Food Waste

Fluggäste sollen ihr Essen vorbestellen

Nach einem Flug werden übrig gebliebene Lebensmittel verbrannt. Die Swiss und Gate Gourmet prüfen nun, ob weniger verschwendet wird, wenn Passagiere ihre Mahlzeiten vorbestellen können.

Der Zürcher Flugcaterer Gate Gourmet produziert Menüs für mehrere Airlines und sorgt für Entsorgung und Recycling nach der Rückkehr der Flugzeuge.

Der Zürcher Flugcaterer Gate Gourmet produziert Menüs für mehrere Airlines und sorgt für Entsorgung und Recycling nach der Rückkehr der Flugzeuge. Bild: PD

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Am Ende eines Fluges landen übrig gebliebener Käse, Kaffeerahm und Schinken im Abfall, selbst wenn diese noch verpackt sind. Zahlen über die Menge entsorgter Lebensmittel in der Luftfahrt gibt es keine. Dennoch ist klar: Die Verpflegung in der Luft trägt kräftig zu Food Waste bei.

Die Verschwendung geht ursprünglich auf strenge Seuchenschutzgesetze zurück, schreibt das Magazin «Rundschau» der Pilotenverbände Aeropers und SwissAlpa. Es sieht veraltete Regelungen als einen der Gründe für Food Waste im Flugzeug.

Keine einheitliche Regeln

In vielen Ländern fürchtet man sich vor eingeschleppten Tierseuchen und Krankheitserregern und verbietet darum die Einfuhr tierischer und pflanzlicher Produkte. Jedes Land regelt den Umgang mit Lebensmitteln aber anders. Die unterschiedlichen Richtlinien bei der Herstellung der Nahrungsmittel und deren Qualitätskontrollen führen dazu, dass die EU jeden Artikel, der mit tierischen Produkten aus Nicht-EU-Staaten in Kontakt gekommen sein könnte, zunächst als Hochrisikomaterial betrachtet.

Dasselbe gilt für Lebensmittel, die in Drittstaaten hergestellt werden. Vereinfacht gesagt: Jeder Staat hat andere Qualitätsstandards und nimmt darum an, dass er die Einschleppung von Tierseuchen bei Lebensmitteln aus anderen Ländern nicht mit Sicherheit ausschliessen kann.

Das Problem kennt auch der grösste Flugcaterer im Raum Zürich, Gate Gourmet, bestens. Die Firma sucht Wege, um die Menge weggeworfener Lebensmittel zu reduzieren. «Zusammen mit den Airlines evaluieren wir, wie wir Food Waste bestmöglich – trotz des stark regulierten Umfeldes, in dem wir operieren – vermeiden können», sagt Samuel Schneeberger, General Manager von Gate Gourmet Zürich auf Anfrage. Dazu habe man verschiedene Konzepte entwickelt: «Eines davon ist, dass Passagiere ihr Essen zukünftig vorbestellen können.» Somit könne sichergestellt werden, dass das Menu den Geschmack von jedem Passagier trifft und dementsprechend weniger Food Waste entsteht.

Easyjet hat bereits gehandelt: Auf dem letzten Flug des Tages können die Fluggäste das Essen zum halben Preis kaufen.

Cola zu Biogas verwertet

Gate Gourmet produziert 50 000 Menüs pro Tag alleine für die Swiss. Der Caterer belädt die Trolleys und bringt sie kurz vor dem Start zum Flugzeug. Nach einem Flug nach New York etwa, werden die Trolleys auf dem John F. Kennedy Airport ausgeladen und die Bordabfälle dort entsorgt. Für den Flug zurück stehen dann Lebensmittel aus den USA bereit. Sobald das Flugzeug in Zürich-Kloten angekommen ist, holt Gate Gourmet die Trolleys mit den Essensresten beim Flugzeug ab und leert sie. Dann wird der Abfall getrennt.

Gate Gourmet rezykliert verschiedene Materialien und führte im Jahr 2018 mehr als 2000 Tonnen der Wiederverwertung zu. Darunter sind auch organische Abfälle aus der Küche, die in die Bio-Gas-Produktion gehen, Frittierfett und über eine halbe Million Liter Flüssigabfall von Orangensaft und Softgetränken. «Rund ein Drittel aller Abfälle, die aus unserer Arbeit entstehen, werden so rezykliert», sagt Schneeberger.

Der Grossteil wird jedoch entsorgt. Die Lebensmittel, die von den Flugzeugen zurückkommen, werden zumeist verbrannt. So sieht es das Gesetz vor. Wieder verwenden könne man Konserven und vollverpackte Produkte wie Konfitüre, UHT-Milch-Beutel oder Schokolade, sofern sie ohne Kühlung haltbar sind und nicht mit offenen Lebensmitteln im Kontakt waren.

Gekühltes wird entsorgt

«Gekühlt haltbare Produkte können in keinem Fall wiederverwendet werden», sagt Schneeberger. Selbst Mitarbeitende dürfen diese nicht konsumieren. «Diese Produkte waren ausserhalb unserer Kontrolle, und wir müssen grundsätzlich davon ausgehen, dass die Kühlkette nicht immer gesichert war.»

Erstellt: 13.09.2019, 17:57 Uhr

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