Bülach

Romantische Geste führte zu grossem Brand

Nun steht fest, weshalb im April 2017in Bülach ein Lieferwagen ausbrannte. Ein 26-Jähriger wollte seiner Freundin seine Liebe beweisen – doch der Schuss ging nach hinten los.

An der Dachslenbergstrasse in Bülach brannte im April 2017 ein Lieferwagen. Nun ist ein 26-jähriger Schweizer angeklagt, der für den Brand verantwortlich sein soll.

An der Dachslenbergstrasse in Bülach brannte im April 2017 ein Lieferwagen. Nun ist ein 26-jähriger Schweizer angeklagt, der für den Brand verantwortlich sein soll. Bild: Kapo ZH

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Ein wahrlich feuerliches Liebesbekenntnis hätte es werden sollen. Im April 2017 wollte ein 26-jähriger Schweizer aus dem Bezirk Winterthur seiner in Bülach wohnhaften Freundin eine ganz besondere Freude machen – in Form eines brennenden Herzens. Auf dem Weg zu ihrem Wohnort passierte er an der Dachslenbergstrasse bei der Firma Landert einen Lieferwagen. Weil die Aufschrift der Firma mit dem Vor­namen seiner Freundin fast identisch war, kam er spontan auf die Idee, das brennende Herz zusammen mit dem Lieferwagen und dem Schriftzug vom Bahnbord des Bahnhofs Bülach aus mit dem Handy zu fotografieren.

In Winterthur angeklagt

Wie es dann weiterging, erzählt die Anklageschrift wie folgt: «Hierzu formte er auf dem ­Asphalt vor dem Lieferwagen ein Herz aus einer alten Trainerhose, übergoss sie mit Benzin und zündete sie an. Da sich in der Zeitspanne vom Übergiessen bis zum Anzünden eine grosse Benzindampfwolke gebildet hatte, verursachte der Beschuldigte gleich beim Anzünden einen riesigen Feuerball, sodass er das in der Nähe stehende Fahrzeug der Firma in Brand setzte.»

Der Beschuldigte sei darob erschrocken und weggerannt, ohne die Szenerie zu fotografieren. Am Lieferwagen, der komplett ausbrannte, entstand damals ein Sachschaden von rund 70 000 Franken. Damit aber noch nicht genug: Durch das Feuer und den Russ wurden auch ein hinter dem Lieferwagen parkiertes Auto, Fassade und Dach eines Gewerbebetriebes sowie das nahe gelegene Bahnboard ­beschädigt. Der Gesamtschaden summierte sich auf über 200 000 Franken.

Heute Donnerstag muss sich der Mann von dem Winterthurer Bezirksgericht verantworten. Denn neben dem missratenen Liebesbeweis hat er sich noch weitere Straftaten zuschulden kommen lassen. Diese hat er weitgehend in der Stadt Winterthur verübt. So stieg er im Juli 2017 im Restaurant Portier auf dem Lagerplatz ein und nahm alles mit, was einen Wert hatte oder ihm sonst gerade passte. Auf über 2000 Franken summierte sich an dem Abend die Beute. Was dann folgte, war eine regelrechte Einbruchserie. Über ein Dutzend Mal soll der Beschuldigte in den folgenden Monaten eingestiegen sein, mal mit Erfolg, mal ohne. Wie aus der 23-seitigen Anklageschrift hervorgeht, konzentrierte er sich dabei auf Gebäude auf dem Lagerplatz. Sein Vorgehen war meist identisch und vergleichsweise primitiv. Er zerstörte ein Fenster, verschaffte sich so Zugang und wuchtete dann alles auf, wohinter er Wertsachen ver­muten konnte.

Lange Liste von Geschädigten

Zu den Mehrfachgeschädigten gehören nebst dem Verein Kraftfeld, der das Portier betreibt, die Lagerplatz-Besitzerin Stiftung Abendrot und die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Auch der Akademische Sportverband Zürich und die Hunziker Partner AG wurden zum Ziel. Im Februar verschaffte er sich über das Magazin der Firma Hunziker Zugang zur Lagerstrasse 28 und wuchtete dann die Tür zum Empfangsbüro des ASVZ auf. Am Ende erbeutete er in einem aufgebrochenen Korpus 100 Franken, nachdem er im Umfang von mehreren Tausend Franken Sachschaden angerichtet hatte.

Zu den Opfern des Serieneinbrechers gehörten laut Anklageschrift auch die Bolero Lifestyle AG sowie – ausserhalb des Sulzer-Areals – die Lux-Bar. Hier, an der Technikumstrasse, erbeutete er Waren im Wert von über 2000 Franken, darunter auch Pfefferspray, sowie einen Geschenkgutschein der Bar über 50 Franken.

Die Staatsanwaltschaft fordert wegen mehrfachen Diebstahls und Hausfriedensbruchs sowie wegen der «fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst» eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten, wovon laut Anklage zwölf voll­zogen werden sollen. Für die restlichen zwölf Monate sei eine Probezeit von drei Jahren vorzu­sehen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 09.01.2019, 16:16 Uhr

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