Hüntwangen

Neues Stück vor alter Kulisse gespielt

Die Handlung ist einfach, der Erfolg verblüffend. Im Schwanktheater «Manche mögen’s jung» experimentiert ein Chemiker mit dem Elixier des Lebens. Am Freitag war die Premiere des Störtheaters.

Der Arzt (Marc Hofmann, links) ist entsetzt: Das Elixier scheint seinen Kollegen (Lukas Fehr, Manuela Wenger und Deborah Loosli, von links) gar nicht gut zu bekommen.

Der Arzt (Marc Hofmann, links) ist entsetzt: Das Elixier scheint seinen Kollegen (Lukas Fehr, Manuela Wenger und Deborah Loosli, von links) gar nicht gut zu bekommen. Bild: Beatrix Bächtold

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Ein Chemiker hat offensichtlich das Elixier der Jugend gefunden und unter die Leute gebracht – zumindest wirken die knapp 200 Gäste auf dem Heimweg so, nachdem sie wenige Stunden zuvor noch altersgemäss ernsthaft auf den Stufen des Amphitheaters Platz genommen haben, um den Schwank «Manche mögen’s jung» zu schauen. Es wird geblödelt und alle scheinen leichtfüssig unterwegs zu sein. Allein am Genuss des Weins, ausgeschenkt vom organisierenden Verein Amphitheater Hüntwangen, kann es nicht liegen. Vielmehr muss man, um diese Veränderung zu begreifen, erst einmal erklären, was das Störtheater ist.

Auf der Bühne Sprüche reissen

«Oberstörer», Produzent und Erfinder dieser kollektiven Massenverjüngung ist der Buchberger Lukas Fehr. Bereits als Kind machte der heute 34-Jährige Bekanntschaft mit dem Theater. «Ich starrte auf die Bühne, die sich in einer rotstichigen ‹Kiste› in unserem Wohnzimmer auftat,» erzählt er. Der Kleine genoss die Fernsehübertragungen der Tourneethater mit Grössen wie dem Schweizer Schauspieler Jörg Schneider. «Wie diese Herren auf der Bühne stehen und dumme Sprüche machen – genau das will ich auch», nimmt er sich vor.

Im Alter von 19 Jahren, während seiner Ausbildung zum Servicefachangestellen, trifft er Jörg Schneider persönlich und geht mit ihm auf Tournee. Die Schauspielerei erlernt Fehr in einem Kurs, 2011 gründet er sein eigenes Theater. 2017 hebt er das Störtheater aus der Taufe.

Alte Tradition reanimieren

Fehr ist Fan der alten Zeit, Schlaghosen, Besenstaubsauger und Treter mit Plateasohlen versetzen ihn in Hochstimmung. Und so bringt das Störtheater in seinen Produktionen immer ein bestimmtes Jahr auf die Bühne. Im Fall vom akutellen Stück «Manche mögen’s jung», ist es das Jahr 1976.

«Wir reanimieren mit Requisiten und Dialogen die tote Tradition der Tourneetheater. Dabei ist Lachen erwünscht, denn Trauriges gibt es genug.» Mit diesen Worten komprimiert Fehr seine Mission. «Der Trick der Schauspieler ist, nicht zu übertreiben. Die Menschen sollen Platz haben für eigene Erinnerungen und Gefühle», sagt er. Dafür genügt ein Schwank mit simpler Handlung. «Wir leben von der Komik», erklärt er. Wobei «leben» fast ein wenig übertrieben ist. Neben ihm stehen drei Profis auf der Gehaltsliste und Fixkosten fallen an. Ohne seinen Nebenjob als Weinberater, könnte der Familienvater einpacken.

Fernbedienung für das Licht

30 Quadratmeter geraden Bodens und ein Stromanschluss genügen für die Aufführungen des Störtheaters. Den Techniker spart man ein, und deshalb war es vor kurzem noch so, dass das Licht auf der Bühne nicht ausgehen konnte, wenn alle in Aktion waren. Als neueste Errungenschaft hat Fehr für solche Fälle eine Fernbedienung in der Tasche.

Das Störtheater wird von Institutionen, Vereinen und auch von Privaten eingeladen. In der Regel gehen die Vorstellungen ohne Pannen über die Bühne, aber die engen Platzverhältnisse können verhängnisvoll sein. Fehr erinnert sich: «Einmal fiel eine Schauspielerin von der Bühne, hielt sich an der Kulisse fest und stürzte mit ihr ab.»

Weitere Vorstellungen: Bülach, Restaurant Goldener Kopf, Freitag, 14. September; Glattfelden, Restaurant Löwen, Samstag, 13. Oktober; Eglisau, Schulhaus Steinboden, 30. November. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Mehr Infos unter www.stoertheater.ch. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 09.09.2018, 16:48 Uhr

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