Glattfelden

Neuinszenierung des Keller-Klassikers

Den Auftakt zum Dorffest machte am Donnerstagabend das Theater Kanton Zürich mit der Premiere des Stücks «Kleider machen Leute» nach Gottfried Kellers gleichnamiger Novelle.

Die Schauspieltruppe des Theater Kanton Zürich versetzt die Dörfler in Gottfried Kellers Stück in den Wilden Westen.

Die Schauspieltruppe des Theater Kanton Zürich versetzt die Dörfler in Gottfried Kellers Stück in den Wilden Westen. Bild: Leo Wyden

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Ein Saloon mit einfachen Holztischen, Pferdehalfter und Cowboyhut an der Wand lässt die rund 200 Gäste ein wenig Wild-West-Luft schnuppern. «Frische Forellen» steht auf der Menütafel. Countrymusik ertönt im Hintergrund. Schon als die ersten Premierenbesucher eintreffen, haben die Schauspieler ihre Position eingenommen, sitzen im abgedunkelten Saloon, wetzen Küchenmesser, einige der harten Kerle haben die Füsse auf dem Tisch.

Kaum geht die Bühnenbeleuchtung in der Mehrzweckhalle an, ist man mitten drin im Geschehen. Nichts kann anscheinend die beschauliche Ruhe im kleinen Dorf stören, bis plötzlich ein Fremder in einem schwarzgoldenen langen Mantel, mit rotem Stoff ausgeschlagen, das Wirtshaus betritt. Der Fremde schweigt, lässt die Dorfbewohner ihre eigenen Interpretationen aussprechen, lässt sie zwar nicht willentlich, aber dennoch über längere Zeit im Glauben, er sei aufgrund seiner Kleidung von vornehmer Herkunft.

«Eine fantastische Inszenierung, in die heutige Zeit versetzt.»Konrad Erni, Stiftungsratspräsident des Gottfried-Keller-Zentrums

Die Lage spitzt sich zu, als sich dieser Fremde mit Namen Wenzel Strapinski in Annette, die junge Tochter eines angesehenen Bürgers, verliebt. Wenzel spielt die ihm aufgedrängte Grafenrolle notgedrungen weiter, bis es auf der Verlobungsfeier zum Skandal kommt. Der verschmähte Nebenbuhler sorgt dafür, dass der vermeintliche Hochstapler entlarvt wird. Erst als Annette erkennt, dass seine Liebe zu ihr echt ist, bekennt sie sich zu ihm und setzt ihre Heirat durch.

Die Novelle von Gottfried Keller ist eine amüsante, mit Sozialkritik angereichte Geschichte voller Irrungen und Wirrungen. Es entstehen Fragestellungen nach der Bedeutung von Leben und Glück. Und natürlich geht es auch um die Bewahrheitung des Sprichworts «Kleider machen Leute».

Sie füllen den Raum mit enormer Bühnenpräsenz

Die Schauspieltruppe tritt souverän und mit enormer Bühnenpräsenz auf. So steht Michael von Burg als Wenzel eine gefühlte Ewigkeit ohne Sprechtext auf der Bühne, fasziniert das Publikum einzig mit Mimik, Gestik und Körpersprache. Auch Katharina von Bock gibt eine sehr starke Köchin, füllt den Raum mit ihrer Sprache und Präsenz. Es sei eine Herausforderung gewesen, aus einer Novelle überhaupt ein Stück zu machen. «Es gab keine Vorlage, keine ausgereifte theatralische Rolle», sagt von Bock.

Ohne Zweifel ist es ihr gelungen, auch ohne zentrale Dramaturgie eine Figur zu bauen, welche zur Aufgabe hat, die Dorfgemeinschaft zum Leben zu bringen. «Natürlich hätten wir das Stück lieber im Freien aufgeführt. Aber wenn wir Schauspieler und die Gäste anschliessend krank sind, hätte das keinen Sinn gegeben.»

Konrad Erni, Stiftungsratspräsident des Gottfried-Keller-Zentrums und gleichzeitig einer von zwei OK-Präsidenten des Festes, ist begeistert von der Premiere. «Eine fantastische Inszenierung, in die heutige Zeit versetzt.» Auch Bülachs Stadtpräsident Mark Eberli ist unter den geladenen Gästen anzutreffen. «Ich habe mich gefreut, dass die Premiere dieses Stücks in Glattfelden stattfindet.» Die Glattfelderin Bettina Jauch ergänzt: «Es gab erfrischende Sequenzen mit gutem Witz – ein schöner Auftakt für unser Dorffest.»

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 17.05.2019, 17:50 Uhr

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