Regensdorf

Neue Spielhalle kämpft ums Überleben

Regensdorf Seit einem Monat gibt es die Indoorspielhalle «Dinos Kinderspielparadies». Das Geschäft läuft noch harzig – die Betreiberfamilie beisst auf die Zähne, doch sie glaubt fest an den Erfolg.

Auf knapp 900 Quadratmeter können sich die Kinder austoben. Zahlreiche Spielgeräte stehen zur Verfügung.

Auf knapp 900 Quadratmeter können sich die Kinder austoben. Zahlreiche Spielgeräte stehen zur Verfügung. Bild: sim

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Regensdorf. Vor der Türe findet man Parkplätze und drinnen in der fast 900 Quadratmeter grossen Halle gibt es für Kinder alles, was ihr Herz begehrt. An regnerischen Wochenenden, an Geburtstagen, am schulfreien Mittwochnachmittag oder während der Ferienzeit können sie hier einfach mal so richtig Kind sein. Keiner ruft «Pssst!» und wenn sie rennen, springen, klettern und toben, so freut das die Dinosaurier, die in der Halle allgegenwärtig sind.

Die Kids lieben die Bobbycar-Fahrbahn, die Wellen- und Spiralrutsche, den Spider-Turm, das Fussballfeld und das riesige Trampolin mit schrägen Wänden. Im Sommer 2018 soll es draussen auch noch eine Wasserrutschbahn und Grills für die Eltern geben. Ein richtiges Kinderparadies also, das seinen Namen vermutlich vom riesigen Dinosaurier hat, der die Hüpfburg bewacht.

Alles riskiert ...

Chef der Indoorspielhalle ist der 47-jährige Andreas Barthel. An der Waterkant aufgewachsen, lernt der Hamburger zunächst Automechaniker und ist später als Triebwerksmechaniker für die Swissair unterwegs. Als er seine Frau Claudia kennenlernt und bald darauf die heute 18-jährige Leonie zur Welt kommt, wird er sesshaft. Sowohl die Swissair, als auch das Nachtreisezug-Unternehmen City Night Line, bei dem er später anheuert, existieren heute nicht mehr. «Fast alle Firmen, bei denen ich gearbeitet habe, haben Pleite gemacht», witzelt er und sagt dann, dass er hoffe, dass es seinem Kinderspielparadies nicht genauso ergehe.

Am Betreiber soll es nicht liegen. Andreas Barthel verlegte den Teppich in der Spielhalle, montierte die Küche, verputzte die Wände und flieste die Toiletten. Er investierte sein ganzes Vermögen in diesen Traum. «Wenn die Menschen das Angebot nicht annehmen…», sagt er, zuckt mit den Schultern und wagt gar nicht weiterzusprechen. Momentan läuft es harzig. Es ist Barthels grosses Glück, dass der Vermieter langfristig an den Geschäftserfolg glaubt. «Wenn es nur die Kosten deckt und meine Familie ernährt, so wäre ich der glücklichste Mensch», sagt Barthel.

… und selbst gemacht ...

Wenn Andreas Barthel vom Lachen der Kinder erzählt, ist ein Glänzen in seinen Augen erkennbar. «Wo dürfen die Kids eigentlich noch klettern, toben und laut sein? Es ist doch inzwischen alles verboten», sagt er und betont, dass er die 40 Kids, die gerade in seinem Paradies in Action sind, gar nicht höre. Seine Frau Claudia und seine Kinder werkeln im Familienunternehmen mit. Tochter Leonie hilft nach Möglichkeit bei ihren Eltern aus. Der 15-jährige Justin steht an den schulfreien Tagen oder auch mal am Wochenende an der Kasse, brutzelt Chicken Nuggets mit Pommes oder kocht Kaffee im Bistro.

Der achtjährige Nevio und die einjährige Jamira fallen als Helfer wegen Magen-Darm-Problemen im Moment aus. Und so pendelt Claudia Barthel mit unglaublicher Gelassenheit zwischen dem Dinos-Kinderspielparadies und dem häuslichen Krankenlager in Schleinikon. Abends, wenn die Kids und die Dinosaurier schlafen, sind die Barthels mit Staubsauger und Putzkübel im «Paradies» unterwegs. «Wir schaffen es schon. Es braucht halt alles seine Zeit. Wir müssen nur durchhalten», sagt der Unternehmer.

… mit viel Liebe

Während Andreas Barthel so erzählt, trudeln wieder einige Kinder ein und jedesmal, wenn die Türe zur Halle aufgeht, atmet er auf. Woran es liegt, dass das Angebot nicht so rege genutzt wird, wie es nötig wäre? Andreas Barthel kann es sich nicht erklären. Schliesslich hat man alles investiert und riskiert. «Das kommt schon noch. Ich glaube, dass die Menschen das Angebot einfach noch nicht entdeckt haben», sagt er.

Einer, der die Spielhalle bereits bestens kennt, ist Enea aus Regensdorf. Der Fünfjährige hat eine Zehnerkarte gelöst und bringt auch an diesem Mittwochnachmittag die Dino-Hüpfburg zum Wackeln. Jetzt mampft er Apfelschnitze, die seine Mutter von zu Hause mitgebracht hat. Morgens Kindergarten, abends Räbeliechtliumzug und tagsüber Spielhalle. Ob ihm das nicht zu viel sei, will man wissen. «Nein, überhaupt nicht. Das ist doch etwas ganz anderes», sagt er.

Und während Enea und seine kleine Schwester Delia Kurs auf die Donut-Rutsche nehmen, schwärmt auch sein Vater Lui Di Gregorio vom Kinderspielparadies. «So etwas wäre in Regensdorf schon lange nötig gewesen und ich hoffe sehr, dass die Dinosaurier hier überleben. Es ist doch alles mit so viel Liebe gemacht.»

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 24.11.2017, 17:00 Uhr

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