Glattfelden

Glattfelden überprüft sein Sozialamt nach schleppender Fallabwicklung

Im Sozialamt von Glattfelden wird ein neues internes Kontrollsystem geführt. Hintergrund ist die markant angestiegene Anzahl von Asyl- und Sozialfällen.

In Glattfelden haben unter anderem personelle Engpässe zu Problemen im Sozialamt geführt.

In Glattfelden haben unter anderem personelle Engpässe zu Problemen im Sozialamt geführt. Bild: mcp

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Sozialamt von Glattfelden lief in den letzten Jahren nicht alles immer so, wie sich das der Gemeinderat gewünscht hatte. «Leider hat sich gezeigt, dass das Sozialamt in der Vergangenheit nicht ordnungsgemäss geführt wurde», schreibt die Behörde in ihrem jüngsten Verhandlungsbericht. Unter anderem hat das sogar zur Neubesetzung der Leitung im Sozialamt geführt. Um in Zukunft finanzielle und andere Risiken zu erkennen, allfällige Schäden zu vermeiden und das Amt korrekt zu betreiben, führt die Behörde nun ein internes Kontrollsystem (IKS) ein.

Alles im Argen also im Glattfelder Sozialamt? So dramatisch wie es die Zeilen vermuten lassen, ist die Situation offenbar nicht. Anders als es im Verhandlungsbericht steht, sagt Gemeindepräsident Ernst Gassmann auf Anfrage: «Von einer nicht ordnungsgemässen Führung kann nicht gesprochen werden.» Gemäss Gassmann hingen die Probleme mit der Anzahl der Asyl- und Sozialhilfe zusammen. «Die extreme Zunahme der Fälle in den Jahren 2014 bis 2017 hat zwangsläufig zu personellen Engpässen geführt.»

«Die extreme Zunahme der Fälle in den Jahren 2014 bis 2017 hat zwangsläufig zu personellen Engpässen geführt.» 

Ernst Gassmann, Gemeindepräsident

Verschiedene Ursachen hätten zu dieser Steigerung geführt, so etwa die Erhöhung der Quoten für Asylbewerber und der Umstand, dass Asylbewerber- und Sozialhilfe-Familien in teils teuren Wohnungen untergebracht werden mussten. «Glattfelden hat aber auch relativ viele günstige Wohnungen, die für Sozialhilfebezüger erschwinglich sind.» Zudem sei in dieser Zeit auch die Anzahl Arbeitssuchender in der Gemeinde gestiegen. Insgesamt schätzt der Gemeindepräsident, dass im Sozialamt die Anzahl zu bearbeitender Dossiers um rund einen Drittel zugenommen hat.

Das hatte Folgen für die Arbeit im Sozialamt. Die personellen Engpässe führten dazu, dass Fälle nur noch schleppend abgewickelt werden konnten. Fristen wurden überschritten, die Einhaltung von gewissen Auflagen konnte nicht mehr überall kontrolliert werden und es kam auch zu «verspäteten Rückforderungen von Rückerstattungen anderer Kostenträgern». Aber: «Die Leistungen an die Sozialhilfe-Klienten wurden stets gesetzeskonform geleistet», sagt Gassmann auch. Und ab Ende 2017 seien die rund 150 Dossiers aktualisiert worden. Heute wiesen sie einen guten Stand auf.

Mehr Profis engagiert

Die Trennung mit der vorhergehenden Leitung des Sozialamts sei denn auch im gegenseitigen Einvernehmen erfolgt. «Wir haben erkannt, dass wir im Sozialbereich nur mit langjährigen, erfahrenen und kompetenten Profis arbeiten müssen», sagt Gassmann. Der Personalbestand im Sozialamt sei deswegen inzwischen von 100 auf 240 Stellenprozente ausgebaut worden.

Eigentliche Mehrkosten seien der Gemeinde durch die frühere Leitung des Sozialamts nicht entstanden. «Das Aufholen und Bereinigen der in Rückstand gefallenen Dossiers hat interne und externe Personalkosten verursacht», sagt der Gemeindepräsident zwar. «Die Kosten wären zum grössten Teil aber auch entstanden, wenn diese Personaleinheiten von Anfang an eingesetzt worden wären.» Es sei jedoch nicht auszuschliessen, dass beim einen oder anderen Fall die Unterstützungsleistung etwas spezifischer ausgefallen wäre, wenn mehr Ressourcen zur Verfügung gestanden wären. Auch sei vorstellbar, dass einigen Klienten verschärfte Auflagen und Verpflichtungen aufgebunden und sie zu besserer Mitwirkung angehalten worden wären.

Risiken früh erkennen

Nebst der personellen Aufstockung soll zudem das IKS helfen, künftige Engpässe zu vermeiden. «Ein IKS steht schon seit Jahren auf der Agenda des Gemeinderats», sagt Gassman. Das IKS ist ein Instrument der Finanzabteilung, welches aufgrund von Kennzahlen und Kontrollpunkten erkennen soll, wenn in einem Bereich der Gemeinde etwas schief zu laufen droht. «Wir starten zuerst mit einem übergeordneten Ansatz, indem wir die generellen Risiken und deren Auswirkungen auf die ganze Gemeinde untersuchen.»

In einem zweiten Schritt werde die Gemeinde dann die einzelnen Abteilungen untersuchen und entsprechende Kontrollen entwickeln und einführen. Den Anfang macht das Sozialamt. «Im Sozialbereich sehen wir gegenwärtig den wichtigsten Kontrollbedarf. Die Gemeinde Glattfelden hat einen sehr hohen Sozialindex mit entsprechend hohen Kosten. Dass dieser Bereich prioritär kontrolliert werden soll, liegt auf der Hand.» Im Sozialwesen soll das IKS noch Ende Jahr eingeführt werden, in der gesamten Verwaltung erfolgt die Umsetzung bis spätestens Ende 2020. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 17.05.2019, 17:46 Uhr

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles