Regensdorf

So rettet sich Regensdorf vor dem Verkehrskollaps

Ein neues Quartier beim Bahnhof Regensdorf-Watt soll dereinst 6500 Personen Wohn- und Arbeitsraum bieten. Damit die Gemeinde den Mehrverkehr schlucken kann, ordnet sie das Strassennetz neu.

Mobimo plant den Bau von 204 Mietwohnungen gegenüber dem Bahnhof Regensdorf-Watt.

Mobimo plant den Bau von 204 Mietwohnungen gegenüber dem Bahnhof Regensdorf-Watt. Bild: PD

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In den nächsten Jahrzehnten wird Regensdorf kräftig wachsen. Alleine im neuen Quartier Bahnhof Nord entsteht Wohn- und Arbeitsraum für 6000 bis 7000 Personen. Weitere Grossüberbauungen sind in der Pipeline. Doch der Verkehr staut sich bereits heute in den Morgen- und Abendstunden. Dann sucht man auch in der S-Bahn oft vergeblich einen Sitzplatz. Regensdorf zählt heute 18500 Einwohner, in den nächsten Jahrzehnten sind es voraussichtlich über ein Drittel mehr. Das rasante Wachstum bedeutet zwangsläufig auch mehr Verkehr. Will die Gemeinde attraktiv bleiben und nicht im Stau ersticken, so ist ein Ausbau auf Schiene und Strasse unumgänglich.

Mehr ÖV statt Auto

Regensdorf versucht also die Quadratur des Kreises – und das scheint in der Tat machbar. Vertreter des Kantonalen Amts für Verkehr und der Gemeinde haben am Montagabend das Verkehrskonzept vor rund 180 Anwesenden vorgestellt. Eine Voraussetzung, dass der Strassenverkehr auch künftig fliessen wird, ist, dass mehr Leute Bus und Bahn benutzen.

Das Furttal hat mit 10 Prozent der tiefste ÖV-Anteil im ganzen Kanton. Der muss sich auf 15 Prozent erhöhen und der Auto-Anteil sinken.Markus Traber,
Chef des Kantonalen Amts für Verkehr

Im Furttal sind nur 10 Prozent der Bevölkerung regelmässig mit dem ÖV unterwegs, 85 Prozent mit dem Auto, die restlichen mit Velo und zu Fuss. «Das ist der tiefste ÖV-Anteil im ganzen Kanton. Der muss sich auf 15 Prozent erhöhen und der Auto-Anteil sinken», sagte der Chef des Amts für Verkehr Markus Traber. Sonst funktioniere auch das Verkehrskonzept nicht.

«Wir gehen davon aus, dass 60 Prozent der Bewohner und Arbeitstätigen im neuen Quartier Bahnhof Nord den ÖV benutzen werden», sagt der Verkehrplaner Albert Gubler. Dies sei allerdings nur mit einem Kapazitätsausbau der S-Bahn erreichbar. Geplant ist, den Perron des Bahnhofs Regensdorf-Watt für 300 Meter lange Züge zu verlängern. Zudem führen die SBB ab anfangs 2030er Jahre den durchgehenden Viertelstundentakt zwischen Regensdorf und Zürich ein.

Ausbau auf vier Spuren

Massiv ausgebaut wird auch die Wehntalerstrasse, die Hauptverkehrsachse durch Regensdorf, die das Furttal mit dem Autobahnanschluss in Zürich-Affoltern verbindet. Diese wird von zwei auf vier Fahrspuren verbreitert. Abbieger führen in die Quartiere nördlich und südlich. Im Abschnitt des künftigen Quartiers Bahnhof Nord regeln acht Lichtsignalanlagen die Ein- und Ausfahrten und die Überquerung für Fussgänger. Die Lichtsignale sollen so aufeinander abgestimmt sein, dass man innerhalb einer grünen Welle zufahren kann. Dazu kommt: Alle heutigen Verkehrsknoten will man neu organisieren, so dass der Verkehr auf kürzestem Weg von den Quartieren auf die Wehntalerstrasse geleitet wird.

Sogar der Bund zahlt mit

Was aber, wenn die neu Zugezogenen doch mehr im Auto unterwegs sind als im Zug? «Im Quartier Bahnhof Nord sind die Grundeigentümer verpflichtet, eine Art Verkehrsschranken einzuführen, um dem Autoverkehr ab einer gewissen Anzahl Fahrten einen Riegel schieben zu können», sagt der Regensdorfer Bauvorstand Daniel Noger.

Die Umsetzung des Verkehrskonzeptes kostet grob geschätzt 100 Mio. Franken. 20 Prozent der Kosten fallen beim Kanton an. Das Projekt wird zu 25 Prozent vom Bund mitfinanziert, konkret vom Fonds für die Nationalstrassen und den Agglomerationsverkehr (NAF). Beiträge gibts auch von den SBB.

Rund 50 Millionen soll die Gemeinde beisteuern – die das Geld von den Grundeigentümern im Quartier Bahnhof Nord erhält. Sobald diese ein Bauprojekt anpacken, müssen sie einen Beitrag zum Ausbau der Infrastruktur leisten. Das ganze Verkehrsprojekt kostet die Gemeinde höchstens 3 Mio. Franken. Ein Rahmenkredit kommt voraussichtlich im September 2020 an die Urne. Läuft alles wie vorgesehen, ist 2024 Baustart.

Erstellt: 05.11.2019, 18:54 Uhr

Die Entwicklung des Zentrums Regensdorf soll möglich werden

Das Einkaufszentrum mit dem Hotel Mövenpick und den Hochhäusern gehört zum Erkennungsbild Regensdorfs. Vor 45 Jahren gebaut, sind die Gebäude mittlerweile sanierungsbedürftig. Doch der bestehende Gestaltungsplan blockiert eine Erneuerung der Gebäude. Wie Gemeindepräsident Max Walter an der Informationsveranstaltung am Montagabend sagte, soll das Zentrum Regensdorf zeitgemässe Bauvorschriften erhalten und entwickelt werden können. «Sonst verlottern die Liegenschaften, und der Mittelstand zieht aus.» Das bedingt eine Teilrevision der Nutzungsplanung. Diese wird voraussichtlich im März 2020 der Gemeindeversammlung zur Abstimmung vorgelegt.

Ein Projekt rund um den Zentrumsplatz ist bereits in Vorbereitung. Das Einkaufszentrum und die Parkplatzflächen gehören der Seewarte AG, die zur Ernst-Göhner-Stiftung gehört. Die Immobilienfirma plant, die heute oberirdischen Parkplätze des Einkaufszentrums in den Boden zu verlegen und das Areal mit dem Zentrumsplatz zu verbinden. Sechs Gebäude will die Seewarte rund um den Platz erstellen, eines soll ein Hochhaus sein. Insgesamt sind 250 Wohnungen und 2000 Quadratmeter Gewerbeflächen vorgesehen. Ob das Projekt realisiert werden kann, das entscheidet das Regensdorfer Stimmvolk an einer Urnenabstimmung frühestens im September 2020. (anb)

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