Wasser

Pestizide im Wasser setzen Gemeinden unter Zugzwang

Im Wasser von Neerach und Glattfelden wurden hohe Rückstände des Pestizids Chlorothalonil gemessen. Die Behörden sind mit den Messungen nicht einverstanden.

Das Pestizid Chlorothalonil ist seit Anfang Jahr verboten. Die Rückstände sind aber weiterhin im Grundwasser vorhanden.

Das Pestizid Chlorothalonil ist seit Anfang Jahr verboten. Die Rückstände sind aber weiterhin im Grundwasser vorhanden. Bild: Keystone

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Kaum ein Schadstoff macht den Gemeinden momentan mehr zu schaffen als das Chlorothalonil. Das Pestizid, welches jahrzehntelang in der Landwirtschaft gegen Pilzbefall gebraucht wurde, wurde vom Bundesamt für Landwirschaft auf den 1. Januar verboten. Die Abbauprodukte von Chlorothalonil sind aber immer noch im Grundwasser nachweisbar. Weil eine gefährliche Wirkung nicht ausgeschlossen werden kann, muss deren Bestand im Wasser reduziert werden. Neue Daten, die vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) erhoben wurden, zeigen nun, wie stark das Grundwasser tatsächlich verunreinigt ist. Einige Gemeinden widersprechen aber den Zahlen.

«Wo die Pestizidhöllen der Schweiz liegen», titelte die «SonntagsZeitung» vergangene Woche. In 31 Gemeinden in der ganzen Schweiz hatte das BAFU Chlorothalonil-Rückstände gemessen, 20 lagen über dem Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter. In Glattfelden, wo 0,25 Mikrogramm pro Liter gemessen wurden, reagierte man sofort: Über den «Glattfelder», das öffentliche Publikationsorgan der Gemeinde, nahm Gemeinderat René Gasser Stellung.

Alte Zahlen

«Die Messwerte, die veröffentlicht wurden sind auf zwei Arten ungenau. Einerseits handelt es sich um Messungen aus dem Jahr 2017, andererseits wurden damals lediglich Chlorothalonil-Rückstande R41788 gemessen», erklärt Gasser auf Anfrage. Dieser sei stets unter den geforderten Grenzwerten gelegen. Mittlerweile hat das BAFU aber auch den sogenannten Metabolit R471811 in die Gruppe der relevanten, also potentiell gefährlichen, Abbauprodukte aufgenommen. Woher diese Zahlen stammen, kann Gasser nicht nachvollziehen, da R471811 in der Messung von 2017 nicht ermittelt wurde. Genaue Zahlen dazu kann Glattfelden selbst derzeit aber auch nicht liefern: «Zu R471811, welches beanstandet wird, gibt es noch keine aktuellen Messwerte», sagt Gasser.

«Zu Abbauprodukt, welches beanstandet wird, gibt es noch keine aktuellen Messwerte.»René Gasser, Gemeinderat Glattfelden

In Neerach sehen die Zahlen gemäss BAFU noch schlechter aus: Hier wurde der Grenzwert um fast das 10-fache überschritten. Wiederholt sah sich der Neeracher Gemeinderat gezwungen, zu den Meldungen Stellung zu nehmen und der Bevölkerung zu versichern, dass das Trinkwasser ohne Bedenken konsumiert werden kann. Hier stützt man sich auch auf die Erklärung der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich, dass kein unmittelbares Gesundheitsrisiko besteht. Die Wasserversorgungen in den Gemeinden haben bis August 2021 Zeit, die Verunreinigungen zu reduzieren.

Wasser dennoch trinkbar

Sowohl die Vorgaben des Bundes als auch die Veröffentlichung der Messungen bringen die Gemeinden in Bedrängnis. «Wir konnten gar nicht darauf reagieren», sagt René Gasser. Da Chlorothalonil erst seit Anfang Jahr verboten ist, brauche es entsprechend Zeit, bis sich der Boden von den Rückständen erholt hat. Die Zahlen seien zudem irreführend, da der Grenzwert eigentlich für Trinkwasser gelte. Dem Grundwasser in Glattfelden werde aber ein Drittel sauberes Quellwasser beigemischt. «Wir können derzeit lediglich mehr Quellwasser beimischen.»

Sowohl Glattfelden als auch Neerach haben sich bereits mit dem kantonalen Messlabor in Verbindung gesetzt und arbeiten daran, genauere Zahlen zu bekommen. «Zusammen mit dem Kanton haben wir nun an verschiedenen Stellen Messungen vorgenommen», sagt René Gasser. Neben den aktuellen Werten für das Grundwasser will man auch die Rückstände im Reservoir ermitteln. Zusätzlich habe man das Wasser dort überprüft, wo es tatsächlich in die Haushalte fliesst – direkt an den Wasserhähnen. «Wenn das Wasser durch die Leitungen fliesst, reduzieren sich die Chlorothalonil-Rückstand noch weiter», sagt Gasser. Die Auswertung der neuen Messresultate durch den Kanton soll nun Klarheit über die Situation in Glattfelden schaffen. «So hoffen wir, die Bevökerung möglichst transparent zu informieren.» Die Resultate erwarte man für nächste Woche.

Erstellt: 14.02.2020, 18:48 Uhr

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