Eglisau

«Kultur ist ein wunderbares Instrument, Eglisau zu beleben»

Kunst sollte eine Frage des Geschmacks und nicht des Geldbeutels sein, meint Christoph Hagedorn, Präsident des Vereins Viva Eglisau, welcher kommende Woche die 1. Eglisauer Bilderbörse veranstaltet – und hofft ab Montag auf ebenso zahlreiche und wie vielfältige Exponate.

Christoph Hagedorn will Kunstwerke an die Börse bringen, die sonst im Keller verstauben.

Christoph Hagedorn will Kunstwerke an die Börse bringen, die sonst im Keller verstauben. Bild: Leo Wyden

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Nach vier erfolgten Ausstellungen von Einzelkünstlern seit der Wiedereröffnung der Galerie am Platz im vergangenen September lädt Viva Eglisau nun zur Bilderbörse ein. Welche Idee steckt dahinter?
Christoph Hagedorn: Zum einen möchten wir jenen Menschen etwas bieten, die sonst nicht das Budget für Kunst übrig haben. Zum anderen wissen wir, dass in Kellern oder Kleiderkästen so manches Kunstobjekt unbeachtet schlummert – ob von namhaften Künstlern oder der Cousine. Da ist es doch schön, wenn man dies zu einem fairen Preis an jemanden, der Freude daran hat, verkaufen kann. Die Idee ist nicht von uns geboren, doch kommt hier der ortspolitische Aspekt hinzu: Immer mehr Läden ziehen weg – Kultur ist ein wunderbares Instrument, das Städtchen zu beleben.

Doch ist das Angebot nicht nur für Eglisau bestimmt?
Absolut nicht, die ganze Welt kann kommen, bringen, schauen und kaufen.

Anders als etwa die Kunstbörse Kloten beschränken Sie sich nicht auf Bilder?
Bilder, Skulpturen, Fotografien – wir sind offen für alle Facetten der bildenden Kunst. Wir wollen signalisieren: Die Galerie ist ein Ort, an dem unheimlich viel möglich sein soll und nun ist sie für drei Tage eine Volksgalerie.

Von Massenware bis zur Rarität ist alles erlaubt – wie sichern Sie die Qualität des Angebots?
Das ist ja das Interessante: Die Leute bringen, was sie möchten, wir als Veranstalter werten nicht. Am Ende entscheiden die Besucher, ob sie das kaufen oder nicht. Wir haben viele Anfragen bezüglich der Limitation: Es gibt keine, ausser den Platz. Und natürlich schliessen wir Sexistisches, zu Politisches oder sonst Anstössiges aus.

Eigene Werke können auch verkauft werden?
Ja, doch darf man nicht erwarten, damit riesig Geld zu machen. Aber vielleicht entdecken wir so auch neue Künstler für die Galerie.

Ab Montag kann man die Werke bringen, ab Freitag wird verkauft. Mit wie vielen Exponaten rechnen Sie?
Wir wissen es nicht, da fehlt uns die Erfahrung. Unsere grösste Angst ist, dass entweder keiner kommt oder wahnsinnig viele. Einen Grundstock haben wir bereits, so etwa 31 signierte Lithografien von Künstlern von Michael Parkes bis Günther Grass aus dem Nachlass des Dielsdorfer Steindruckers Helmut Fritz. Etwas reservieren kann man an der Börse nicht – man hängt das Bild ab, zahlt bar und nimmt es heim, so werden wir laufend neu arrangieren.

Die Preise sind fix, wer legt sie fest?
Das ist allein Sache des Verkäufers, wir geben auch keine Expertise über den Wert der angebotenen Werke. Sicher können Kunstliebhaber auch so manches Original günstig ergattern.

Die Vermittlerprovision von 40 Prozent ist relativ hoch.
Das stimmt, doch der personelle Aufwand ist erheblich, es werden bei Annahme und Verkauf vier bis acht Leute aus dem Freiwilligenteam anwesend sein. Wir müssen unsere Kasse füllen, damit die Galerie weiter betrieben werden kann. Ausser einem Teil der Miete, den die Gemeinde trägt, erhält sie keine Subvention. Die Fixkosten sind hoch und wir müssen in neues Licht investieren.

Werden Sie sich selbst nach neuen Werken stöbern?
Aber sicher. Und wie wohl andere Teilnehmer auch, hoffen meine Frau und ich, dass wir vom Erlös alter Objekte Neuanschaffungen finanzieren können. Wir wählen danach aus, ob uns etwas gefällt und bei uns hinpasst. Den Ausschlag gibt das Werk und nicht der Künstler.

Die Börse ist ein Erfolg, wenn . . .
. . . wir eine enorme Vielfalt von Werken bekommen und diese sehr gut verkaufen. Das wäre für uns ein klares Zeichen, dass ein Bedürfnis besteht und sicher auch ein Grund zu einer Fortsetzung.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 04.05.2018, 17:07 Uhr

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