Glattfelden

Generationenwechsel beim letzten Bauernbetrieb in Zweidlen

Anfang Januar haben Andreas und Brigitta Maag ihren Hof an Sohn Raphael übergeben. Dieser hat die Zeichen der Zeit erkannt und will den Betrieb weiterentwickeln.

Raphael Maag (rechts) tritt die Nachfolge seines Vaters Andreas Maag an als Betriebsleiter auf dem elterlichen Hof in Zweidlen. Ein Standbein der vielseitigen Bewirtschaftung ist der Weinbau.

Raphael Maag (rechts) tritt die Nachfolge seines Vaters Andreas Maag an als Betriebsleiter auf dem elterlichen Hof in Zweidlen. Ein Standbein der vielseitigen Bewirtschaftung ist der Weinbau. Bild: Paco Carrascosa

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Andreas und Brigitta Maag sitzen am Küchentisch, diskutieren mit Sohn Raphael über dessen Zukunftspläne, erinnern sich gleichzeitig zurück an 30 Jahre Leben und Arbeit auf dem Dörflihof. 1989 übernahm das bestens ausgebildete Ehepaar, beide mit eidgenössischer Meisterprüfung, den dazumal 17 Hektaren grossen Betrieb der Eltern von Andreas Maag in sechster Generation.

Der Betrieb basierte auf den Zweigen Tierhaltung mit Milchvieh, Pferden, Schweinen und Hühnern. Dazu kamen die Ackerkulturen mit Kartoffeln, Getreide, Raps, Mais und als Spezialkultur Himbeeren. Als einziger Lehrbetrieb in Glattfelden bildete Maag in all diesen Jahren 23 Lehrlinge und 16 Praktikanten aus. Im Laufe der Betriebsentwicklung gab es mehrere Umstellungen und die Einführung neuer Betriebszweige. «Unser Ziel war es immer, den Betrieb so aufzubauen, dass genügend Einkommen erzielt werden kann, um als Vollerwerbsbetrieb zu gelten», erklärt der 64-Jährige. Um das finanzielle Risiko zu verteilen, wurde auf fünf Grundlagenpfeiler gebaut – extensive Mutterkuhhaltung der Rasse Galloway, Weinbau, Ackerbau, Kompostieranlage sowie Direktvermarktung und Gastronomie.

Den Familienbetrieb erfolgreich weiterführen

Dem 30-jährigen Sohn Raphael war schon seit längerem klar, dass er den elterlichen Hof übernehmen will. Dennoch war es ein Entscheid, der gut überdacht werden wollte. «Man ist als Landwirt abhängig von politischen Entscheidungen. Was der Bund bestimmt, muss man umsetzen, um Direktzahlungen zu erhalten, ohne die man nicht überleben könnte.» Den Begriff Direktzahlungen könne man ganz einfach erklären. «Der Bund kauft Dienstleistungen im Agrarbereich ein.»

Der junge Landwirt hat die Lehre als Landwirt 2008 erfolgreich abgeschlossen und letztes Jahr die Berufsprüfung als Betriebsleiter absolviert. Zehn Jahre lang arbeitete er im elterlichen Betrieb und kennt alle Freuden und Sorgen dieses beruflichen Alltags. «Ich hatte immer Freude am Beruf und möchte den Familienbetrieb, der inzwischen 38 Hektaren umfasst, erfolgreich weiterführen und ihn irgendwann meinen Nachkommen übergeben.» Dabei sei es wichtig, mit der Zeit zu gehen und den Betrieb weiterzuentwickeln, um davon leben zu können, auch wenn die Bürokratie zugenommen habe. Grosse Veränderungen will Raphael Maag aber nicht vornehmen. «Eventuell pflanze ich im Frühling neue Rebsorten an. Solche, die resistenter sind gegen Krankheiten.»

Stets heisse es, auf politische Entwicklungen zu achten und sich gegebenenfalls betrieblich umzustellen. Er möchte zum Beispiel die Beiz auf dem Hof nur noch vermieten, aber nicht mehr für die Bewirtung zuständig sein.

Die Eltern sind glücklich darüber, mit ihrem Sohn einen kompetenten Nachfolger zu haben. Das Bundesgesetz bestimmt, dass ein Landwirtschaftsbetrieb keine Direktzahlungen mehr erhält ab dem Folgejahr, in dem der Betriebsleiter 65 Jahre alt wird. Der Betrieb muss entweder liquidiert oder an einen ausgebildeten Nachfolger abgetreten werden.

Grosses Risiko aufgrund zahlreicher Gesetze

«Es sind immer weniger Junge bereit, dieses grosse Risiko einzugehen aufgrund der Flut von Gesetzesvorschriften, des sehr teuren Arbeitsplatzes durch hohe Investitionen in Land, Gebäude, Maschinen, Kulturen und Tiere sowie des niedrigen Lohns», bedauert Andreas Maag.

Fünf Höfe habe es bei der Betriebsübernahme im Jahr 1989 in Zweidlen Dorf gegeben. Nun ist nur noch einer übrig. Auch in Glattfelden hat die Anzahl Bauernhöfe abgenommen. Gegenwärtig sind es noch acht Vollerwerbs- und vier Nebenerwerbsbetriebe.

Für den jungen Betriebsleiter Raphael Maag stehen trotz der kalten Jahreszeit etliche Arbeiten an. «Das Rebjahr fängt im Winter an», sagt Raphael Maag. Momentan führe er den Winterschnitt in den Reben durch, schneide zudem Bäume zurück. Auch der Weizen wurde bereits gesät. Ab Februar kommt das Säen der Sommerkulturen dazu. «Im Winter haben wir zudem Zeit für die Wartung der Maschinen, die Waldpflege und den Gebäudeunterhalt.» Raphael Maag freut sich auf seine berufliche Zukunft, wenn er für den elterlichen Hof zuständig ist. «Ich arbeite gern mit den Händen, möchte etwas bewirken, Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen.»

Grosse Nachfrage

Gemäss dem «Schweizer Bauern» nimmt die Zahl der Schweizer Bauernhöfe kontinuierlich ab. Betroffen sind vor allem kleine Betriebe im Berggebiet. Kleine Höfe verschwinden, grosse werden grösser. Der Strukturwandel findet meistens beim Generationenwechsel statt. In manchen Regionen fehlt für ein Viertel der Bauernbetriebe eine gesicherte Hofnachfolge. Im Gegensatz dazu stammen viele Absolventen einer landwirtschaftlichen Ausbildung nicht aus einer Bauernfamilie und haben geringe Aussichten, je einen Hof führen zu können. (rh)

Erstellt: 22.01.2020, 14:21 Uhr

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