Bachs

Im Neuhof lebt die Kolonialzeit auf

Rebekka Costa ist Wirtin im Restaurant Neuhof. Sie malt aber auch Bilder, die sie in einem Raum ausstellt, der später ihr privates Wohnzimmer wird.

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Noch herrscht ein ziemliches Durcheinander im grossen Raum im Gebäude des Restaurants Neuhof in Bachs. Vorherrschend ist die Farbe Grün. Exotische Pflanzen sind in Gruppen arrangiert, dazwischen findet man Werkzeug verstreut am Boden, unter einem alten Tisch liegt ein verblichener Teppich auf dem alten Holzboden.

Eine Wand ist in matt grün gestrichen, an einer anderen hängen Stoffbahnen im exakt gleichen Farbton, ergänzt von solchen mit Pflanzenmustern, und überall verteilt sind die von Rebekka Costa gemalten Bilder mit brasilianischen Frauen als Thema.

Extra Möbel gekauft

Sie richtet den Raum so nah wie möglich am Kolonialstil ein und dekoriert ihn entsprechend. «Meine Bilder widerspiegeln diese Zeit am Beispiel von Brasilien, deshalb soll die Umgebung stimmen.» Was sie mit alle den Sachen nach der Ausstellung macht, weiss sie jetzt noch nicht. Klar sei nur, dass sie nicht alles behalten könne. Vorerst ist die kreative Frau noch voll aufs Einrichten des Ausstellungsraums konzentriert. Die Vernissage findet am Donnerstag, 22. August, statt. «Bis dahin ist alles fertig eingerichtet, die Dekorationen sind entsprechend platziert, und die Bilder hängen an der richtigen Stelle», versichert sie. «Ich bin eine Perfektionistin.»

Die gelernte Floristin hat später ins Gastgewerbe gewechselt, von dem sie nach wie vor fasziniert ist. In einem dieser Jobs hat sie ihren Mann Lucas Costa kennengelernt, der aus Brasilien stammt. Zusammen haben sie dort längere Zeit verbracht. Dabei ist die junge Frau mit dem Leben und der Kultur dort vertraut geworden. Das hat sie in vielerlei Hinsicht geprägt und für die aktuelle Bilderserie inspiriert. «Ich mache immer zuerst ein Konzept für meine Kunstprojekte, das den Rahmen vorgibt», erklärt sie.

Brasiliens Frauen im Fokus

Diesmal ist es die Situation der brasilianischen Frauen, die immer noch stark von der Kolonialzeit beeinflusst ist. So jedenfalls empfindet es die 33-Jährige. In rund fünf Monaten sind 40 Bilder entstanden, auf denen vorwiegend schwarze Frauen in unterschiedlichen Posen zu sehen sind. «Ich will auch ein Gegengewicht geben zum Anspruch, Frauen müssten perfekt sein.» Auf einem Bild hebt eine ganze Gruppe ihr Herz in die Höhe. Damit symbolisiert die Künstlerin die Aussage: «Nimm mein Herz». Das Herz bedeutet für sie das wahre Ich. Die Frauen sollen nach ihrem Herz und nicht nach ihrem Äusseren beurteilt werden.Von den Brasilianerinnen auf den Bildern blicken manche traurig, andere wütend oder gekränkt, sie drücken Gefühle aus, die nicht immer positiv sind.

 «Alles, was ich erlebt habe, was sich aufgestaut hat, sprudelt dann plötzlich aus mir heraus.»Rebekka Costa
Wirtin im Neuhof Bachs
und Künstlerin

Rebekka Costa möchte nicht allzu viele Erklärungen zu ihren Werken abgeben. «Natürlich empfinde ich etwas, während meine Bilder entstehen. Ich bin jedoch überzeugt, dass die Menschen, die meine Werke anschauen, ebenfalls etwas spüren. Und vielleicht sogar dasselbe wie ich.» Rebekka Costa verarbeitet ihre Eindrücke malend. «Alles, was ich erlebt habe, was sich aufgestaut hat, sprudelt dann plötzlich aus mir heraus.»

Essen wie am Familientisch

Im Raum mit den Kunstwerken steht auch ein langer Esstisch, an dem zehn Personen Platz finden. An sechs Abenden während der Zeit, in der die Ausstellung geöffnet ist, bitten Rebekka und Lucas Costa dort zu Tisch. Unter dem Titel «Para A Mesa» serviert das Wirtepaar eine grosse Auswahl an brasilianischen Köstlichkeiten mit dem passenden Wein.

Die Künstlerin freut sich jetzt schon auf ein bunt gemischtes Publikum, das sich die Speisen schmecken lässt. «Mit dieser Verbindung von Kunst und Essen geht für mich ein Traum in Erfüllung», sagt sie. In Erinnerung an die Treffen mit der Familie ihres Mannes in Brasilien plant sie nun, auch die kulinarische Seite mit all ihren Farben, Formen, Gerüchen und Aromen in ihrem Bachser Wohnzimmer zu zelebrieren.

Im Neuhof Bachs haben Rebekka Costa und ihr Mann die passende Umgebung für ihre Ideen gefunden. Diese beziehen sich nicht allein auf den Gastrobetrieb und kulturelle Veranstaltungen. Brasilien hat einen derart starken Einfluss auf das Leben der beiden, dass sie sogar Kinder aus dem südamerikanischen Land adoptieren wollen. Ist die aktuelle Ausstellung, es ist bereits die achte oder neunte der Malerin, vorbei, können beide ihrem Privatleben wieder mehr Zeit widmen.

Vernissage

Die Kunstausstellung von Rebekka Costa im Neuhof in Bachs beginnt am Donnerstag, 22. August um 19.30 Uhr. Alle weiteren Infos sind auf www.neuhofbachs.com zu finden.

Erstellt: 14.08.2019, 15:49 Uhr

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