Bildung

Je kleiner die Gemeinde, desto schwieriger die Ferienbetreuung

Bietet eine Schulgemeinde keinen Ferienhort an, müssen Eltern auf private Anbieter zurückgreifen – oder auf Bekannte und die Familie.

Heute beginnt für 26000 Kinder und Jugendliche im Unterland der Kindergarten und die Schule.

Heute beginnt für 26000 Kinder und Jugendliche im Unterland der Kindergarten und die Schule. Bild: Reto Oeschger

Die Sommerferien sind vorbei. Für rund 26000 Kinder und Jugendliche beginnt heute Morgen der Schul- oder Kindergartenalltag. Für ihre Eltern heisst das in den meisten Fällen: zurück in die reguläre Arbeitsstruktur. Gemäss Bundesamt für Statistik ist das Modell mit vollzeiterwerbstätigem Vater und teilzeiterwerbstätiger Mutter in Paarhaushalten mit Kindern am häufigsten. Während der Schulzeit können in sämtlichen Schulen Mittagstische, Morgens- und Nachmittagsbetreuung in Anspruch genommen werden – was ist aber in den Schulferien?

Das Kinder- und Jugendhilfegesetz verpflichtet die Gemeinden des Kantons Zürich zwar dazu, für ein bedarfsgerechtes Angebot an Kinderbetreuung zu sorgen. Die Betreuung während der Schulferien gehört jedoch nicht zu diesen Vorgaben. Wer einen Ferienhort anbietet, tut dies auf freiwilliger Basis und muss dies entsprechend keiner kantonalen Stelle melden – was mitunter dazu führt, dass auch das Volksschulamt keine Übersicht über das Angebot an Ferienhorten in der Region hat.

Vor allem aber können dadurch nicht alle Unterländer Familien das gleiche Angebot in Anspruch nehmen. Gerade für kleine Schulgemeinden ist der Aufbau eines Ferienhorts aus finanziellen, personellen und organisatorischen Gründen schwierig. «Für grössere Gemeinden ist es einfacher, einen Ferienhort anzubieten», sagt Barbara Altorfer, Schulpräsidentin der Primarschule Rümlang. «Denn sie haben nicht nur mehr Kinder, die sich potenziell anmelden, sondern verfügen auch über mehr Schulhäuser als Ausweichmöglichkeiten.»

Auf Nachfrage der Eltern

In diesem Schuljahr startet in der Primarschule Rümlang ein einjähriges Pilotprojekt: Erstmals können Eltern ihre schulpflichtligen Kinder in einem Ferienhort unterbringen. Vorerst ist das Angebot auf die jeweils erste Woche der Herbst-, Sport- und Frühlingsferien sowie die erste und letzte Sommerferienwoche beschränkt. «Die Frage nach einem Ferienhort ist auf der Seite der Eltern schon länger auf dem Tisch», weiss Altorfer. Da die schulergänzende Betreuung bis letzten Sommer in einem Provisorium untergebracht war, fehlte es jedoch an Platz, um dem Wunsch nachzukommen. Das Pilotprojekt soll dieses Schuljahr die effektive Nachfrage seitens der Familien eruieren.

«Das Problem ist aber, dass der Ferienhort selbsttragend sein muss.»Barbara Altorfer, Schulpräsidentin der Primarschule Rümlang

Die Kosten sind im Vorherein für die Eltern indes schwer abzuschätzen: Der Elternbeitrag richtet sich nämlich an der Anzahl angemeldeter Kinder im Hort. Er liegt zwischen 89 und 98 Franken. Und: Bei einem Mangel an Anmeldungen – weniger als 50 Kinder pro Woche – behält sich die Schule vor, die Betreuung nicht anzubieten. «Uns ist bewusst, dass das ein hoher Betrag ist, vor allem wenn man ihn mit normalen Horttarifen vergleicht», sagt Altorfer. «Das Problem ist aber, dass der Ferienhort selbsttragend sein muss.» Das heisst: Personalkosten, darunter auch die Reinigung, Verpflegung über ein Catering und eventuelle Ausflüge (zum Beispiel in den Zoo oder die Badi) müssen gedeckt werden. «Da der Ferienhort ein freiwilliges Angebot darstellt, kann er von der Gemeinde nicht subventioniert werden. Es wäre heikel, den Steuerzahler zur Kasse zu bitten, um die Betreuung einzelner Kinder in den Ferien zu finanzieren», erklärt Altorfer weiter. Familien, die sich den Ferienhort nicht leisten können, müssten deshalb auf Pflegefamilien oder Betreuung durch Familienmitglieder zurückgreifen.

Rümlangs Nachbargemeinde Oberglatt hat bereits seit vergangenem Sommer für die Dauer von drei Jahren ein solches Pilotprojekt am Laufen. Dort sind die Kosten pro Kind vom Einkommen der Eltern abhängig: Wer bis 80000 Franken jährlich verdient, bezahlt 70 Franken pro Kind und Tag, alle anderen 78 Franken pro Tag. Ausserdem ist im Reglement des Ferienhorts angegeben, dass Eltern bei der Sozialbehörde ein Subventionsgesuch einreichen können, sofern sie dies benötigen.

«Die Primarschulpflege Oberglatt hat sich das Ziel gesetzt, als Schule attraktiv für bildungsinteressierte Familien zu sein und zeitgemässe, familienfreundliche Strukturen anzubieten», erklärt Primarschulpräsidentin Nalan Seifeddini. Im Rahmen des Pilotprojekts wird während jeweils acht Schulferienwochen eine Ganztagesbetreuung angeboten. Anforderungen an eine Mindestbelegung gibt es – im Gegensatz zu zahlreichen anderen Gemeinden – nicht. «Bisher hat sich gezeigt, dass das Angebot genutzt und als positiv gewertet wird», sagt Seifeddini. Die Schule rechnete bis einem bis fünf Kindern pro Ferienwoche, was sich bestätigt hat. Genauere Zahlen können jedoch erst nach der Evaluation 2021 geliefert werden. Seifeddini ergänzt, dass die Projektgruppe mit den Nachbargemeinden in Kontakt stünde. «Bei vorhandener Kapazität stünde der Ferienhort auch ihnen zur Verfügung. Bisher wurde unser Angebot jedoch nicht von Familien aus Nachbargemeinden genutzt.»

Auch Kleine sind mit dabei

Weitere Angebote für Ferienhorte finden sich in den Städten Bülach, Opfikon und Kloten. In Bülach etwa kostet der Hort zwischen 41 und 102 Franken pro Tag. Beispielsweise hier können Eltern aber auch auf Waldspielwochen und ähnliche Angebote zurückgreifen, anstatt ihre Kinder im Ferienhort betreuen zu lassen. In Otelfingen wurde der Ferienhort schon 2007 provisorisch eingeführt und ist seit 2016 offiziell verankert.

(Fortsetzung des Artikels nach Übersichtstabelle.)

Auch zahlreiche kleine Gemeinden in der Region bieten Ferienhorte an: In Lufingen beispielsweise ist er während den Sommerferien in der ersten und zweiten Woche sowie in den Herbst-, Sport-und Frühlingsferien in der ersten Woche geöffnet. Kostenpunkt: 75 Franken pro Tag für Hortkinder, 90 Franken für Nicht-Hortkinder. In der Schule Wehntal wiederum kostet der Hort in den Ferien für Hortkinder zwischen 50 und 100 Franken – je nach Einkommen der Eltern – sowie 100 Franken für Nicht-Hortkinder. Und in Eglisau kostet der Hort 90 Franken pro Tag, wobei Eltern je nach steuerbarem Einkommen ein Gesuch um einen Kostenbeitrag bei der Schulgemeinde stellen können.

Auch externe Kinder dürfen

Kein schulisches Ferienhortangebot gibt es in den Gemeinden Weiach und Rafz sowie im Unteren Rafzerfeld (Wil, Hüntwangen, Wasterkingen). Auch Höri und Hochfelden, zwei Bülacher Kreisgemeinden, bieten keinen Ferienhort an – Winkel und Bachenbülach dagegen schon. Hier sind Eltern umso stärker von privaten Anbietern und Betreuung durch Familienmitglieder – oft sind es die Grosseltern – abhängig.

In der Gemeinde Rafz gibt es ausserdem ein inoffizielles Schlupfloch. Hier ist die schulergänzende Betreuung durch den Kinderhort Rägeboge organisiert. «Es ist zwar nicht öffentlich ausgeschrieben», sagt die Hortleiterin Julia Ruf auf Anfrage, «aber Kinder, die bei uns das ganze Jahr angemeldet sind, können auch einen Ferienhort nutzen. Über einen Betreuungsvertrag könnten wir auch externe Kinder aufnehmen.» Aktuell nehme eine Familie aus Wasterkingen das Angebot in Anspruch. Der Tarif für den Ferienhort beträgt pro Tag rund 100 Franken. Öffentlich publiziert sei dieser Ferienhort bis jetzt nicht, da der Kinderhort Rägeboge den bereits angemeldeten Kindern Vorrang geben will. Ausserdem sei die Nachfrage bei den Eltern gering.

Erstellt: 16.08.2019, 11:33 Uhr

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