Embrach

Embrach spart bei den Hebammen

Die Gemeinde Embrach will künftig keine Pikettentschädigungen mehr an die Hebammen bezahlen. Die Mütter sollen die rund hundert Franken selber übernehmen.

Im Voranschlag 2018 hat der Gemeinderat von Embrach die jeweils mit 6000 bis 7000 Franken budgetierten Pikettentschädigungen für die freischaffenden Hebammen gestrichen.

Im Voranschlag 2018 hat der Gemeinderat von Embrach die jeweils mit 6000 bis 7000 Franken budgetierten Pikettentschädigungen für die freischaffenden Hebammen gestrichen. Bild: Keystone

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Die Gemeinde Embrach steht seit Jahren tief in den roten Zahlen. Das führt dazu, dass der Gemeinderat Jahr für Jahr den Rotstift ansetzt und jede Ausgabe unter die Lupe nimmt. Im Voranschlag 2018 hat der Gemeinderat nun die jeweils mit 6000 bis 7000 Franken budgetierten Pikettentschädigungen für die freischaffenden Hebammen gestrichen. Jeder Frau wird nach der Geburt von der Grundversicherung eine Hebamme bezahlt, welche sie in den ersten Wochen zu Hause besucht und sich um Mutter und Neugeborenes kümmert.

Da die Babys ihren Geburtstermin nicht immer so genau einhalten, müssen die freischaffenden Hebammen auf Abruf bereitstehen – und dafür stehen ihnen pro betreuter Mutter rund hundert Franken Pikettentschädigung zu. Im Kanton Zürich übernehmen 133 von 168 Gemeinden diese Kosten. Im Unterland sind es lediglich die Gemeinden Lufingen, Bassersdorf, Steinmaur und Buchs, die den Betrag nicht bezahlen. Vor einem Jahr wollte auch der Bülacher Stadtrat den Pikettbeitrag abschaffen, scheiterte damit aber im Parlament.

Widerstand der Hebammen

Nun wagt die Gemeinde Embrach den Versuch und ruft damit sogleich die Hebammen auf den Plan. Diese wollen nämlich nicht, dass sie das Geld nachher direkt von den Müttern eintreiben müssen. «Gerade bei finanziell schlechter gestellten Familien ist es den Hebammen unangenehm, wenn sie diesen noch Geld abknöpfen müssen», sagt Ginette Rüdy aus Bülach. Sie ist im Schweizerischen Hebammenverband der Sektion Zürich und Umgebung auf kommunaler Ebene für die Pikettentschädigung zuständig

«Wenn man Jahr für Jahr ein Defizit schreibt, muss man auch die kleinen Beträge anschauen.»Erhard Büchi, Gemeindepräsident Embrach

Würde der Beitrag in Embrach gestrichen, liefe es laut Rüdy möglicherweise darauf hinaus, dass die werdenden Eltern künftig aus Kostengründen keine Hebamme mehr in Anspruch nehmen. «Das hätte fatale Folgen, denn da die Frauen immer früher aus den Spitälern entlassen werden, treten zuhause bei 40 Prozent der Frauen Abweichungen vom normalen Verlauf des Wochenbetts auf.»

Abstimmung erzwingen

Rüdy kündigt deshalb Widerstand an: «Uns bleibt nichts anderes übrig als an der Embracher Gemeindeversammlung den Antrag zu stellen, dass der Beitrag zum Wohle der jungen Familien im Budget drin bleibt.»

Gemeindepräsident Erhard Büchi erklärt, bei der Pikettentschädigung handle es sich um einen von vielen Beträgen, die der Gemeinderat im Budgetprozess angeschaut habe. «Wenn man Jahr für Jahr ein Defizit schreibt, muss man auch die kleinen Beträge anschauen», erklärt er. Zudem sei die Grundversicherung der Krankenkasse sehr grosszügig und erbringe im Falle einer Geburt bereits viele Leistungen. «Es steht aber allen frei, an der Gemeindeversammlung einen Antrag zu stellen, dazu halten wir die Versammlung ja ab», sagt der Gemeindepräsident. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 07.12.2017, 17:47 Uhr

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