Sammelwut

Eisenbahnfan sammelt alte Postkarten –und die eigenen Zeitungsartikel darüber

Man kann Briefmarken oder Postkarten sammeln. Aber auch die Artikel, die dann darüber in der Presse erscheinen. Wie man das macht, zeigt ein deutscher Sammler.

Die besagte Postkarte mit der Rheinfallbahn als Motiv.

Die besagte Postkarte mit der Rheinfallbahn als Motiv. Bild: PD

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Immer mehr Zeitungen im deutschsprachigen Raum springen auf den gleichen Zug auf: Ein deutscher Sammler alter Ansichtskarten mit historischen Eisenbahnmotiven schickt den Redaktionen die eingescannte Karte und einen pfannenfertigen Pressetext dazu.Günther Klebes heisst der 69-jährige Mann aus dem fränkischen Erlangen. Kürzlich hat auch der «Landbote» von ihm eine alte Postkarte von der Rheinfallbahn zugeschickt bekommen. Nach der Bitte, ein paar Sätze zu dieser Karte zu schreiben, mailte Klebes nach bloss einer Stunde und 20 Minuten einen kompletten Pressetext.

«Noch nichts erschienen!!»

Eine kurze Internetrecherche zeigt allerdings: Der Mann hat die immer gleiche Geschichte schon zigfach erzählt, und die Zeitungen haben sie meist wortwörtlich abgedruckt. Einzig die Postkartenmotive wechseln jeweils. Damit konfrontiert schreibt Klebes: «Über die Rheinfallbahn ist noch nichts erschienen!!» Er schreibe im gesamten deutschen Sprachraum, «so auch in Ihrer Region».

Somit wächst nicht nur seine Sammlung alter Postkarten mit Eisenbahnmotiven, sondern auch die seiner Presseartikel darüber, zum Beispiel in: Jungfrau Zeitung, Dezember 2017. Thüringer Allgemeine, Januar 2018. Berner Zeitung, Dezember 2017, Bonner Rundschau, Januar 2017. Sächsische Zeitung, Oktober 2017. Schwarzwälder Bote, Januar 2017. Mainpost, Oktober 2017. Lindauer Zeitung, März 2017. Kleine Zeitung, November 2017. Waldeckische Landeszeitung, Januar 2018. Westfalenpost, Februar 2017. Märkische Allgemeine, Dezember 2017. Liezener Bezirksnachrichten, April 2017. Briloner Anzeiger, Dezember 2017. Harzkurier, Dezember 2017. Pforzheimer Kurier, Februar 2018. Thüringische Landeszeitung, Januar 2017. Ostsee-Zeitung, März 2017. Engadiner Post, Dezember 2016 oder Wormser Zeitung, Januar 2017.

«Die muss ich haben»

In all diesen Zeitungsartikeln steht der Teilsatz: «Ich bin bei einer luxemburgischen Internet-Auktion auf die Karte gestossen und habe mir gesagt:» Dann folgt die Fortsetzung, je nach Sujet der Postkarte: «Dampf im Siebengebirge, die muss ich haben.» «Einen Rasenden Roland in einem kleinen Bahnhof, die muss ich haben.» «So ein schöner Anblick, die muss ich haben.» «Doppelstockzug im Schwarzatal, den muss ich haben.» «So eine schöne Ansicht der Rothornbahn, die muss ich haben.» Und so weiter und so fort. Für den «Landboten» hat der emsige Sammler getextet: «Ich bin bei einer luxemburgischen Internet-Auktion auf die Karte gestossen und habe mir gesagt: Den Zug über dem Rheinfall, den muss ich haben.»

Obschon die Geschichte der online ersteigerten Postkarten stets die gleiche ist, gibt sich Klebes immer wieder von Neuem überrascht. So findet man in praktisch allen Zeitungsartikeln den gleichen Teilsatz: «Erstaunlich fand ich auch, dass der Anbieter eine Adresse in…hatte.» An der Stelle der Pünktchen steht dann etwa Südafrika, Portugal, Israel, Kanada oder Australien.

Ein Philokartist

Der Einstiegssatz lautet übrigens jeweils wie folgt: «Im Zeitalter der sozialen Medien, von E-Mails und MMS-Nachrichten scheint die gute alte Postkarte nur noch etwas für Traditionalisten zu sein. Oder für Sammler wie Günther Klebes.» Auch diesen Satz findet man mittlerweile auf Google unzählige Male.

Über sich selber schreibt Günther Klebes zum Beispiel, dass er dreifacher Vater und Schulbusfahrer sei, und dass seine Postkartensammlung rund 600 Exponate umfasse. Sein Hobby: Bahn fahren. Auch erfährt man, wie Sammler wie er bezeichnet werden: Philokartisten, also «Freunde der Karten». Und dass «seine Sammelwut» übrigens kein Einzelfall sei.

Erstellt: 16.02.2018, 17:28 Uhr

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