Steinmaur

Sein Herz brennt für Feuer und Metall

Röbi Rahm ist Eisenplastiker und Feuerkünstler zugleich. In seiner Werkstatt in Sünikon lagern unzählige Teile, welche zum Leben erweckt werden wollen.

Schweissen mit Eisen wird bei Röbi Rahm aus Steinmaur zur kunstvollen Tätigkeit.

Schweissen mit Eisen wird bei Röbi Rahm aus Steinmaur zur kunstvollen Tätigkeit. Bild: Balz Murer

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Laute Geräusche dringen aus der Werkstatt von Röbi Rahm in Sünikon. Beissender Geruch von verbranntem Eisen steigt dem Besucher in die Nase. Der 61-jährige Künstler hat die Schutzbrille aufgesetzt und ist dabei, die angeschweissten Kugeln an einer Feuerschale mit einem Winkelschleifer abzutrennen. «Der Kunde wünscht sich eine Auffrischung.» Auch das Erfüllen von Kundenwünschen gehöre zu seinen Aufgaben, sagt Rahm, bevor er weiterarbeitet und die Funken nur so sprühen.

Grosser Meister als Vorbild

Genauso sprühen die Ideen in seinem Kopf. Da reicht ein altes Stück Eisen, um diesem Form zu geben und neues Leben einzuhauchen, um Objekte zu entwerfen, welche archaisch anmuten, gleichzeitig aber voller Raffinesse sind. Im verwunschen anmutenden kleinen Garten vor der Werkstatt stehen Grillschalen in Tulpen- und Diamantform. Propeller stehen an der Schuppenwand. Sie gehören zum Werk mit dem Namen «Leonardo» und werden dereinst unter Antrieb von Feuer ihre Runden drehen.

«Mein grosses Vorbild ist Leonardo da Vinci», erklärt der Künstler in Anspielung auf den Namen des Objekts. Wobei er sich mehr als Handwerker denn als Künstler verstehe, wie er bescheiden betont. «Ich bin gelernter Maschinenmechaniker und eigentlich aus Zufall zu dieser Tätigkeit gekommen.» Sein erstes Werk sei ein Männchen aus Eisen gewesen, anhand einer Kinderzeichnung hergestellt. «Viele Leute fanden dies toll, sodass ein Auftrag nach dem anderen erfolgte.» Die Ideen für seine Werke seien oft wie von selbst entstanden. «Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt, hatte immer schon eine Affinität für Schönes und versuche, so nahe wie möglich an die Perfektion zu gelangen.»

Selbst anspruchsvollste Kundenaufträge sieht Röbi Rahm als eine Herausforderung an. Er erzählt von Sichtschutzwänden mit einem speziellen Motiv, von Metallelementen, welche genau nach Sonneneinstrahlung platziert werden müssen, von technischen Problemstellungen, welche bis zur Realisierung grosse Sachkenntnis und viel Zeit erfordern. «Ich brauche einen gewissen Druck, damit etwas fertig wird. Dann arbeite ich effizient und schnell.»

«Ich brauche einen gewissen Druck, damit etwas fertig wird. Dann arbeite ich effizient und schnell.» Röbi Rahm

Besonders stolz ist Rahm auf die Aluminiumplastik «Saturn», welche vor seiner Werkstatt steht und je nach Sonneneinstrahlung in verschiedenen Mustern erstrahlt. Vor dem Eingang des Freizeitparks Erlen stehen zudem die Werke «Feuerball» und «Urknall» mit allen Planeten. «Die Kugel ist für mich die perfekteste geometrische Form». Eine kleine Ausnahme sei das Werk mit dem originellen Namen «Die Kvadratur des Kreises» – unüblich geschrieben, genauso unüblich als Quadrat im Kreis inszeniert.

Doch Röbi Rahm wäre nicht er selbst, wenn da nicht noch mehr verborgene Talente zum Vorschein kommen würden. «Durch Zufall bin ich zur Tätigkeit als Pyrotechniker gekommen.» Nach erfolgreich bestandenen Prüfungen erhalte er inzwischen immer wieder Aufträge, um spektakuläre Feuerwerke mit passender Musik zu inszenieren. Bei «Kunst am Rank» in Höri zeichnete er zum vierten Mal verantwortlich, ebenfalls in Höri wird er am 1. August für ein fulminantes Feuerwerk zuständig sein. «Das Planen macht mir riesigen Spass.» Bis zu 20 Stunden verbringe er nur für die Planung eines Projekts. Dazu gehöre die Auswahl der Musik, das Zusammenschneiden und das genaue Timing von Feuerwerk im Zusammenspiel mit Musik. «Es braucht viel handwerkliches Geschick und viel Verständnis für Pyrotechnik, damit das Feuerwerk optimal zur Musik passt.»

Feuerspektakel im Steinbruch

Während Röbi Rahm sich neben all seinen Projekten auch Zeit nimmt, einmal wöchentlich zwei der insgesamt vier Enkelkinder zu betreuen, spinnt er bereits wieder an neuen Ideen. «Ich würde gern ein Feuerspektakel in einem Steinbruch realisieren. Das Drehbuch dazu habe ich bereits geschrieben.» Ein 30 Meter hohes Riesenrad würde dabei am Schluss abgefackelt werden. «Ich werde immer eine Spur besser und professioneller. Das Staunen der Menschen ist für mich Lohn genug.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 12.06.2019, 16:02 Uhr

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