Flughafen

Klimabewegung demonstriert am Flughafen – just zum Ferienbeginn

Am Samstag haben sich am Flughafen Zürich über 100 Aktivistinnen und Aktivisten zum «Die-In» versammelt.

Rund hundert Personen nahmen am «Die-In» am Flughafen teil.
Video: Sharon Saameli

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Flugpassagiere strömen zu Hunderten durch den Flughafen, warten am Check-In, trinken Kaffee, um sich die Wartezeit zu vertreiben – der Samstag hätte ein normaler Ferienanfang am Flughafen Zürich werden können. Mit mehr als 100 000 Passagieren zu Beginn der Sommerferien herrscht am Samstag Grossandrang. Auffallend ist lediglich eine erhöhte Polizeipräsenz: Nahe des Check-In 3 sowie beim Busbahnhof stehen jeweils rund ein halbes Dutzend Amtspersonen. Gegen 14 Uhr ist auch klar, wieso: Plötzlich liegen wie tot gegen 100 vorwiegend junge Menschen in der Empfangshalle des Flughafens, und der Bündner Sänger Linard Bardill trägt ein Lied vor. Bardill hatte 2018 erfolglos für den Bündner Regierungsrat kandidiert. Um die Gruppe herum stehen zahlreiche Passagiere sowie auch einige Flughafenmitarbeitende, die das Geschehen filmen und fotografieren.

Die Aktion ist von Klimastreik Schweiz und Extinction Rebellion organisiert worden. Um die Aktivistinnen und Aktivisten herum werden Flyer verteilt, die auf den Zweck des sogenannten «Die-In» aufmerksam machen: Es handelt sich um den Start für die Kampagne «Flugstreik 2020», mit der sich alle dazu verpflichten können, im kommenden Jahr auf das Fliegen zu verzichten. Die Begründung: «Der Flugverkehr ist einer der am schnellsten wachsenden Verursacher von Treibhausgasemissionen. Obwohl nur etwa fünf Prozent aller Menschen je ein Flugzeug bestiegen haben, sind seine Auswirkungen auf das Klima enorm.» So steht es im Flyer.

«Für die Zukunft meines Sohns»

Gut fünf Minuten liegen die Personen am Boden, bis sie sich synchron erheben und zum Sprechchor einstimmen. Dann bewegt sich die Masse nach einem langen Applaus wieder zu den Zugperrons – eine halbe Stunde später ist die Aktion schon vorbei. Die Polizei beobachtet und begleitet die Aktion, greift jedoch nicht ein. Lediglich nach der Aktion beginnen einige Amtspersonen Gespräche mit Anwesenden. Das hätte auch anders aussehen können: An Klima-Aktionen vor der UBS und Credit Suisse in Zürich und Basel sind Anfang Woche insgesamt 64 Personen verhaftet worden.

Selbst wenn: Die Klimastreikenden würden Konsequenzen dieser Art in Kauf nehmen. «Die rechtlichen Konsequenzen stehen in keinem Verhältnis zu den Konsequenzen, die uns drohen, wenn wir die Energiewende nicht schaffen. Ich persönlich nehme an der Aktion teil, weil ich mir eine lebenswerte Zukunft für meinen 1-jährigen Sohn und alle anderen Kinder wünsche», begründet eine Aktivistin ihre Motivation zur Teilnahme. Eine andere hält fest: «Nebst all den wissenschaftlichen Fakten, wieso fliegen so enorm klimaschädlich ist, empfinde ich es als extrem schade, dass dadurch der Bezug zu Distanzen verloren geht und mit ihr die Wertschätzung unserer luxuriösen Mobilität. Ich reiste mit dem Frachtschiff nach Südamerika um dort 14 Monate zu verbringen. Die Reise selbst war eine der beeindruckendsten Erlebnisse!»

Aktion von Polizei toleriert

Die Aktion wurde von Kantonspolizei und Flughafen toleriert, wie Philipp Bircher, Mediensprecher des Flughafens Zürich, auf Anfrage von Keystone/SDA mitteilte. Anfragen zu solchen Kundgebungen würden jeweils geprüft und normalerweise genehmigt. Sie dürften weder Sicherheit noch Flugbetrieb stören. Die heutige Aktion erfolgte jedoch ohne Anfrage. Man habe aber davon gewusst und sich entschlossen, sie zu tolerieren, falls sie friedlich verlaufe, sagte Bircher.

Die Teilnehmenden der Aktion am Flughafen sind im Verlauf des Nachmittags in Zürich zur Demonstration weitergezogen.

Erstellt: 13.07.2019, 15:59 Uhr

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