Kloten

Millionen für neue Asylunterkunft – und selbst die SVP findets «vernünftig»

Kloten braucht dringend neue Asylplätze. Die Stadt plant deshalb einen Neubau für gegen 4 Millionen Franken. Dieser ist nicht nur völlig unumstritten, sondern wird gar allseits begrüsst.

Die orange Barackensiedlung ist veraltet und muss ohnehin einem Erweiterungsbau der Pigna weichen. Auf demselben Areal will die Stadt nun einen Asylneubau mit bis zu 64 Plätzen erstellen.

Die orange Barackensiedlung ist veraltet und muss ohnehin einem Erweiterungsbau der Pigna weichen. Auf demselben Areal will die Stadt nun einen Asylneubau mit bis zu 64 Plätzen erstellen.

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Die Erleichterung war ihr anzumerken. Als Klotens Stadträtin Gaby Kuratli (CVP) den Kirchgemeindesaal am Donnerstagabend verliess, gab sie sich zuversichtlich. Der Druck ein Millionenprojekt fürs städtische Asylwesen öffentlich vorzustellen und auch beim Stimmvolk beliebt zu machen, war gewichen. Ihr vielleicht wichtigstes Geschäft der letzten Jahre – der Bau einer neuen Asylunterkunft – scheint nach dem Informationsabend Formsache zu sein. Laut sagen, mochte Kuratli das aber nicht. Aber sie nickte entschlossen. «Die Abstimmung kommt erst», meinte sie.

Bislang sagten alle Gremien jeweils einstimmig Ja

Bereits vor der Informationsveranstaltung an diesem Abend zeigte sich ein ungewohnt einheitliches Bild in der Entstehung und Entwicklung dieses Projekts. Der Stadtrat, die Geschäftsprüfungskommission und auch das 32-köpfige Stadtparlament hatten einer neuen Asylunterkunft bereits einstimmig zugestimmt. Jetzt fehlt nur noch das Ja der Klotener Stimmberechtigten an der Urne, denn ein so teures Geschäft muss zwingend vors Volk, um realisiert werden zu können. Über den Ausführungskredit in der Höhe von 3,7 Millionen Franken wird am 19. Mai abgestimmt werden.

Gleich neben der reformierten Stadtkirche versammelten sich am Donnerstagabend nicht viel mehr als zwei Dutzend Interessierte. Zählt man die Behördenvertreter und Verwaltungsmitarbeiter ab, so verloren sich kaum zehn Klotener Stimmberechtigte im bis zuhinterst mit Stühlen vorbereiteten Saal.

Der Wirbel von einst hat sich gelegt

Kein Vergleich also zum aufgeheizten Infoabend im März 2016. Vor vollen Rängen hatte die Stadtregierung damals bekannt gegeben, dass die knapp 30 Flüchtlinge aus der Zivilschutzanlage Dorfnest in die Containersiedlung neben der Stiftung Pigna umziehen werden. Die Stadträte wurden verflucht, es kam zu emotionalen Ausbrüchen der groben Art. Dabei hat die Klotener Stadtregierung einiges getan, um die Unterbringung der Asylsuchenden bestmöglich zu organisieren. In der Folge kam es zu keinen nennenswerten Zwischenfällen und Skandale blieben ebenfalls aus.

Das man nun aus der maroden Containersiedlung ausziehen muss, hat mit den Nachbarn zu tun. Pigna baut einen Erweiterungsbau und beansprucht ein Teil des Landes, wo momentan die orangen Asylbaracken stehen. Die Stadt hat Alternativstandorte geprüft und auch die Verteilung der Flüchtlinge in günstige Privatwohnungen abgeklärt. Doch solche Wohnungen seien in Kloten nicht in genügender Anzahl vorhanden. Zudem würde die dezentrale Unterbringunge viel teuer und sei weniger praktisch, heisst es seitens der Verantwortlichen. Deshalb ist nun ein neuer Massivbau mit bis zu 64 Betten auf dem bewährten Grundstück bei der Pigna geplant. Darin kostet die Unterbringung eines Flüchtlings rund 500 Franken pro Monat. «Ein so günstiges Zimmer findet man in Kloten nirgends», gab Kuratli zu bedenken. Aus dem Plenum widersprach niemand.

«Ein zweckmässiger Bau ohne ‹Schnickschnack›»

In der Flughafenstadt scheint man sich einig, dass ein einfacher Asyl-Neubau die günstigste und geeignetste Lösung ist. Architekt Richard Thomet, der die Pigna-Erweiterung wie auch das Asylheim entworfen hat, sagte: «Das ist ein einfacher und zweckmässiger Bau ohne ‹Schnickschnack›. Wir hätten gern mehr gemacht, aber der Stadtrat war sehr restriktiv.» Zunächst wollte er einen Holzbau, aus Lärmschutzgründen plant Thomet jetzt indes einen Massivbau.

Das perfekte Schlusswort aus Kuratlis Sicht setzte ein Vertreter der Partei, die in Asylfragen sonst oft radikal opponiert. «Wenn sie wollen, dass das Steuergeld sinnvoll eingesetzt wird, dann stimmen sie Ja», rief SVP-Vorstandsmitglied Thomas Schneider den Anwesenden zu. «Dieses Projekt ist gut geplant und vernünftig.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 15.03.2019, 19:01 Uhr

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