Dielsdorf

Sieben Katzen mussten einen qualvollen Tod erleiden

Ein 34-jähriger Schweizer wurde gestern wegen mehrfacher Tierquälerei zu einer ­bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Das ­Problem bei der Urteilsfindung: Es gab keine handfesten ­Beweise, und der Angeklagte selber schwieg.

Das Bezirksgericht Dielsdorf verhandelte gestern einen brutalen Fall von Tierquälerei. Ein 34-jähriger Schweizer soll sieben Katzen derart schwer verletzt haben, dass diese danach verstorben sind.

Das Bezirksgericht Dielsdorf verhandelte gestern einen brutalen Fall von Tierquälerei. Ein 34-jähriger Schweizer soll sieben Katzen derart schwer verletzt haben, dass diese danach verstorben sind. Bild: Johanna Bossart

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Am Mittwoch behandelte das Bezirksgericht Dielsdorf einen äusserst brutalen Fall von Tierquälerei. Der Beschuldigte, ein 34-jähriger Schweizer, lebt zusammen mit seiner Partnerin in einer Wohnung in Neerach. Dort soll er ­gemäss Anklageschrift sieben ­gemeinsam gehaltene Katzen so schwer verletzt haben, dass sie entweder verstorben sind oder vom Tierarzt eingeschläfert werden mussten.

Tragisch ist, dass alle Tiere vor ihrem Tod unglaublich leiden mussten. In der Anklageschrift sind die Verletzungen der Katzen aufgeführt. Diese ­zeigen, mit welcher Brutalität der Beschuldigte gegen die wehr­losen Tiere vorgegangen ist. Auf genauere Details wird an dieser Stelle bewusst verzichtet.

Angeklagter verweigert jegliche Aussage

Gestern musste sich der 34-jäh­rige Schweizer vor dem Bezirksgericht Dielsdorf verantworten. Der Beschuldigte, der noch immer mit seiner Partnerin zusammenwohnt, stellt schon zu Beginn der Verhandlung klar: «Ich werde heute keine Aussagen zur Sache machen.» Er sagt aber, er sei enttäuscht, dass er der Tierquälerei beschuldigt werde: «Ich kann mir nicht erklären, wie esso weit kommen konnte.»

«Es ist aber kaum ein Zufall, dass sieben Haustiere innerhalb von gut zwei Jahren verstorben sind.»

Andrej Gnehm,
Staatsanwalt 

Für Staatsanwalt Andrej Gnehm ist aber klar: Der Schweizer ist schuldig. «Ich fordereeine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten.» Das Problem in diesem Fall ist, dass es keinerlei ­Beweise gibt, die den 34-Jährigen überführen könnten. «Tiere können leider nicht sprechen, ob sie nun tot oder lebendig sind», sagt Gnehm. Es sei aber kaum ein Zufall, dass sieben Haustiere innerhalb von gut zwei Jahren ver­storben seien. Deshalb liess der Staatsanwalt ein Gutachten von einer Kantonstierärztin erstellen. Dieses zitierte er während seines Plädoyers immer wieder. So zum Beispiel, als es um die Verletzungen des Katers Felix ging. Er wies Verbrennungen an allen vier Pfoten auf.

Die Erklärung des Angeklagten: «Die Katze ist auf die heisse Herdplatte gesprungen.» Laut dem Gutachten der Tierärztin ist das eine Lüge: «Vom Bewegungsablauf her ist es nicht möglich, dass eine Katze mit allen Pfoten gleichzeitig auf der Herdplatte landet.» Ausserdem wirft der Staatsanwalt dem Beschuldigten vor, bei den Befragungen geschauspielert zu haben. «Er versuchte vereinzelt Tränen zu verdrücken und verfing sich in Schutzbehauptungen.»

Verteidiger: «Das Gutachten ist wertlos»

Verteidiger Manfred Küng ist ­anderer Meinung: «Der Staats­anwaltschaft fehlt jegliches Beweismittel. Es wird pauschal von Gewalt gesprochen.» Ein Beweis wären für ihn zum Beispiel Kratz- oder Bissspuren am Beschuldigten gewesen. «Wenn er die Katzen wirklich gequält hat, hätten sich diese gewehrt.» Solche Verletzungen wurden jedoch nicht dokumentiert.

Weiter sei für ihn das Gutachten der Tierärztin nicht relevant. «Sie hat ihren Job nicht erfüllt und macht unzulässige Schuldzuweisungen.» Sie habe sich anhand des pathologischen Berichts eine Meinung gebildet, ­ohne die Katzen jemals gesehen zu haben.

Die erste Abteilung des Bezirksgerichts Dielsdorf (Chris­tina Steiner, François Kusterund Michel Compagnoni) hat sich nach fünfstündiger Beratung entschieden, den 34-Jährigen der mehrfachen Tierquälerei schuldig zu sprechen. Wie von Staatsanwalt Andrej Gnehm gefordert, wird er mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten bestraft. Wenn er in den nächsten zwei Jahren keine Straftat begeht, muss er diese aber nicht im Gefängnis absitzen.

Erstellt: 16.11.2017, 09:07 Uhr

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