Opfikon

Opfikon will Werk des Künstlers Victor Bächer übermalen

Kunst oder nicht? Um die Wandbemalung im Freibad Bruggwiesen hat sich ein Streit entfacht.

«Legofarben» nannte der Kunstmaler Victor Bächer sein Werk im Freibad Bruggwiesen.

«Legofarben» nannte der Kunstmaler Victor Bächer sein Werk im Freibad Bruggwiesen. Bild: Dominique Meienberg

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Weiss, Rot, Gelb, Blau und Grün: In diesen Farben ist das Freibad Bruggwiesen seit 1992 gehalten. «Alles in Lego-Farben», so hatte der Urheber der Wandbemalung sie einst konzipiert. Inzwischen hat das Rad der Zeit an der Intensität der Farben genagt – doch büsst das Kunstwerk dadurch an Wert ein? Galt es überhaupt je als Kunstwerk?

Dass sie von einem Künstler stammen, ist nachgewiesen; dazu nicht von irgendeinem, sondern von Victor Bächer, einem der bekanntesten Einwohner Opfikons, der sich einst als «Fleischmaler» einen Namen gemacht hat. Die «Legobausteine» im Freibad waren eine Auftragsarbeit, erzählt die Witwe Martha Bächer. Sie setzt sich für den Erhalt des Werks zur Wehr – denn geht es nach der Stadt Opfikon, droht der Bemalung das Ende.

Lego unterstützt mit

Die Anlage wurde im Jahr 1975 gebaut und wird derzeit komplett saniert. Danach soll sie in warmen Farben neu gestrichen werden, wie die Objektbaukommission entschieden hat. Das schreibt sowohl der Tages-Anzeiger, der wie diese Zeitung der Tamedia angehört, als auch der Stadt-Anzeiger von Opfikon. Gegen die Pläne der Stadt setzt sich Martha Bächer jedoch zur Wehr. Sie will das Werk ihres verstorbenen Ehegatten unbedingt erhalten und setzt dafür alle möglichen Hebel in Gang. Für sie steht fest: «Die Bemalung ist weltweit einzigartig und künstlerisch wertvoll.»

Tipp: Wenn Sie auf «Grössere Karte ansehen» klicken und in die Street View übergehen (das funktioniert mit dem kleinen, gelben Figürchen unten rechts), sehen Sie die typische Wandmusterung des Opfiker Freibads.

Nicht nur in ihrem Umfeld, sondern auch über grössere Verbände und Betriebe will sie Druck auf die Opfiker Behörden aufbauen – und tritt selbst mit dem Unternehmen Lego in Kontakt. «Sie haben mir ihre Unterstützung zugesichert, nur das Wie ist uns noch nicht klar», sagt Bächer. Auch wendete sie sich an die Künstlergruppe Winterthur, deren Präsidium ihr Ehemann über mehrere Jahre übernommen hatte. Am Donnerstag erhielt sie den Bescheid, dass ein Brief an den Opfiker Stadtrat im Vorstand diskutiert wird.

Gemäss Visarte, dem Schweizer Berufsverband visuelle Kunst, sei es ausserdem fraglich, ob die Stadt überhaupt dazu berechtigt sei, das Werk zu entfernen. In seinen Augen ist die Schwimmbadbemalung «ein einmaliges, zeitloses und gutes Werk» und «absolut erhaltenswert».

Keine Kunst am Bau

Thomas Mettler, Leiter der Abteilung Finanzen und Liegenschaften der Stadt Opfikon, verteidigt das Vorgehen der Behörde jedoch. «Die bisherige Bemalung ist nicht als Kunst am Bau eingetragen», sagt er. «Die Kommission war deshalb frei in ihrer Entscheidung. Wir sind zum Schluss gekommen, dass wir wieder einmal etwas Neues wollen und dass es diese Farben nicht braucht.» Der Zürcher Heimatschutz sieht die Sachlage ebenfalls so. Der baukünstlerische Schmuck könne eigentlich nur mit dem Gebäude zusammen erhalten werden – das Opfiker Freibad sei aus Heimatschutzoptik dafür aber noch zu jung. Wenn die Gemeinde das Bad mit seiner Gestaltung also nicht ins kommunale Inventar der schützenswerten Kunstdenkmäler aufgenommen habe, gebe es wohl keinen Spielraum, es zu erhalten.

Martha Bächer will dennoch weitermachen. Sie hofft darauf, dass genug öffentlicher Druck entsteht, damit das Werk ihres Ehegatten erhalten bleibt – schlicht aufgrund dessen Einzigartigkeit.

Erstellt: 20.06.2019, 18:28 Uhr

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