Bezirksgericht Dielsdorf

Mutter soll einjährigen Sohn absichtlich mit Bügeleisen verbrannt haben

Die Staatsanwaltschaft fordert für die Frau eine teilbedingte Gefängnisstrafe wegen versuchter schwerer Körperverletzung.

Wie das Bügeleisen ins Gesicht des Kleinkindes kam, ist noch nicht restlich geklärt.

Wie das Bügeleisen ins Gesicht des Kleinkindes kam, ist noch nicht restlich geklärt. Bild: Nathalie Guinand

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War es Absicht oder vielleicht doch bloss ein Unfall? Mit dieser Frage beschäftigt sich momentan das Bezirksgericht Dielsdorf. Es geht um einen Vorfall vom 6. November 2017. Bei einem damals einjährigen Kind wurden im Gesicht zwei dreieckige Verbrennungen zweiten Grades festgestellt. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die 24-jährige Mutter des Kindes, ihrem Sohn im Wohnzimmer die Verbrennungen mit Absicht zugefügt zu haben. Als Tatwerkzeug soll der Frau mit bosnischer Abstammung ein Bügeleisen gedient haben. Dieses sowie das Bügelbrett wurden zwischenzeitlich von der Polizei beschlagnahmt.

18 Monate ins Gefängnis

An der Gerichtsverhandlung vom letzten Mittwoch forderte die Staatsanwaltschaft IV für Gewaltdelikte wegen versuchter schwerer Körperverletzung eine Gefängnisstrafe von 36 Monaten, 18 Monate davon soll die Mutter in einer Strafanstalt absitzen müssen.

Die Mutter bestritt an der Gerichtsverhandlung, ihren Sohn verletzt zu haben. Ihr Verteidiger forderte einen Freispruch. Die Frau beharrte darauf, dass es sich bei dem Vorfall um einen Unfall gehandelt habe. Laut dem «Tagesanzeiger» verstrickte sie sich bei ihren Aussagen aber in Widersprüche. Den Ärzten der Kinderschutzgruppe am Kinderspital Zürich erzählte sie, der Junge habe das kalte Bügeleisen in einem unbeobachteten Moment vom Bügelbrett herunter gezogen, versehentlich eingeschaltet und sich verbrannt. Ein anderes Mal behauptete sie, ihr Mann habe das Bügeleisen eingeschaltet stehen lassen. Als es passierte, habe er geschlafen, sie selbst habe Post geöffnet: «Erst als mein Sohn schrie, habe ich bemerkt, dass etwas passiert ist, und stürzte zu ihm.»

Noch kein Urteil

Die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) stellt der Mutter ein gutes Zeugnis aus. Die Kesb wurde von der Kinderschutzgruppe alarmiert, weil die Eltern die Verletzung des Jungen im Kinderspital nicht schlüssig hatten erklären können. Die Behörde ordnete eine Intensivabklärung an, dann eine Familienbegleitung, die vor einem Jahr beendet wurde.

Das Gericht ist noch zu keinem Urteil gelangt. Der Richter hat verlangt, dass das Gutachten zu den Verletzungen ergänzt werden muss. Es geht dabei um die Frage, ob die Verbrennungen mit Absicht zugefügt wurden, oder ob sie auch von einem Unfall herrühren können.Der Richter liess allerdings durchblicken, dass er die Aussagen der Frau für wenig plausibel hält.

Erstellt: 12.09.2019, 15:19 Uhr

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