Bülach

Seegefecht im Walde

Rund 85 kleine Piratinnen und Piraten machen in dieser und nächster Woche die Umgebung rund um das Pfadiheim in Bülach unsicher. An der Waldspielwoche lernen die Kinder spielerisch aufeinander acht zu geben.

Mit selbstgebauten Schiffen wird eine Piratenschlacht veranstaltet.

Mit selbstgebauten Schiffen wird eine Piratenschlacht veranstaltet. Bild: Johanna Bossart

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Mit Holzschwertern, Pistolen und Augenklappen ausgestattet, greift die Piraten Crew das hochaufgetürmte Schiff «White Swan» an. Tennisbällen fliegen wie Kanonenkugeln durch die Luft. Im Getümmel von Schwertkämpfen macht sich die 10-jährige Larissa aus Bülach daran, an einem Tau hochzuklettern um den «White Swan» zu kapern.

Obwohl ihre Mutter sie zuerst überreden musste, die Waldspielwoche zu besuchen, ist sie nun froh, dass sie hier ist. «Ich habe von Anfang an mitgeholfen, die Schiffe zu bauen. Das coole war, dass ich meine Ideen einfach einbringen konnte und sie dann auch ausgeführt wurden.»

Sozialkompetenz fördern

In der diesjährigen Waldspielwoche beim Pfadiheim Bülach leben sich Kinder zwischen drei und zwölf Jahren als Piraten aus und lassen ihrer Fantasie freien Lauf. Vom 5. bis 16. August, unter dem Motto «Leben auf dem Piratenschiff», können sie Schätze suchen, klettern, basteln und werden dabei «piratig» bekocht. Das heisst auch mit blossen Händen Spaghetti mit Tomatensauce zu essen.

Das Material wird selber zusammengesucht und von der Stadt Bülach finanziert. Die Idee ist es, denn Kindern eine Ferienwoche in der Natur zu bieten. Dabei lernen sie, aufeinander Rücksicht zu nehmen und sich gegenseitig zu helfen. Vor allem wird die Sozialkompetenz gefördert. «Jugendleiter die schon als Kinder dabei waren, bringen diese schon oft mit sich mit», sagt Doris Sturzenegger.

«Es macht keinen Sinn, wenn eine 60-jährige auf der Wiese herumspringt.»Doris Sturzenegger

Die Leiterin des Kindertanztheaters in Bülach erinnert sich: «Als im Jahr 2006 der Sommer so heiss war, stellte ich vor der Stadthalle in Bülach kleine «Bädli» auf. Am Schluss planschten dort 150 Kinder herum. Als der Förster vorbeikam, meinte er, dass dies viel zu gefährlich sei, und schlug eine Waldhütte vor.» Ohne Wasser und Strom veranstaltete sie dort 10 Jahre lang Ferienwochen für Kinder. Seit die Waldhütte abgebrannt ist, wird nun das Pfadihei in Bülach als Spielort benutzt.

Im Laufe der Zeit hat sich auch das Konzept gewandelt. Anstelle von Erwachsenen, leiten nun Jugendliche ab 13 Jahren die Waldspielwoche. «Es macht keinen Sinn, wenn eine 60-jährige auf der Wiese herumspringt», sagt Sturzenegger. «Die Jugendlichen sind viel näher an den Kindern, dafür braucht es auch keine Pädagogen.»

Lernen sich durchzusetzen

Eine davon ist Ronja Hayoz. «Mit meiner leisen Stimme musste ich lernen, mich durchzusetzen», sagt die 18-jährige. Die Hauptleiterin der Waldspielwoche kam vor drei Jahren dazu und ist seit letztem Jahr in der Administration tätig. Mit anderen Jugendleitern hat sie die Waldspielwoche organisiert, Anmeldungen entgegen genommen und stand mit den Eltern in Kontakt. Als älteste von vier Kindern, ist ihr der Umgang mit Kindern vertraut.

Doch auch sie hatte am Anfang Mühe, in gewissen Situationen zu handeln, in denen sie nicht wusste, wie es herauskommen wird: «Hier lernte ich Verantwortung zu übernehmen. Das tolle als Leiterin ist es, dass man mit den Kindern zusammen Schönes erleben und gestalten kann.»

Erstellt: 09.08.2019, 17:43 Uhr

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