld».

«Für viele ist es ein trauriger Ort», bringt es die Klotener Stadträtin Regula Kaeser-Stöckli (Grüne) auf den Punkt. «Wir sind aber bemüht den Friedhof auch zu einem schönen Ort zu machen.» Auf dem Weg durch die Parkanlage zur neuen Kindergrabstätte dringen sanfte Töne einer Trompete ans Ohr. Die Verantwortlichen haben eigens Keita Kitade, ein Musiklehrer mit Orchester- und Konzertdiplom, der örtlichen Musikschule engagiert. Seine Klänge sorgen für den passenden Rahmen.

Keinesfalls düster und abschreckend, sondern schön und bestenfalls ermutigend sowie tröstend soll der Kindergrabbereich sein, erklärt Kaeser-Stöckli den rund 30 Gästen kurz darauf. «Oft sind ja noch andere Geschwister da, wenn ein Kind stirbt.» Der Besuch am Grab des Bruders oder der Schwester soll insbesondere für diese Kinder nicht bedrückender sein, als er ohnehin schon ist, so die Überlegung der Verantwortlichen.

«Für viele ist es ein trauriger Ort. Wir sind aber bemüht den Friedhof auch zu einem schönen Ort zu machen.»Regula Kaeser-Stöckli, Stadträtin Kloten

Vier Jahre sei es her, seit sie nach ihrem Amtsantritt als Stadträtin und Zuständige für Friedhofsbelange mit den Mitarbeitern über die Anlage schritt. Man habe geschaut, was es zu tun gebe vor Ort. Bereits vor zwei Jahren wurde ein sogenanntes Endgrab eingeweiht, zur Beisetzung der Überreste bei Gräberaufhebungen. Jetzt folgt das neues Kindergrabfeld. Am angestammten Ort gibts nicht mehr genügend Platz für neue Kinderbestattungen. Zudem liegt der Bereich der Kindergräber auf dem Klotener Friedhof wenig einladend ganz am Rand der Anlage.

Die Gestaltung und das Erscheinungsbild des neuen Kindergrabfelds sei ein Gemeinschaftswerk, erklärt die zuständige Stadträtin. «Allen war sofort klar, dass das in die Mitte gehört.» Denn die Kinder stünden im Zentrum der Gesellschaft. Und so sollen sollen sie nun auch auf dem Klotener Friedhof in der Mitte gut aufgehoben ihre letzte Ruhe finden.

Engel und Akupunkturnadel

Für den künstlerischen Aspekt engagierten die Klotener den Davoser Bildhauer Andreas Hofer. Ein Baumstamm mit einem seiner riesigen Engel steht bereits im Stadtzentrum beim Puck-Kreisel. Jetzt kommen sechs Holzfiguren – «die Mittrauernden» – und ein weiterer grosser Engel hinzu. «Es war eine strenge Arbeit», erzählt der Künstler. Er habe in der eigenen Familie auch erfahren müssen wie es sei, wenn Eltern Kinder verlieren.

«Hier war es nicht mehr eine reine Kunstsache», sagt Hofer, «hier stelle ich Symbole auf». Das steinerne Portal am Rand des Grabfelds hat er als Zeichen für den Übergang zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit aufgestellt. Der Baumstamm des Engels mit Glasflügel in der Mitte beschreibt er als eine Art Akupunkturnadel. «Es ist der Ort, wo Schmerzen sind. Man kann sich da aber auch Heilung und Linderung der Schmerzen vorstellen.»

Der grosse Engel steht zudem auch für die ganz kleinen Engel – oder «Engelskinder» – wie die Winzlinge auch genannt werden, die schon im Mutterleib oder kurz nach der Geburt sterben. Bislang werden die Allerkleinsten, die vor der 22. Schwangerschaftswoche und mit weniger als 500 Gramm sterben, von Gesetzes wegen nicht einmal beurkundet. Deshalb haben sie auch kein Anspruch auf ein Grab. Der Bundesrat ist bestrebt dies zu ändern.

Stadt will niemanden plagen

In Kloten ist man schon seit Jahren sehr offen und liberal eingestellt. «Wir verwehren den Eltern nicht, ihr Kind auf dem Friedhof zu begraben», sagt Angelika Zika, Leiterin des Klotener Zivilstandsamtes. Der Trauerprozess soll nicht durch Paragrafenreiterei noch schmerzhafter werden, findet sie. «Wir wollen niemanden zusätzlich plagen.» Mit ihrem Team ist Zika nicht nur bei Trauungen da, sondern leistet mit den Friedhofsmitarbeiter eine wertvolle Arbeit, loben die ebenfalls anwesenden Pfarrer der beiden Landeskirchen an der Feier vor allen Besuchern.

«Mir gefällt das neue Grabfeld», meint die zuständige Stadträtin Kaeser-Stöckli abschliessend und fügt sogleich an, «hoffentlich brauchen wir es nicht allzu oft.» Manche Besucher älteren Semesters sind mit dem eigens verkehrenden Friedhofbus aus der Stadt zu dieser öffentlichen Feier auf den etwas abseits gelegenen Friedhof Chloos gekommen. «Das war sehr schön», sagt eine Frau, «gut gemacht» lobt eine andere. Man ist sich einig: Kloten hat mit dem neuen Bereich auf dem Friedhof tatsächlich einen schönen Ort geschaffen und diesen ebenso würdig eingeweiht. Dennoch hoffen alle, dass der Wunsch der Stadträtin erhört wird. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 11.09.2018, 21:12 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.