Bülach

Über 50 Pakete Wolle sind genug

In einem Inserat bat Trudi Lauber um Wolle, mit der sie Mützen für Kinder in Moldau stricken will. Zahlreiche Pakete wurden ihr bereits zugeschickt. Nun möchte sie, dass die Spenden aufhören.

Trudi Lauber hat so viel Wolle bekommen, dass sie nun auch Mützen für sämtliche Bewohner des Alterszentrums stricken kann.
Video: Paco Carrascosa

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Auf Twitter oder Instagram zu einer «viralen» Sensation zu werden, davon träumt jede Influencerin und jeder Influencer. Wenn die erhöhte Aufmerksamkeit aber ungewollt ist, kann sie auch zur Belastung werden. So auch bei Trudi Lauber aus Bülach. Als der 86-jährigen Bewohnerin des Alterszentrum Grampen die Wolle fürs Stricken ausging, schaltete sie eine Kleinanzeige, in der sie um Spenden bat. Damit will sie Wollmützen für Kinder aus Moldau stricken.

Aus der ganzen Schweiz

Dieser Spendenaufruf wurde prompt in den sozialen Medien geteilt und entwickelte ein Eigenleben. Als Trudi Lauber davon erfuhr, war es bereits zu spät. Auch Zeitungen und das Fernsehen wurden auf das «strickende Grosi» aufmerksam – seitdem kann sie sich kaum vor den Zusendungen retten. Sie bittet die Spenderinnen und Spender deshalb, keine Wolle mehr zu senden: «Ich bin sehr dankbar für die grosszügigen Spenden, aber ich habe nun wirklich genug.»

Fast über Nacht hat sich die Wohnung der Laubers in ein provisorisches Paketlager verwandelt. Wieder sind etliche Päckchen im Eingangsbereich des Grampen eingetroffen, insgesamt sind es bereits über 50 Pakete. Viele der Lieferungen sind aus dem Unterland, es finden sich aber auch solche von ausserhalb der Region mit Absendern aus Basel, Solothurn oder dem Thurgau. «Wir haben sogar Anrufe aus Deutschland erhalten», sagt Trudi Lauber.

«Ich bin sehr dankbar für die grosszügigen Spenden, aber ich habe nun wirklich genug.»Trudi Lauber

Als die ersten Wollspenden eintrafen, war sie noch überglücklich. Mittlerweile geht ihr der Platz für die Wolle aber aus. Im Bürozimmer häufen sich bereits Säcke voll unsortierter Wolle. Ein Stapel Päckchen türmt sich im Wohnzimmer. In mühevoller Arbeit musste Trudi Lauber diese trotz Gehhilfe aus dem Weg räumen. Eines der Päckchen enthielt sogar Wolle, die von Motten befallen war und entsorgt werden musste.

«Ich vermute, dass diese Wolle etwa 50 Jahre alt ist», sagt sie. Auf Facebook und Twitter dagegen sind die Leute begeistert von der Geschichte: «Hut ab!» und «Ich hoffe, dass sie noch ganz lange gesund und fit bleibt und Mützen stricken kann!», heisst es in den Kommentaren. Dass Trudi Lauber keine Wolle mehr braucht, ist den meisten aber nicht bewusst. Ein Ende der Spenden ist noch nicht in Sicht.

Übrige Wolle verschenken

Eine gute Seite hat die Sache dennoch: Im Grampen hat die Leitung nun entschieden, das Projekt von Trudi Lauber mit den restlichen Bewohnerinnen weiterzuführen. Auch die Wolle, die übrig bleibt, wird Verwendung finden: «Ich werde die Wolle an Bekannte und zwei Strickgruppen verschenken», sagt sie. «Wegschmeissen werde ich aber nichts. Es gibt so viele Menschen, die Wolle brauchen, sich diese aber nicht leisten können.»

Im November will die begeisterte Strickerin einen Korb im Eingangsbereich des Alterszentrums aufstellen und diesen mit den selbst gemachten Wintermützen füllen. Daraus sollen sich Bewohner und Besucher bedienen können. «So kann ich möglichst vielen Menschen etwas Gutes tun», sagt sie.

Erstellt: 04.09.2019, 21:18 Uhr

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