Bülach

Passionsgeschichte jazzig umgesetzt

Das Jazz-Trio Kordes-Tetzlaff-Godejohann bewegte am Wochenende die Besucher in der reformierten Kirche Bülach mit der «Easter Suite»: einer speziellen musikalischen Interpretation der Passionsgeschichte.

Das Jazz-Trio Kordes-Tetzlaff-Godejohann präsentierte in der reformierten Kirche die «Easter Suite».

Das Jazz-Trio Kordes-Tetzlaff-Godejohann präsentierte in der reformierten Kirche die «Easter Suite». Bild: Sibylle Meier

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Der kanadische Jazz-Pianist und Komponist Oscar Peterson schuf im Jahr 1984 im Auftrag der BBC eine musikalische Interpretation der Passionsgeschichte: die «Easter Suite» als Jazzarrangement fürs Trio. Das Jazz-Trio Kordes-Tetzlaff-Godejohann gastierte am Sonntagabend in der reformierten Kirche Bülach im Rahmen der «Bülacher Abendmusiken» und präsentierte – neben anderen Jazzstücken – die neun Stationen vom letzten Abendmahl bis zur Auferstehung und damit den leidvollen Weg Jesu eindrücklich und bewegend.

Dank Olaf Kordes am Piano, Wolfgang Tetzlaff am Kontrabass und Karl Godejohann am Schlagzeug sowie durch die musikalische Aussagekraft der «Easter Suite» konnten die Zuhörerinnen und Zuhörer das Geschehen auch ohne Bibelstellen gut deuten und nachfühlen.

Die traurig-stillen Momente wie das letzte Abendmahl, der Garten Gethsemane oder der Passionschoral wurden um das Piano zentriert. Zwei Stationen waren klanglich am einfachsten auszumachen; zum einen die fünfte Station, die das Verhör von Jesus durch Pontius Pilatus, aggressiv vom Schlagzeug angegeben, wie eine Hinrichtung anmuten liess. Stimmungsvoll ins Gegenteil fiel dann die neunte Station «Er ist auferstanden»: lebendig, feierlich und triumphierend.

Frohe Botschaft steht im Mittelpunkt

Dass diese Passionsgeschichte mit der Auferstehung endet und nicht wie beim Kreuzweg üblich mit der Grablegung des Leichnams Jesu, war der entscheidende Faktor, warum Oscar Peterson den Auftrag der BBC angenommen hatte: «Er wollte das zuerst gar nicht schreiben. Er fand, Jazz sei Powermusik und Freude», erklärte Olaf Kordes nach dem Auftritt. Nach einigen Überlegungen änderte Peterson seine Meinung. «Er sagte, wenn er bis zur Auferstehung komponieren könne, dann mache er es. Und er hat die Frohe Botschaft in den Mittelpunkt gestellt.»

Pianist Olaf Kordes nannte einige Komponenten der Entstehung: «Peterson fängt mit dem Klavier alleine an, wenn Jesus spricht, die dreifache Verleugnung von Petrus ist wie eine Verfolgung zwischen Schlagzeug und Piano, das Verhör tönt wie ein Weg zum Schafott. Das Sterben am Kreuz ist ein Ringen des Kontrabasses und die Auferstehung ist dann Gospeljubel, den Peterson virtuos aufs Klavier übersetzt hat.» Auch wenn Kordes die Suite für das Trio niederschreiben musste, weil es vom Original keine Noten gibt, wollte er Petersons Stil unbedingt beibehalten, selbst bei Improvisationen. «Es ist seine Suite. Er hat diese Swing-Sprache zur Vollendung gebracht mit seiner Virtuosität, und man hört seinen persönlichen Stil im Dienst dieser Geschichte. Sie ist eine Art Vermächtnis.»

Guido Roppel aus Bachenbülach war einer der 160 Besuchenden. Er sah das Jazz-Trio bereits zum zweiten Mal. «Es war grossartig. Vor drei Jahren haben sie die ‹Easter Suite› hier schon mal gespielt und ich finde, sie waren heute sogar noch intensiver und impressionistischer.» Peterson, den er zu dessen Lebzeiten auch live erlebt hat, ist laut Roppel «einer der besten Musiker, die es gab».

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 15.04.2019, 17:24 Uhr

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