Dielsdorf

Mit dem Rollstuhl auf das Eisfeld

Die Sportanlage Erlen bietet neu Menschen im Rollstuhl Eislaufen auf Eisgleitern an. Die Stiftung Vivendra hat sie getestet.

Trotz Beeinträchtigung können die Klienten der Stiftung Vivendra übers Eisfeld gleiten.

Trotz Beeinträchtigung können die Klienten der Stiftung Vivendra übers Eisfeld gleiten. Bild: Balz Murer

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Räder auf die Kufen, und los gehts: Auf Eisgleitern kurven die Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, mit ihren Betreuerinnen und Betreuern auf dem Eisfeld herum. Dabei scheinen sie sichtlich Spass zu haben. Gerold Jehle, Leiter der Dielsdorfer Tagesstätte der Stiftung Vivendra, steht am Rand des Eisfelds in der Sportanlage Erlen und freut sich, dass sie nun die Möglichkeit haben, am Eislaufen teilzunehmen. «Mit den Eisgleitern ist es viel fliessender und schneller – und wie mir scheint, auch sicherer.» Früher gingen die Klientinnen und Klienten mit dem Rollstuhl direkt auf das Eisfeld, aber das sei nicht dasselbe gewesen. «Jetzt können sie auf dem Eis so richtig gleiten.»

Bisher war Eislaufen für Menschen im Rollstuhl ein Ding der Unmöglichkeit. Mit dem Eisgleiter ist dies nicht mehr der Fall. Über eine kleine Rampe gelangt man mit einem Handrollstuhl ganz einfach auf das Gefährt, das mit zwei Kufen ausgestattet ist. Eine Begleitperson schiebt dann den Rollstuhl über das Eis. So können nun auch Familien mit einem Familienmitglied im Rollstuhl zusammen Eislaufen gehen.

Auf dem Eis dabei sein

Zur Eröffnung des Aussenfeldes hat Erlen-Geschäftsführer Peter Müller die Stiftung Vivendra eingeladen, die neuen Gefährte auszuprobieren. «Die Stiftung kommt bei uns regelmässig schwimmen», sagt Müller. «Jetzt wollten wir sie auch auf das Eis bringen.» Das Kuchenblech, wie er den Eisgleiter nennt, gebe Menschen im Rollstuhl die Möglichkeit, unbeschwert auf dem Eis dabei zu sein. «Die Erlen ist eine Einrichtung für die Allgemeinheit, deshalb wollen wir nicht nur Menschen, die sportlich unterwegs sind, sondern auch solchen mit einer Einschränkung etwas bieten.»

«Die Erlen ist eine Einrichtung für die Allgemeinheit, deshalb wollen wir nicht nur Menschen, die sportlich unterwegs sind, sondern auch solchen mit einer Einschränkung etwas bieten.»Peter Müller, Geschäftsführer Erlen

Der Eismeister, Sandro Binder, ist auf der Internetseite der Stiftung Cerebral auf die Eisgleiter gestossen. Die Stiftung, welche den Eisgleiter hat entwickeln lassen, wollte im Rahmen des Projektes «Schlittschuhfahren für Menschen im Rollstuhl» Kunsteisbahnen in der ganzen Schweiz mit Eisgleitern ausstatten. Bisher verschenkten sie ein bis zwei Exemplare an über 60 Eisbahnen schweizweit. Die Kosten von 2000 Franken pro Eisgleiter übernimmt jeweils die Stiftung Cerebral. Finanziert wird das Projekt über Spenden.

Auch die Erlen hat nun zwei Eisgleiter geschenkt bekommen. Diese stehen ab sofort Menschen im Rollstuhl gratis zur Verfügung. «Je nachdem, wie gross der Ansturm auf die neuen Gefährte sein wird, werden wir noch mehr bestellen», sagt Binder. Für die Stiftung Vivendra hat es sich gelohnt. Die Neuerfindung zauberte den Leuten im Rollstuhl ein Lächeln ins Gesicht. «Wir wollen nun öfter hierherkommen», sagt Jehlen.

Erstellt: 08.10.2019, 11:07 Uhr

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