Steinmaur

Viel Lärm um den Lärmschutz

Kantonsrat Robert Brunner und die Zürcher Baudirektion sind sich beim Lärmschutz in Steinmaur nicht einig.

Kantonsrat Robert Brunner ist mit den Erklärungen der Baudirektion nicht zufrieden.

Kantonsrat Robert Brunner ist mit den Erklärungen der Baudirektion nicht zufrieden. Bild: Sibylle Meier

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In Steinmaur sorgt derzeit eine grössere Sanierung für rauchende Köpfe. Eigentlich sollte die Hauptstrasse in Niedersteinmaur saniert und gleichzeitig der Lärmschutz in den kritischen Bereichen aufgewertet werden. Wie das erreicht werden soll, da scheiden sich jedoch die Geister. Wegen dem Denkmalschutz dürfen keine Lärmschutzwände installiert werden. Deshalb werden Alternativen in Betracht gezogen. Die Massnahmen des Kantons, welcher für die Sanierung der betroffenen Kantonsstrasse zuständig ist, gehen nicht allen weit genug.

Im Juni reichte Kantonsrat Robert Brunner (Grüne) aus Steinmaur diesbezüglich eine Anfrage beim Regierungsrat ein und warf den Behörden vor, sich wiederholt von ihren Pflichten zu drücken. Brunner wollte wissen, wieso der Kanton bei den Lärmsanierungsarbeiten in Steinmaur nicht durchgehend lärmarmen Belag – sogenannten Flüsterbelag – einsetzt. Dieser kann laut einem Bericht der Fachstelle Lärmschutz den Lärm um bis zu 3 Dezibel reduzieren. Dieser kommt aber lediglich für den Bereich Hauptstrasse 9 bis Grebweg 1 zum Einsatz. Im Bereich Hauptstrasse 8 bis zur Einmündung in den Burgweg, in welchem die Alarmwerte stellenweise überschritten werden, ist dieser bisher nicht vorgesehen.

Einsprachen verfehlen Ziel

Die Antwort des Regierungsrates auf Antrag der Baudirektion zeigt nun: Weil mehrere Einsprachen gegen das Projekt eingereicht wurden, könnte es sein, dass Steinmaur sich den Flüsterbelag auf diesem Abschnitt verspielt hat. Grund dafür ist ein weiteres Bauprojekt, welches nun im Konflikt mit der Lärmschutzsanierung steht. Neben der Sanierung der Hauptstrasse muss nämlich auch der Bachdurchlass des Fischbachs instand gesetzt und die umliegenden Strassen ebenfalls saniert werden. Weil sich die Perimeter der beiden Projekte schneiden, plante die Baudirektion ursprünglich die Belagssanierung an beiden Teilbereichen gleichzeitig im Frühling vorzunehmen.

«Wir hätten den Flüsterbelag sowieso nicht bekommen.»Robert Brunner, Kantonsrat

Wegen den Einsprachen gegen das Projekt an der Hauptstrasse müsse mehrere Abklärungen wie ein Verkehrsgutachten zu Tempo 30 vorgenommen werden, was die Bauarbeiten verzögert. Der Kanton will aber die Strassensanierung im Bereich des Bacheinlasses wie geplant im April 2020 vornehmen. Damit gerät das Projekt in eine Zwickmühle: Weil noch nicht feststeht, ob der Strassenbereich bis zur Liegenschaft Hauptstrasse 8 im Lärmsanierungsprojekt tatsächlich einen lärmarmen Belag erhält, verwendet die Baudirektion im Bereich der Bachdurchlasssanierung vorbeugend einen Standardbelag.

Wie sie in ihrer Antwort schreibt, würden Übergänge von Standardbelag zu Flüsterbelag zusätzliche Lärmemissionen entstehen. «Die Arugmentation der Baudirektion ist lediglich eine Ausrede», ist Brunner überzeugt. Nun könne die Baudirektion die neuen Begebenheiten als Begründung angeben, wieso Steinmaur doch keinen lärmarmen Belag erhält. «Wir hätten den Flüsterbelag sowieso nicht bekommen.»

Keine Lösung

Auch reagiert Brunner mit Unverständnis auf die Begründungen der Baudirektion bezüglich den Nachteilen von Flüsterbelägen. In sieben Punkten erklärt diese, dass lärmarme Beläge beispielsweise eine kürzere Lebensdauer hätten und schneller beschädigt würden. Das führe zu mehr Baustellen, was das Verkehrsnetz und den Verkehrsfluss zusätzlich belasten würde.

«Das ist alles bekannt aber es ist immer noch wesentlich besser, als gar nichts zu tun», sagt Brunner. Die Baudirektion ziehe es seines Erachtens nach vor, jegliche Massnahmen zum Lärmschutz als nicht verhältnismässig zu erklären, damit diese nicht durchgeführt werden müssen. «Stattdessen unternimmt man nichts und dann gelten die Strassen schon als lärmsaniert.»

In Steinmaur macht man mittlerweile das Beste aus der Sache. An den lärmbelasteten Gebäuden entlang der Hauptstrasse werden Schallschutzfenster installiert. Damit sollen die Lärmimissionen zumindest teilweise reduziert werden. «Das Lärmproblem ist mit den Schallschutzfenstern aber nicht gelöst», sagt Brunner. «Die Anwohner an den betroffenen Stellen möchten auch Abends ein Fenster öffnen.»

Nun hofft Brunner, dass zumindest stellenweise Tempo 30 eingeführt wird. Laut einem Bundesgerichtsentscheid vom April 2018 können die Kantone neu auf Kantonsstrassen für den Lärmschutz Tempo 30 erheben. Zuversichtlich ist Brunner jedoch nicht: «Ich bin überzeugt, dass am Schluss nichts gemacht wird.»

Erstellt: 04.10.2019, 15:54 Uhr

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