Glattfelden

Gemeindepräsident weist Rücktrittsforderungen zurück

Der Gemeinderat ist arg zerstritten, schuld sei der Präsident. Der wehrt sich und will im Amt bleiben.

Ernst Gassmann, Gemeindepräsident (FDP). Foto: Archiv ZU

Ernst Gassmann, Gemeindepräsident (FDP). Foto: Archiv ZU

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Ein interner Behördenstreit treibt die Glattfelder um. Auch wer sich nicht so sehr für Politik interessiert, hat mitbekommen, dass es ein ungemütlicher Sommer war für die lokalen Politiker. Dass jüngst wiederholt und vielstimmig der Rücktritt von Gemeindepräsident Ernst Gassmann – teils samt seinen beiden Vize – gefordert wurde, setzt die Betroffenen mächtig unter Druck.

«Das lässt mich nicht kalt», sagt der Gemeindepräsident. Es habe sich in letzten Wochen eine Dynamik entwickelt, die er «nur schwer nachvollziehen» könne. Vor allem sei viel Spekulation darin enthalten. «Jetzt scheinen alle gegen mich zu sein. Das beschäftigt mich schon.» Als Gemeindepräsident sei er sich ja gewohnt vorne zu stehen und auch mal den Kopf hinzuhalten. Aber dieser Fall sei aussergewöhnlich heftig. «Jetzt bin ich offenbar an allem schuld.» Alle sind es dann doch nicht, die gegen den Gemeindepräsidenten sind. Seine Partei, die FDP, wie auch die zweite grosse bürgerliche Partei, die SVP, haben sich dem Ruf nach einem Rücktritt Gassmanns freilich nicht angeschlossen. Nachdem zahlreiche ehemalige Gemeinderäte schon Ende Juli den Rücktritt gefordert hatten, traten vergangene Woche nun auch vier Ortsparteien – mit Ausnahme der besagten zwei – mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit. Zentrale Forderung: Gassmann soll zurücktreten. Absender sind die SP, Grüne, Grünliberale und Impuls 8192. Damit konfrontiert, gibt der amtierende Präsident eine unmissverständliche Antwort: «Ich trete nicht zurück.»

Es geht um mehr als Politik

Wieso man sich innerhalb der siebenköpfigen Glattfelder Exekutive derart in die Haare geraten ist, liegt weitgehend im Dunkeln. Offensichtlich geht es nicht nur um politische Differenzen zwischen den zwei Gemeinderätinnen aus dem links-grünen Lager und dem Bürgerblock aus FDP und SVP. So wird immer wieder davon berichtet, dass es ziemlich schlecht bestellt sei punkto zwischenmenschlichem Umgang, Tonfall, Streitkultur – also kurz dem Klima – innerhalb der Behörde.

So richtig aufgebrochen, ist dies als Mitte Juli bekannt wurde, dass die seit über 25 Jahren in Glattfelden tätige Gemeindeschreiberin unerwartet plötzlich ihren Job aufgibt. Die Meldung kam ohne Vorwarnung und sorgte für Aufruhr im Dorf, weil rasch klar wurde, dass der Abgang nicht ganz freiwillig erfolgte. Zudem sorgte auch ein neues, kantonsweit einzigartiges Handy- und Laptopverbot an Gemeinderatssitzungen für Unverständnis bis weit über Glattfelden hinaus. So wurde der Öffentlichkeit allmählich klar, welch erbitterten Grabenkämpfe sich innerhalb der Dorfregierung abspielen – bislang meist hinter den Kulissen.

Man redet noch zusammen

Ernst Gassmann will sich nicht als Sündenbock abstempeln lassen, sondern sieht sich als Präsident des zerstrittenen Gremiums in der Verantwortung, für Besserung zu sorgen. Wie das gehen soll, mochte er noch nicht beschreiben. Nur so viel: «Nächste Woche haben wir wieder eine Gemeinderatssitzung, dann wollen wir darüber sprechen.» Denn ja, man rede noch zusammen, sagt er. Und fügt an: «Wir müssen dafür sorgen, dass die Gemeindegeschäfte laufen.» Das tönt ganz nach einem motivierten Vorsitzende der Glattfelder Exekutiv, der reelle Chancen sieht, die Kollegialbehörde wieder dahin zu bringen, dass sie nicht nur so heisst, sondern die Mitglieder auch wirklich so miteinander umgehen.

Bis nächstes Jahr zu sechst

In Glattfelden gibts derzeit einen freien Sitz im Gemeinderat. Als sich der momentane Streit schon abzeichnete, liess sich ein Mitglied der siebenköpfigen Exekutive, Robert Wermelinger (GLP), in den Bülacher Bezirksrat wählen. Dort befindet sich das erstinstanzliche Aufsichtsgremium, das über das Schaffen der Gemeindebehörden wacht. Ersatz für den verwaisten Sitz kündigt sich erst im neuen Jahr an, wie Gemeindepräsident Gassmann bestätigt. Derzeit läuft die Eingabefrist für die Ersatzwahl, welche im Februar 2020 stattfinden soll. (cwü)

Erstellt: 28.08.2019, 16:52 Uhr

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