Embrach

Embracher Skilagerleiter müssen speziellen Strafregisterauszug vorlegen

Primarschulpräsident Philipp Baumgartner rechtfertigt die Praxis.

Wer ein Embracher Skilager leiten will, wird strenger überprüft.

Wer ein Embracher Skilager leiten will, wird strenger überprüft. Bild: Keystone

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In einigen Unterländer Gemeinden haben die Sportferien bereits begonnen, andere müssen sich noch ein wenig gedulden. Viele Kinder zieht es in dieser Zeit in ein Skilager. Ohne freiwillige Leiterinnen und Leiter sind diese kaum möglich. Wer aber an der Primarschule Embrach ein Skilager als Erwachsener begleiten will, muss einen Sonderprivatauszug vorlegen, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Dieser listet sämtliche Urteile im Zusammenhang mit Sexualstraftaten auf, Einträge ziehen ein Verbot für den Umgang mit Minderjährigen oder anderen schutzbedürftigen Personen mit sich. Für Lehrpersonen verlangt das kantonale Volksschulamt bereits die Sonderprivatauszüge. Für Leiterinnen und Leiter von Skilagern ist das eher unüblich.

Sieht man sich die Geschichte von Embrach an, ist die Massnahme nachvollziehbar: Im April 2017 wurde der Missbrauchsskandal um Jürg Jegge aufgedeckt. Der Sonderpädagoge hatte sich in seiner langjährigen Tätigkeit in Embrach an mehreren Kindern sexuell vergriffen. Und erst letztes Jahr wurde bekannt, dass ein pädophiler Lehrer eingestellt worden war.

Auf Verhaltenskodex stützen

Über die in Embrach gängige Praxis scheiden sich die Geister. Christian Kobi, Präsident von Schneezüri, zeigte sich kritisch gegenüber dem «Tages-Anzeiger». In den 13 offiziellen Stadtzürcher Skilagern, die Schneezüri leitet, würde man sich stattdessen an einen Verhaltenskodex der Vereinigung zur Verhinderung von sexuellen Übergriffen im Sport stützten.

Auf Anfrage des ZU erläutert Primarschulpräsident Philipp Baumgartner die Situation: «Der Sonderprivatauszug wird von allen Mitarbeitenden der Schule, welche Kontakt mit Schülerinnen und Schülern haben, gefordert. Dass auch Leiterinnen und Leiter von Skilagern diesen vorlegen müssen, liegt auch daran, dass wir alle gleich behandeln wollen.» Selbst die Schulpflege, die in ihrer Tätigkeit keinen Kontakt mit den Kindern hat, hat sich dieser Prüfung unterzogen. Für die zusätzliche Sicherheit übernehme die Schule die Kosten für der Auszüge gleich selbst. «Das kostet uns etwas, aber das ist es uns wert.»

Der Vergangenheit stellen

Baumgartner zeigt zwar Verständnis dafür, dass die Praxis von anderen Schulen oder Organisationen als restriktiv angesehen wird. In Embrach ziehe man aber diese Lösung vor. «Fakt ist, dass Übergriffe auf Schülerinnen und Schüler passieren. Mit dieser Massnahme wollen wir die Kinder möglichst gut schützen und mithelfen, solche Fälle um jeden Preis zu verhindern», sagt Baumgartner und gibt auch zu, dass es einen abschreckenden Effekt haben soll. «Damit setzen wir auch ein Zeichen: Wer über einen Eintrag im Sonderprivatauszug verfügt, oder befürchtet, einen solchen zu erhalten, wird sich in Embrach nicht bewerben.»

Seit den Vorfällen um Jürg Jegge setzte die Primarschule Embrach ein besonderes Augenmerk auf die professionelle Nähe und Distanz im Schulalltag. Auch sei man daran, einen Verhaltenskodex einzuführen, auf welchen jede Lehrperson bei den Bewerbungsgesprächen hingewiesen wird. Aufgrund der Vergangenheit sei die Situation in Embrach mit anderen Gemeinden und Vereinen nicht vergleichbar: «Sie haben eine andere Politik, wir haben eine andere Geschichte», erklärt Baumagartner. «Was in Embrach passiert ist, hat die Gemeinde und die Schulen aufgerüttelt.»

Erstellt: 13.02.2020, 17:12 Uhr

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