Regensberg

Erbe findet reissenden Absatz

Sammlerobjekte, Antiquitäten oder Schnäppchen: Bei einer Liquidation in Regensberg wurden viele Käuferinnen und Käufer fündig. Die Einrichtung wurde in der Wohnung der verstorbenen Besitzerin verkauft.

Bei der Liquidation wurde auf eine gastfreundliche Atmosphäre geachtet.

Bei der Liquidation wurde auf eine gastfreundliche Atmosphäre geachtet. Bild: Johanna Bossart

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Leere Schubladen und Regale, kahle Böden, auf denen die Spuren alter Teppiche noch zu sehen sind, Möbel und Geschirr in verschiedensten Stilen lassen ansatzweise erahnen, wie die Wohnung vor wenigen Tagen noch aussah. Eine Mignon-Schreibmaschine aus dem frühen 20. Jahrhundert steht noch in einem Schrank.

Im Wohnzimmer findet man eine Schallplattensammlung, viel Klassik von Bach und Mozart, aber auch Musik aus den 70ern und 80ern wie Tina Turner und Kenny Rogers. Der Gang durch die fünf Zimmer im historischen Kern von Regensberg gleicht beinahe einem Besuch im Museum – mit dem feinen Unterschied, dass die ganze Einrichtung erworben werden kann.

Kupferpfannen werden wegen ihrer Wärmeleitfähigkeit geschätzt, brauchen aber intensive Pflege. Foto: Johanna Bossart

Am vergangenen Samstag und Montag stöberten Liebhaber von Antiquitäten und Schnäppchenjäger durch eine beeindruckende Sammlung. Die Wohnung gehörte einst einer Regensbergerin, welche ihr Eigentum nach ihrem Tod zur Liquidation freigab.

Grosser Ansturm

Nachdem jegliche persönlichen Gegenstände entfernt wurden, haben Liquidator Jürg Hoss und seine Mitarbeiterinnen die verbliebenen Stücke sorgfältig aufgestellt oder aufgehängt. Das meiste fand nach wenigen Stunden bereits eine Käuferin oder einen Käufer. «Etwa 80 Prozent der Einrichtung konnten wir am ersten Tag verkaufen», sagt Hoss.

Obwohl die Wohnung nun mehr einem Antiquitätenladen gleicht, ist für manche Besucher die Präsenz der ehemaligen Besitzerin noch spürbar. «Es brauchte ein wenig Überwindung, um das Zuhause einer verstorbenen Person zu betreten», sagt Lisa Meier. Sie wurde von ihrer Freundin auf die Liquidation aufmerksam gemacht und erhofft sich, dass sie etwas Passendes findet.

Viele der Kunst- und Sammlerstücke waren religiöser Natur. Foto: Johanna Bossart

Laut Hoss soll die persönliche Umgebung aber nicht abschreckend, sondern einladend wirken. Dass ein grosser Teil der Einrichtung eher altmodisch ist, habe keinen Einfluss auf das Alter seiner Kundinnen und Kunden. «Es kommen oft junge Personen, die ältere Möbelstücke suchen», sagt Hoss.

«Antiquitäten vereint mit Modernem kommen immer gut an und geben der Einrichtung ein bisschen Wärme.» Die grösste Herausforderung sei, die richtigen Kunden zu erreichen. Neben Inseraten in der Zeitung verschickt er per E-Mail regelmässig einen Newsletter, in dem er seine rund 15000 Abonnentinnen und Abonnenten über anstehende Verkäufe informiert.

Der Preis muss stimmen

Rund 15 Liquidationen pro Jahr veranstaltet das Unternehmen Hoss. Die meisten seiner Kunden sind Notariate und Konkursämter, aber auch Anwälte und Banken. Auch der Swissair-Nachlass wurde damals von Jürg Hoss und seinem Vater verkauft. Die Objekte verlassen ihre ehemaligen Besitzer oft unter unglücklichem Umständen. Die verstorbene Regensbergerin wünschte jedoch, dass die Einrichtung ihrer Wohnung der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. An wen der Erlös geht, weiss Hoss jedoch nicht. «Das weiss nur der Willensvollstrecker, der mich beauftragt hat», sagt er.

Zahlreiche Zinnsoldaten und Figuren zierten die Vitrinen. Foto: Johanna Bossart

Solche Liquidationen ziehen oft auch Händler an. Ein solcher ist Giuseppe Agosta. Eine kleine Schatulle mit silbernen Anhängern hat es ihm besonders angetan. Weil er die handverlesenen Stücke weiter an seine Kunden verkauft, muss er aber besonders auf den Preis schauen. «Es hat sehr schöne Sachen, aber es ist immer schwierig abzuschätzen, ob sich der Kauf lohnt», erklärt er.

Jürg Hoss hat die Preise der unzähligen Objekte selbst geschätzt. Das mache er auch für Banken und Versicherungen. Für mehrere Tausend Franken wurde beispielsweise ein Karussellpferd und eine Bündner Arventruhe verkauft. Diese Preise seien aber nicht in Stein gemeisselt, mit Hoss kann man gut feilschen. «Ich rate meinen Kundinnen und Kunden auch oft vom Kauf ab, falls sie sich nicht hunderprozentig sicher sind, dass sie es wollen», sagt Hoss. «Verschenkt wird aber nichts.»

Erstellt: 16.09.2019, 22:07 Uhr

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