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Öko-Parteien spüren Klimabewegung

Die Klimajugend demonstriert nicht nur, sondern viele wollen sich auch in einer Partei engagieren. Von diesem Trend profitieren die Unterländer Parteien unterschiedlich.

Die Klimabewegung ist aktiv wie selten zuvor.

Die Klimabewegung ist aktiv wie selten zuvor. Bild: Keystone

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2019 war das Jahr der Demonstrationen: Klima und Gleichberechtigung trieben so viele Menschen auf die Strassen wie schon lange nicht mehr. Besonders das Thema Klimaerwärmung hat es geschafft, wieder mehr Menschen für Politik zu interessieren – vor allem jüngere. Dies spüren die Parteien von links bis rechts. Eine Umfrage zeigt, wie sich die Klimabewegung im Unterland auswirkt.

Grünliberale: Bei den nationalen Wahlen im letzten Herbst waren es vor allem die Grünen, die unerwartet stark zulegten, gefolgt von den Grünliberalen. Im Unterland ist es umgekehrt: Von der Klimabewegung haben zwar beide Parteien profitiert, die Grünliberalen jedoch stärker. «Im letzten Jahr haben sich die Mitgliederzahlen klar nach oben entwickelt», sagt Jürg Mäder, Präsident der Grünliberalen im Bezirk Bülach. Der Zuwachs sei deutlich besser gewesen als in vergangenen Jahren. «Der Hauptgrund ist wahrscheinlich die Klimabewegung.» Doch allein an den Mitgliederzahlen lasse sich die Popularität der Partei nicht messen, relativiert Mäder: «Unsere Sympathisanten sind eher jung und keine typischen Vereinsmenschen.» Doch gerade für Lokalpolitik sei die progressive Mittepartei eine gute Option, streicht der Opfiker Stadtrat hervor.

Dies erlebt auch seine Amtskollegin im Bezirk Dielsdorf so: Der Zuwachs bei den Sympathisanten sei noch grösser als bei den Mitgliedern, sagt Bezirkspräsidentin Nadia Koch. «Viele helfen punktuell mit oder spenden für bestimmte Kampagnen, wollen sich aber nicht fest verpflichten.» Dass die Grünliberalen die FDP im Nationalrat überholt hat, mache sich auch in den Gemeinden bemerkbar, sagt Koch: «Früher wurden wir belächelt, jetzt nimmt man uns ernst.»

Grüne: Derweil berichten die Grünen im Unterland nur von einer leichten Zunahme der Mitglieder. Im Bezirk Bülach waren keine genauen Zahlen erhältlich. Im Bezirk Dielsdorf gesellten sich letztes Jahr 7 Neue zu den bisherigen 35. Man habe etwas mehr Anerkennung und Wohlwollen gespürt, stellen die Co-Präsidentinnen Wilma Willi und Gabi Reiss fest.

Die grösste Welle spülte die Klimabewegung aber in die Jungpartei: Im ganzen Kanton verzeichneten die Jungen Grünen 192 Neueintritte. Insgesamt sind es nun gut 750 Mitglieder. Für das Unterland weist die Partei keine genauen Zahlen aus. Doch man wachse sowohl in der Stadt als auch auf dem Land, schreibt Co-Präsident Julian Croci.

SP: Ein wenig hat auch die SP vom Trend profitiert, zumindest im Bezirk Dielsdorf, wo die Mitgliederzahlen leicht gestiegen sind. Der Bezirk Bülach konnte die Zahl halten. Neumitglieder seien aber generell jüngeren Jahrgangs, teilt Präsident Philipp Flach mit. «Im Anschluss an Klima-Aktionen haben sich auch vermehrt Leute für die SP interssiert.» Auch SP-Kantons- und Nationalratskandidaten hätten im Wahlkampf stets auch den Klimawandel thematisiert.

So auch die Jungsozialisten, die in Opfikon und Kloten letzten Herbst je eine Klima-Initiative mit ambitionierten Zielen lanciert haben. Die JUSO Zürich Unterland wuchs von drei auf sieben aktive Personen.

CVP: Vonseiten der CVP-Bezirksparteien waren keine Angaben erhältlich. Gemäss Auskunft des kantonalen Sekretariats sollen die Mitgliedschaften im ganzen Kanton in den letzten Jahren jedoch etwa stabil geblieben sein.

FDP: Leicht zugelegt haben auch die FDP im Bezirk Bülach sowie die Jungliberalen Unterland, während die FDP Bezirk Dielsdorf ihre Mitgliederzahlen halten konnte. Die etwas grünere Ausrichtung der Nationalen Partei habe im Unterland zwei Bewegungen ausgelöst, erklärt Jean-Luc Cornaz, Präsident des Bezirks Bülach. «Einige Hardliner, die nicht an den Klimawandel glauben, sind ausgetreten.» Anderseits seien ein paar Personen von der GLP zur FDP übergetreten, weil ihnen die Politik der Selbstverantwortung zusage, erklärt Cornaz. «Wir sind gegen Verbote. Der einzelne soll entscheiden.»

EDU: Die EDU Unterland besteht aus über 100 Mitgliedern. Die Anzahl steige stetig an, sagt Parteipräsident Michael Welz, jedoch nicht wegen dem Klima-Thema. Zur freikirchlich orientierten Partei fühlen sich Neuzugänge eher wegen Abstimmungen wie der Erweiterung der Antirassismus-Strafnorm auf Homosexuelle hingezogen.

SVP: Verluste verzeichnete jedoch die SVP des Bezirks Bülach. Mit aktuell über 1200 Mitgliedern sei die Zahl immer noch stattlich, teilt Bezirkspräsident Matthias Hauser mit. Doch sie sinkt jährlich um knapp 4 Prozent, hauptsächlich wegen Überalterung. Austritte oder Todesfälle kann die SVP nicht durch Neueintritte kompensieren. Im Bezirk Dielsdorf sei der Mitgliederbestand jedoch stabil, schreibt Präsident Stefan Schmid. «Die SVP registriert bisher keinen Zusammenhang zwischen dem Klima-Thema und der Mitgliederbewegung.» Für viele Mitglieder sei eine intakte Umwelt und ein sorgfältiger Umgang mit Ressourcen eine Selbstverständlichkeit: «Den Durchschnitts-SVP Wähler trifft man weniger im McDonalds als im Dorflädeli.»

Erstellt: 22.01.2020, 17:47 Uhr

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