Bülach

Schulklassen bauen bäumige Wieselburgen

Im Rahmen eines landesweiten Projekts schichten sechs Klassen aus den Bülacher Schulhäusern Böswisli und Lindenhof 24 Holzhaufen für Hermelin, Wiesel und andere Tierarten an einem Waldrand auf. Damit soll das Überleben dieser kleinen Raubtiere gesichert werden.

Ema (9), Dielona (10), Irene (11) und Noelia (10)  arbeiten voller Eifer an ihrem Wieselhaufen am Rand des Walds am Rhischberg zwischen Bülach und Eglisau.

Ema (9), Dielona (10), Irene (11) und Noelia (10) arbeiten voller Eifer an ihrem Wieselhaufen am Rand des Walds am Rhischberg zwischen Bülach und Eglisau. Bild: Sibylle Meier

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am Freitag war im Wald am Rhischberg zwischen Bülach und Eglisau viel in Bewegung. Schülerinnen und Schüler dreier Klassen sammelten Äste und schleppten diese an diverse Orte am Waldrand, wo sie das Material zu Haufen aufschichteten. Kommenden Montag werden drei andere Schulklassen die Arbeit fortsetzen, so, dass am Ende 24 solcher Holzhaufen verstreut auf einer Länge von etwa einem halben Kilometer stehen werden.

Wieselwerkstatt in der Schule

Die Asthaufen dienen Kleintieren als Unterschlupf. Insbesondere sollen sie von Hermelin und Mauswiesel auch für die Jungenaufzucht genutzt werden. Diese beiden Marderarten sind nämlich selten geworden.

Das wissen die Bülacher Kinder, denn lange bevor sie in den Wald marschierten, lernten sie im Schulprojekt Wieselwerkstatt vieles rund um diese Tierarten: Vom Lebensraum über die Fortpflanzung und Verbreitung bis hin zur Nahrung von Mauswiesel, dem kleinsten Raubtier der Welt, und Hermelin, dem Tier des Jahres 2018.

«Auch lernten wir, wie man einen Wieselhaufen richtig aufbaut», sagte Lehrerin Sarina Amati. Beim Bau einer Wieselburg, wie diese Kleinstrukturen auch genannt werden, erstellt man zuerst eine Brutkammer, indem man mit dickeren Ästen einen Hohlraum wie eine kleine Blockhütte erstellt. Darauf schichten die Kinder längere Äste bis der Haufen eine Höhe von etwa eineinhalb Metern und einen Durchmesser von rund drei Metern aufweist. Doch zentimetergenau muss das nicht sein, denn das Bauen von Wieselburgen «ist viel schöner als Schule», wie ein Mädchen sagte, «da man hier im Wald nicht rechnen muss».

Auf den Spuren der Wiesel

Sechs der 24 Wieselbauten enthalten Spurenfallen. In diesen «Fallen» werden aber keine Tiere gefangen, sondern nur – wie der Name schon sagt – ihre Spuren. Ein Spurentunnel besteht aus einer kleinen, länglichen Kiste, die vorne und hinten offen ist. In die Kiste wird ein Brett gelegt, auf welchem in der Mitte eine Art Stempelkissen und beidseitig davon je ein Blatt Papier angebracht sind. Läuft ein Tierchen hindurch, hinterlässt es die Abdrücke seiner Pfötchen. Auch diese Spurentunnels haben die Schüler im Rahmen der Wieselwerkstatt gebaut.

Zur Erfolgskontrolle werden die Spurenblätter im Sommer mehrmals kontrolliert und von Experten ausgewertet. Im Wieselförderprojekt der im Raum von Stadel über das Bachsertal bis in den Aargau hineinreicht, konnten nach zweijährigem Monitoring der Spurentunnels klare Erfolge sowohl bei Hermelin wie auch Mauswiesel nachgewiesen werden.

Zauberwort Vernetzung

Wie Lehrerin Sarina Amati ausführte, werden nach Vollendung des Bülacher Wieselschulprojekts Informationstafeln am Waldrand montiert. Darauf sind die Steckbriefe von Mauswiesel und Hermelin zu sehen, und die Spaziergänger erfahren einiges über den Sinn der Holzhaufen.

Die entstehenden Strukturen am Rhischberg sind sehr wertvoll für die kleinen Raubtiere. Sie allein sichern ihnen das Überleben aber nicht. Wichtig ist nämlich, dass die Tiere wandern können und unterwegs immer Unterschlupf und Nahrung finden. Deshalb sind naturnahe Elemente wie strukturreiche Waldränder, Hecken, Äcker mit Altgrasstreifen, Buntbrachen und so weiter nötig. Das sind Vernetzungselemente, die einen Austausch unter den Wieselpopulationen ermöglichen.

Ebenso wichtig sind Mäuse, die Hauptnahrung von Hermelin und – eben – Mauswiesel. Eine Wieselfamilie frisst pro Jahr bis zu 900 Mäuse, weshalb Hermelin und Co. auch bei Bauern hoch willkommen sind.

Wiesellandschaft Schweiz

Vor einigen Jahren haben Biologen die Stiftung WIN Wieselnetz ins Leben gerufen und das Projekt Wiesellandschaft Schweiz gestartet. Das Ziel des Projekts besteht darin, die gesamte Nordschweiz von Osten nach Westen mit einem Wanderkorridor für Wiesel zu verbinden. Dasselbe soll auch von Norden nach Süden geschehen. Für die Ost-West-Verbindung teilten die Verantwortlichen das gesamte Gebiet in elf Sektoren auf, in denen je ein Wieselförderprojekt durchgeführt wird. Das Gebiet Glattfelden-Bülach-Embrachertal ist im Sektor Irchel-Weinland enthalten, das vom Verein Naturnetz betreut wird.

Aktiver Naturschutzverein

Wie Projektleiterin Silvia Ringger ausführte, seien die Forstämter, Jäger und Landwirte im Gebiet über das Vorhaben informiert worden. Auch Naturschutzvereine würden nach Möglichkeit in die vernetzungs- und ökologischen Aufwertungsmassnahmen einbezogen.

Sehr aktiv wirkt der Naturschutzverein Bülach mit. Schon im Herbst 2016 haben Vereinsmitglieder erste Kleinstrukturen für die sogenannten Kleinkarnivoren erstellt. Am gestrigen Wieselburgenbautag waren die Naturschützer mit Präsidentin Hanni Guyer, Christine Nagel und Martina Stamm vertreten. Letztere ist nicht nur für den Fledermausschutz zuständig, sondern wirkt auch als Schnittstelle zwischen Verein, Schule und Wieselprojekt. «Auch die Forstabteilung der Stadt Bülach hat anerboten, uns hier am Rhischberg zu unterstützen», sagte Guyer, doch das sei angesichts der am Boden reichlich vorhandenen Äste nicht nötig gewesen.

Einen etwas anderen Baustil pflegt die vierte Klasse von Lehrerin Sarina Amati.

Die Organisation des Schulprojekts liegt in der professionellen Hand von Umweltnaturwissenschafterin Evi Binderheim von der Bülacher Firma Sponsolim Umweltconsulting. Die Gewässer-Expertin hat bereits mehrere Naturschutzprojekte mit Bülacher Schulklassen realisiert.

Bei schönstem Wetter konnten am Freitag die Schülerinnen und Schüler der Mittelstufenklassen nach einer kurzen Velofahrt zum Rhischberg den Bau der Wieselburgen in Angriff nehmen. Das anfängliche Frieren konnten sie mit kräftiger Arbeit bald einmal vertreiben. Nur vielleicht jene nicht, die die Arbeit eher gemütlich angingen… Auf jeden Fall dürften in naher Zukunft vermehrt Familien am Waldrand des Rhischbergs anzutreffen sein, die den engagierten Einsatz ihrer Kinder für Mauswiesel und Hermelin bewundern.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 06.04.2018, 17:35 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Newsletter

Die Woche in der Region.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!