Pro und Kontra

Sind aufwendige Weihnachtsbeleuchtungen noch zeitgemäss?

Wenn es draussen dunkel wird und Weihnachten immer näher kommt, holen viele Menschen die Weihnachtsbeleuchtung hervor. Doch ist die Beleuchtung nötig? Gibt es mehr Vor- oder Nachteile? Bei den Experten gehen die Meinungen auseinander.

Für die einen gehört sie zur Weihnachtszeit dazu, andere finden sie einfach nur kitschig: die Weihnachtsbeleuchtung.

Für die einen gehört sie zur Weihnachtszeit dazu, andere finden sie einfach nur kitschig: die Weihnachtsbeleuchtung. Bild: Symbolbild/Keystone

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PRO

Christoph Hagedorn, Dekoplus Eglisau

Zugegeben, ich verdiene Geld mit Weihnachtsbeleuchtungen. Doch reicht das, um dafür zu sein? Ich finde nicht. Meine Motivation ist primär die mehrheitlich positive Reaktion der Bevölkerung. Immer, wenn unsere Firma in den Bäumen der Bülacher Altstadt die Lichterketten montiert, merken wir, dass sich die Leute auf das Lichtermeer freuen. Beim Aufbau der Weihnachtsdekorationen in den Einkaufszentren und Geschäften bleiben die Leute stehen und sind gespannt, was wir dieses Jahr inszenieren. Ja, Lichterketten gehören zur Weihnachtszeit. Klar wären Kerzen schöner, aber in der Praxis ist das nicht zu handhaben.

Wenn immer möglich versuche ich, die Kunden für eine mass- und sinnvolle Weihnachtsbeleuchtung zu motivieren. Zum Beispiel, dass sie nicht zu früh eingeschaltet wird. Es reicht, wenn kurz vor dem ersten Advent die Lichter erstrahlen. Auch mich stört es, wenn Einkaufszentren schon im Oktober auf Weihnachten machen. Und sobald sich die Strassen und Gassen in der Nacht leeren, sollte ausgeschaltet werden. Unnötige Lichtverschmutzung ist ein Ärgernis und hat nichts mit Weihnachten zu tun. Überfüllte Privatgärten mit Tieren in den unterschiedlichsten Farben sind grässlich. Dagegen sind mit filigranen Lichterketten bestückte Bäume, die an einen Sternenhimmel erinnern, wunderschön. Weniger ist mehr! Gut, sind die heutigen LED-Lichterketten keine Stromfresser mehr. Auch sind sie extrem langlebig, man spricht bei sorgfältiger Behandlung von bis zu 20 Jahren Lebensdauer.

Ich plädiere für dekorative Weihnachtsbeleuchtungen. Wenn eine Gemeinde oder eine Stadt eine Beleuchtung anschafft, wird das Projekt leider oft technisch und nicht gestalterisch angegangen. Zu sehen sind so immer wieder Metallrahmen an Strassenlaternen, die aussehen wie offene Schranken an Bahnübergängen. Und wenn sie dann beim Eindunkeln eingeschaltet werden, kommen kaltweisse Ornamente zum Vorschein, die nur mit viel Fantasie überhaupt etwas mit Weihnachten zu tun haben. Schade ums Geld, finde ich da. Es gilt: Egal wo, bei Weihnachtsbeleuchtungen gilt es, respektvoll auf die Umgebung einzugehen und dafür neben Technikern auch Gestaltungsfachleute beizuziehen.

Zusammenfassend gesagt: Eine schöne Weihnachtsbeleuchtung soll nicht beleuchten, sondern leuchten, um in der kalten und trüben Jahreszeit die Menschen zu erfreuen. Sie soll berühren. So bin ich voll dafür.

KONTRA

Lukas Schuler, Präsident Dark-Sky Switzerland, Wallisellen

In der kalten Jahreszeit steigt der Wunsch nach wärmendem Licht. Kerzenähnliches Licht entspricht einer langen Tradition und stellt ein Bedürfnis des Menschen dar. Wärmestrahlung scheint heilend für gewisse Schäden an der Netzhaut zu sein, wie aktuelle Forschungen vermuten lassen.

Dark-Sky Switzerland ist nicht gegen Beleuchtung, sondern für den vernünftigen Umgang mit Licht – und genau diese Vernunft lässt der Kommerz bei Weihnachtsbeleuchtungen vermissen: Die Natur sucht Winterruhe und der Mensch trumpft gleichzeitig mit irritierenden Lichtersujets auf. Ob tropfende Eiszapfen, blitzende Lichterketten, grelle Lichtervorhänge oder blaue Tannenbäume, wandernde Sterne, Schneeflocken oder flirrende Laserpunkte – der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt und das Wettrüsten unter Nachbarn stoppt erst, wenn das letzte Rentier ausverkauft und ihr Stromzähler erschöpft ist. Über Geschmack kann man bekanntlich streiten. Die Nachtruhe ist mit Vernunft ohne Streit möglich.

Das Umweltziel «Lichtemissionen nehmen nicht weiter zu» wurde 2018 im Kanton Zürich erneut verfehlt. Das erstaunt nicht. Ein Beispiel im Süden des Zürcher Unterlands zeigt, dass selbst mit bester Absicht die Lichtmenge der Weihnachtsbeleuchtung lokal mehr als verdoppelt wird, ohne dass dies bewusst geschieht: Wie ein übergrosses Weihnachtsgeschenk leuchtet das Einkaufszentrum Glatt jeweils im warmen Farbton um diese Jahreszeit. Die Leuchtdichte der Fassade wurde von Dark-Sky Switzerland bereits 2014 gemessen, sie betrug damals 4,5 Kerzen pro Quadratmeter und es wurde geschätzt, dass man mit demselben Lichtstrom etwa einen Kilometer Strasse beleuchten könnte. Nun wurde 2018 die Fassade komplett renoviert. Die strukturierte Fassade wurde geglättet, die Reflexion der Fenster von Kupfer auf Hellblau erhöht und die Mehrfachverglasung auf drei verstärkt. Seither werden mehr als 13 Kerzen pro Quadratmeter gemessen, also rund das Dreifache der Lichtmenge von früher. Die neue Fassade verstärkt den Effekt, weil sie ungehindert mehrfache Spiegelungen ermöglicht. Bei dunstiger Sicht sieht man den kräftigeren Lichtdom deutlich.

Soll man sich da als Privatperson überhaupt noch bemühen? Ja, denn die Nachbarn sollen gemäss Bundesgerichtsentscheid geschützt werden. Die Weihnachtsbeleuchtung soll spätestens um 1 Uhr ausschalten und nur vom 1. Advent bis zum Dreikönigstag laufen.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 08.12.2018, 11:00 Uhr

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