Bülach

Guss-Betreiber geht aus Angst vor Lärmklagen

Der aktuelle Betreiber des Kultur- und Begegnungszentrums Guss 39 hört Ende Jahr auf. Denn er befürchtet Konflikte mit den Bewohnern der neuen Überbauung, die dicht an den Eingang angrenzt. Nun sucht die Stadt einen Nachfolger für mindestens fünf Jahre.

Raucher werden beim Guss 39 praktisch auf den Gartensitzplätzen der Anwohner stehen.

Raucher werden beim Guss 39 praktisch auf den Gartensitzplätzen der Anwohner stehen. Bild: Francisco Carrascosa

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Das Kultur- und Begegnungszentrum Guss in Bülach stand schon des öftern kurz vor dem Aus. Doch bis anhin wurde die definitive Schliessung jedes Mal wieder vertagt. So auch jetzt: Die Leistungsvereinbarung mit der aktuellen Betreiberin, der i39 Event GmbH um den Bülacher Gianluca Italia, läuft Ende dieses Jahres aus, nachdem sie bereits um ein halbes Jahr verlängert wurde. Doch weil das Grundstück erst 2024 für zusätzlichen Schulraum benötigt wird, schreibt die Stadt den Auftrag neu aus.

Gesucht werden neue Betreiber, welche Barbetrieb, gastronomische Angebote sowie Partys und kulturelle Anlässe bis mindestens Februar 2024 weiterführen. Für letztere steuerte die Stadt bisher jährlich 55 000 Franken bei.

Gianluca Italia und seine Crew sorgen seit acht Jahren für Leben auf dem Areal hinter dem Bahnhof, das zum Planungsgebiet für den Stadtteil Bülach Nord gehört. Neben Fondue- und Pouletflügeliessen sowie Bierabenden und Public Viewings bei Sportgrossveranstaltungen finden regelmässig Partys statt, aber auch jährlich 40 Konzert- oder Theaterveranstaltungen sowie private Anlässe.

Angebot kommt gut an

«Gianluca Italia hat einen guten, mehrheitsfähigen Mix hingekriegt», sagt Stadtpräsident Mark Eberli. Auch im Parlament gebe es heutzutage praktisch keine kritischen Stimmen mehr – ganz im Gegensatz zu früher. Das mehr auf Nischenkultur ausgerichtete Konzept des ehemaligen Guss 81-80 genoss auf bürgerlicher Seite wenig Wohlwollen. «Wir bedauern sehr, dass das jetzige Team nicht weitermacht», betont Mark Eberli.

Grund für Italias Absage sind befürchtete Lärmklagen. Bereits im nächsten Sommer werden in unmittelbarer Nähe nämlich die ersten Bewohner der neuen Überbauung einziehen. Die Gartensitzplätze reichen bis wenige Meter vor den Eingang des Begegnungszentrums.

«So können wir den Betrieb unmöglich in der gleichen, bewährten Form weiterführen», sagt Italia. Die Konzerte und Partys dauern heute von Donnerstag bis Samstag häufig bis vier Uhr morgens. Wenn Gäste nach draussen gehen, um zu rauchen, seien Konflikte vorprogrammiert, ist sich Italia sicher.

Schulraum pressiert nicht

Bedeutend zuversichtlicher gibt sich der Stadtpräsident. Bis um 22 Uhr sei der Betrieb sowieso problemlos, sagt Mark Eberli. Andere Restaurants wie etwa das Altstadtpub und der McDonald’s seien zum Teil ja auch bis morgens um zwei Uhr offen. Und für länger dauernde Partys seien an Wochenenden Bewilligungen möglich.

Gesucht werden inspirierte Nachfolger, die den Betrieb ab Februar 2019 weiterführen. Garantiert ist eine Frist von fünf Jahren, also bis Februar 2024. Je nach Situation sei dann vielleicht sogar eine Verlängerung möglich, stellt Eberli in Aussicht. Denn er erwartet nicht, dass die Kinderzahl im neuen Stadtteil Bülach Nord rasant ansteigt. Die Erfahrungen im Wisental in Bülach Süd waren anders: Dort blieb die Kinderzahl nach Einzug der Bewohner über Jahre stabil und nimmt erst in letzter Zeit zu. Deshalb muss die Schule jetzt zuerst einmal ins Schulhaus Böswisli im Südwesten Bülachs investieren.

Für den Nachfolgebetrieb lädt die Stadt Kulturschaffende und Organisationen ein, ein Konzept einzureichen. Die Ausschreibung ist auf der Webseite der Stadt aufgeschaltet (unter Themen - Kultur). Der Bewerbungsprozess läuft noch bis am 12. Juni. Zwischen dem 23. und dem 27. April beantwortet das Kultursekretariat schriftlich Fragen. Ein erster Interessent hat sich bereits gemeldet.

Erstellt: 18.04.2018, 11:02 Uhr

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