Bezirksgericht Bülach

Schuldspruch nach Tod in der Müllpresse

Der Sicherheitsbeauftragte einer Bäckerei wurde wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen. Er hätte einen tragischen Unfall verhindern sollen.

«Der Beschuldigte ist im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen», sagte der Richter bei der Urteilsverkündung vom Freitag.

«Der Beschuldigte ist im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen», sagte der Richter bei der Urteilsverkündung vom Freitag. Bild: Archiv

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Eigentlich sollte die Müllpresse einer Bäckerei im Bezirk Bülach lediglich einen neuen Anstrich erhalten. Doch das ganze endete in einer Tragödie. Ein Maler, der temporär bei einer Unterländer Malerfirma angestellt war, verlor bei den Arbeiten sein Leben. Der Grund: Die Entleerungsklappe der Müllpresse klappte zu und traf ihn am Kopf. Dies verursachte beim 51-Jährigen ein stumpfes Schädel-Hirn-Trauma, was letztlich zu einem Atemstillstand führte. Er verstarb noch auf der Unfallstelle.

Nun musste sich der Sicherheitsbeauftragte der Bäckerei vor dem Bezirksgericht Bülach verantworten. Ihm tut zwar leid, was geschehen ist. Wieso er aber dafür bestraft werden soll, sieht er nicht ein. Sein Verteidiger forderte dementsprechend einen Freispruch. Anders die Staatsanwaltschaft. Sie verlangte einen Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung.

Finanzielle Folgen

Am Freitag verkündete der Richter das Urteil. Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen, so seine Entscheidung. Der 42-Jährige wird mit einer bedingten Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 130 Franken bestraft. Bleibt er in den kommenden zwei Jahren straffrei, wird auf den Vollzug von dieser verzichtet. Trotzdem hat der Schuldspruch finanzielle Folgen für den Schweizer. Er muss den Angehörigen des Opfers Genugtuungen bezahlen. So erhalten die Eltern 10000 Franken und die Ehefrau 40000 Franken. Dazu kommen Prozessentschädigungen und Schadenersatzzahlungen von mehreren Tausend Franken. «Die Ehefrau hat eine zentrale Person in ihrem Leben verloren. Das hat grossen seelischen Schmerz bei ihr verursacht», begründete der Richter. Die Genugtuungsforderung der Schwester des Opfers wurde abgewiesen, da das Verhältnis zwischen den beiden nicht eng genug gewesen sei.

«Das ganze Verfahren hat uns unglaublich viel Kraft gekostet.»Schwester des Verstorbenen

Von Gefahr gewusst

Der Staatsanwalt schreibt in der Anklageschrift: «Der Beschuldigte war als Sicherheitsbeauftragter vertraglich verpflichtet, die Sicherheit im Betrieb zu gewährleisten und gefährliche Arbeiten zu erkennen.» Dazu habe auch die Kenntnis der korrekten Bedienung und Wartung der Müllpresse gehört. «Der Beschuldigte wusste um die Gefahr des Einklemmens oder Zufallens der geöffneten Entleerungsklappe, zumal er noch darauf hingewiesen hat, dass diese gesichert werden müsse», heisst es in der Anklage weiter.

Der Verteidiger ist anderer Ansicht. Er sagte an der Verhandlung, dass sein Mandant nur für die Sicherheit von branchenbezogenen Dingen zuständig gewesen sei. Die Müllpresse gehöre hierbei nicht dazu. Der Beschuldigte selbst ist der Meinung, dass er als Sicherheitsbeauftragter lediglich eine beratende Funktion bei der Bäckerei gehabt habe und in solchen Situationen nicht hätte einschreiten müssen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann von den Parteien ans Zürcher Obergericht weitergezogen werden.

Angehörige kämpften lange

Der «Blick» sprach vor dem Prozess mit der Ehefrau und der Schwester des Verstorbenen. Die beiden kämpften seit dem Vorfall im Mai 2015 um Gerechtigkeit. «Das ganze Verfahren hat uns unglaublich viel Kraft gekostet, aber ich weiss, dass mein Bruder für uns das Gleiche gemacht hätte», sagt die Schwester gegenüber der Boulevardzeitung.

Vom Verhalten der Vorgesetzten und der Firma seien die Angehörigen sowieso enttäuscht. «Es gab keine Entschuldigung. Und wenn ich vor der Bäckerei Blumen niederlegte, waren die nach fünf Minuten verschwunden», sagt die Witwe. Für sie ist klar: «Es muss geklärt werden, was genau passiert ist, damit sich so etwas nie wiederholt.»

Erstellt: 13.09.2019, 17:54 Uhr

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