Ständeratswahlen

Ruedi Noser war nicht zu schlagen

Ruedi Noser (FDP) verteidigt seinen Sitz im Ständerat. Seine Herausforderin Marionna Schlatter (Grüne) lässt er überraschend weit hinter sich.

Alte und neue Ständeräte: Daniel Jositsch (SP) und der gestern bestätigte Ruedi Noser (FDP).

Alte und neue Ständeräte: Daniel Jositsch (SP) und der gestern bestätigte Ruedi Noser (FDP). Bild: Keystone

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Am Ende war schnell alles klar: Ruedi Noser (FDP) wird weiterhin den Kanton Zürich im Ständerat vertreten. Er hat sich gestern im zweiten Wahlgang klar gegen seine grüne Konkurrentin Marionna Schlatter durchgesetzt – das zeigte bereits die erste Hochrechnung des statistischen Amtes des Kantons Zürich gestern kurz nach 12 Uhr mittags.

Im Laufe des Nachmittags stellte sich nur noch die Frage, in welchen Gebiete im Kanton sich dennoch die grüne Kandidatin durchsetzen konnte. In den Landgemeinden stellten sich die Stimmberechtigten deutlich hinter Noser, während Schlatter in den Städten Zürich und Winterthur sowie in Rifferswil gewann.

In Winterthur trennen die beiden Kandidierenden lediglich 74 Stimmen. Noch knapper ist das Resultat im Zürcher Kreis 12. In Schwamendingen gewann Schlatter mit 22 Stimmen mehr als Noser. Die Wahlbeteiligung war mit knapp 34 Prozent deutlich tiefer als beim ersten Wahlgang (44,6 Prozent) und auch vor fünf Jahren (38,7 Prozent).

«Ein Vertrauensbeweis»

Kurz nach 15.30 Uhr zeigte das Endresultat, dass Ruedi Noser mit 185276 Stimmen den zweiten Zürcher Ständeratssitz verteidigen konnte. Der 58-jährige Unternehmer wird den Kanton weiterhin zusammen mit Daniel Jositsch (SP) vertreten, der bereits am 20. Oktober gewählt worden ist.

Er freue sich über das klare Resultat, sagte Noser vor den Medien. «Das ist ein Vertrauensbeweis und zeigt, dass wir gute Arbeit geleistet haben.» Mit seiner Wahl sei nun der ganze Kanton Zürich im Ständerat vertreten und nicht eine unrepräsentative linke Standesvertretung, wie dies der Fall gewesen wäre, hätte ihn Marionna Schlatter aus dem Amt geworfen.

Die Sensation der Grünen blieb gestern aus. Weder die Grüne Welle, die noch vor vier Wochen Grüne und Grünliberale Kandidatinnen und Kandidaten in den Nationalrat gespült hatte, noch das Momentum des Frauenstreiks vermochten die Kandidatin der Grünen in die kleine Parlamentskammer zu tragen.

Schlatter erreichte mit 116594 Stimmen ein «bemerkenswertes Resultat für jemanden ohne nationales Amt», wie Esther Guyer, Fraktionschefin der Grünen im Kantonsrat, sagte. Schlatter selber war enttäuscht. Die 40-Jährige aus Hinwil hätte sich ein knapperes Resultat gewünscht, konnte aber nicht über ihre linke Basis hinaus mobilisieren.

Einen Bisherigen zu verdrängen sei nun mal schwierig, sagte Guyer. «Uns haben die GLP-Stimmen gefehlt.» Die Partei hatte Stimmfreigabe beschlossen. Zudem seien die SVP-Unterstützer offenbar der Empfehlung der Parteileitung gefolgt und hätten nach dem Rückzug von Roger Köppel (SVP) Ruedi Noser auf den Wahlzettel geschrieben. «Der bürgerliche Schulterschluss hat diesmal funktioniert.»

Linke und rechte Ansprüche

Dies glaubt auch FDP-Kantonsparteipräsident Hans-Jakob Boesch. «Viele SVP-Wähler stehen jetzt wohl unter der Dusche», sagte Boesch gestern lachend. Er zitierte damit Roger Köppel. Dieser hatte nach seinem Rückzug den SVP-Delegierten empfohlen, zwar Noser zu wählen, aber danach zu duschen «denn man hat sich damit schmutzig gemacht».

Die SVP ist sich ihrer Hilfestellung zu Nosers Wahl durchaus bewusst und formulierte in ihrer gestrigen Medienmitteilung bereits die Hoffnung, dass Ruedi Noser eine klare bürgerliche Politik verfolgen werde. Eine ähnliche Hoffnung aber mit umgekehrten Vorzeichen haben die Grünen: Dadurch, dass sich Noser als klimafreundlicher Freisinniger inszeniert habe, stehe er nun in der Pflicht, sich in Bern vehementer für Klimathemen einzusetzen, sagte Esther Guyer.

Noser sagte dazu, dass er auch ohne die SVP gewonnen hätte – sogar wenn Roger Köppel nochmals angetreten wäre. Dies war ihm schon vor vier Jahren gelungen, als er sich gegen Hans-Ueli Vogt (SVP) und Bastien Girod (Grüne) durchgesetzt hatte. Im Ständerat werde er sich weiterhin für breit abgestützte Kompromisse einsetzen, von denen alle profitierten von links bis rechts. Auch die Klimapolitik liege ihm am Herzen, denn diese halte er für eine Chance für die Wirtschaft, kein Problem.

Erstellt: 17.11.2019, 20:54 Uhr

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