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Swiss muss nach Triebwerkausfall im kanadischen Nirgendwo zwischenlanden

Eine Boeing 777 der Swiss musste gestern Nacht auf dem Weg nach Los Angeles im kanadischen Iqaluit zwischenlanden, weil eines der beiden Triebwerke ausfiel.

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Auf dem Weg von Zürich nach Los Angeles hat eine Swiss-Maschine gestern Nacht seinen Passagieren einen erinnerungswürdigen Zwischenstopp beschert. Die direkte Flugroute führt über Grönland und den Norden Kanadas an die kalifornische Küste. Weil genau über dem kanadischen Nirgendwo ein Triebwerk ausfiel, landete die Boeing 777 der Swiss aber nicht am Pazifik, sondern auf Baffin Island, genauer gesagt in der kanadischen Kleinstadt Iqaluit. Auf dieser Flugroute ist der Flughafen für solche Zwischenlandungen vorgesehen, die Landung in der Eiswüste klappte problemlos.

Im hohen Norden Kanadas werden derzeit knackige -23 Grad gemessen - in der Nacht -30 Grad. Bei rund sieben Grad in Kloten und 20 Grad in Los Angeles werden sich die wenigsten Reisenden auf diese Kälte vorbereitet haben. Dies war denn auch der Grund dafür, dass die Swiss die Passagiere in der Kabine ausharren liess und nicht ins Terminal umsiedelte, wie eine Mediensprecherin mitteilt. Genügend Hotelzimmer für die Reisenden hätte es im 7500-Seelen-Städtchen Iqaluit ohnehin nicht gegeben.

Via New York weiter nach Los Angeles

Die Swiss bestätigte den via Twitter verbreiteten Vorfall auf ebendiesem Medium (siehe Bildstrecke) und koordinierte die «Rettung» der Passagiere aus der Kälte. Dafür wurde ein Airbus A330 der Swiss von seinem ursprünglichen Flug abgezogen. Statt von New York zurück in die Schweiz flog er die rund 3,5 Stunden schnurgerade hinauf nach Baffin Island, um die dort gestrandeten Passagiere abzuholen. Der Flug von New York nach Zürich wurde gestrichen, wobei es sich lediglich um einen von vier Flügen von der amerikanischen Metropole nach Kloten handelte.

Beim Umsteigen von der defekten Boeing in das Ersatzflugzeug dürften die Swiss-Passagiere dann doch noch etwas von der eisigen Kälte gespürt haben. Ihre Odyssee führt sie derzeit nach New York, von wo sie dann nach Los Angeles geflogen werden. Die Ankunft dürfte um mindestens einen Tag verzögert erfolgen.

Passagiere werden 600 Euro Entschädigung erhalten

Dafür gibt es immerhin einen Trostbatzen: Die EU-Fluggastrechte-Verordnung 261/2004 sieht vor, dass bei Verspätungen von mehr als drei Stunden auf der Langstrecke pro Passagier 600 Euro Entschädigung gezahlt werden, zudem müssen die Reisenden während der Wartezeiten mit Essen und Getränken versorgt werden, was meist mittels Coupons für Flughafenrestaurants geschieht. Auch Kosten für Telefongespräche, um Geschäftspartner, das Reisebüro oder allfällige Abholer über die Verspätung zu informieren, muss die Swiss gemäss EU-Recht für die Passagiere übernehmen.

Obwohl Fluggesellschaften gerne anders argumentieren bestehen die Entschädigungsansprüche auch, wenn die Verspätung wie in diesem Fall aufgrund technischer Probleme zustande kam. Zwar muss die Airline bei aussergewöhnlichen Umständen nicht zahlen, dazu zählt ein Triebwerkausfall aber nicht, resp. nur wenn Vögel im Triebwerk dazu führten. Gültige aussergewöhnliche Umstände sind Sperrungen des Luftraums, Streiks oder Unwetter.

Die Entschädigung steht den Passagieren in Bar zu, allfällige Gutscheine können abgelehnt werden.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 02.02.2017, 10:37 Uhr

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