Dietlikon

Visionäre wollen Bahnhof Dietlikon im Boden versenken

Wo fahren die Züge durch die Gemeinde? Diese Frage hat in Dietlikon eine ehrgeizige Idee hervorgebracht: In einem Brief an den Bundesrat fordern rund 160 Dietliker, den Bahnhof unterirdisch zu bauen, um so Platz zu schaffen für ein neues Quartier, welches Süden und Norden der Gemeinde verbindet.

Der Bahnhof Dietlikon: bald unterirdisch?

Der Bahnhof Dietlikon: bald unterirdisch? Bild: Sibylle Meier

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Die Pläne der SBB und des Bundes sorgten letzten Herbst für Kopfschütteln in Dietlikon. Denn die Bundesbahnen wollen zukünftig ein viertes Gleis auf der Verbindungsstrecke zwischen Zürich und Winterthur bauen. Dazu müsste der Bahnhof Dietlikon in seiner jetzigen Form ­weichen. Und im Südwesten der Gemeinde soll für die neue Gleisführung eine Überwerfung gebaut werden.Dagegen regte sich in Dietlikon schnell viel Widerstand. Die Anwohner befürchten, dass durch die oberirdisch geführten Schnellzüge die Wohn- und Lebensqualität in der Gemeinde massiv sinken würde.

Zudem gehen sie davon aus, dass die betroffenen Liegenschaften an Wert verlieren würden. Nun präsentieren An- und Einwohner der Gemeinde in einem Brief an den Bundesrat als Reaktion auf die Pläne einen Vorschlag, der noch einen Schritt weitergeht: Der gesamte Bahnhof Dietlikon soll unterirdisch gebaut werden. «Ein unterirdischer Bahnhof ist nicht nur wünschenswert, es ist vielmehr die einzige Lösung, die Sinn ergibt», sagt Erich Nufer. Er hat die Idee, welche von rund 160 Dietlikerinnen und Dietlikern unterschrieben worden ist, in einer Stellungnahme an Bundesrätin Doris Leuthard formuliert.

Tunnelbahnhof würde Platz für neues Quartier schaffen

Stein des Anstosses für Nufer und weitere Anwohner ist der sogenannte Ausbauschritt der Bahninfrastruktur 2030/35. Bund und SBB haben letztes Jahr mitgeteilt, dass dazu im Südwesten der Gemeinde beim Quartier In Lampizäckern ein neues Bauwerk entstehen soll, eine Überwerfung, welche die Bahnlinien oberirdisch durch das Gebiet führt. Für Nufer unverständlich, hatten doch das Bundesamt für Verkehr, Astra, der Kanton sowie Gemeinden noch im letzten Juli in der Gebietsplanung eine unterirdische Linienführung vereinbart. Daran hält Nufer wie der Gemeinderat auch weiterhin fest. «Doch eigentlich muss man jetzt die Chance nutzen, die Planung zum jetzigen Zeitpunkt korrigieren und die Gesamtsituation neu betrachten.»

«Ein unterirdischer Bahnhof ist nicht nur wünschenswert, es ist vielmehr die einzige Lösung, die Sinn ergibt.»

Erich Nufer, Verfasser der Stellungnahme

Es biete sich nämlich nun die Möglichkeit, mehrere Probleme auf einmal zu lösen. Eine Unterwerfung würde weniger Lärm verursachen und so nicht die Lebensqualität der Anwohner senken. Dazu kombiniert wird die Idee, den Bahnhof ganz in den Boden zu verlegen. Was laut Nufer mehrere Vorteile mit sich bringen würde. Erstens wird der Bahnhof gemäss heutiger Planung sowieso komplett abgerissen und umgebaut werden, um Platz für ein viertes Gleis zu schaffen. Zweitens spalten Bahnhof und Gleise durch ihre Position mitten im Dorf die Gemeinde seit ihrem Baujahr auf.

Dietlikon besteht quasi aus zwei separaten Dorf­teilen, die nur durch einen Bahnübergang sowie zwei Unterführungen miteinander verbunden werden. «Das sorgt seit jeher für Probleme beim Verkehr und bringt zudem viele sozialpolitische Nachteile mit sich.» Wäre der Bahnhof im Untergrund, ­würde dadurch mitten im Dorf viel neuer Platz für Wohnungen entstehen. Drittens wird laut ­Nufer in absehbarer Zeit auf dem Faisswiesenareal eine neue Verkehrsdrehscheibe mit Glattalbahn und Busbahnhof entstehen, welcher durch einen abgesenkten Bahnhof sogar auf gleichem Niveau erreichbar wäre.

Das grosse Projekt mit einem unterirdischen Bahnhof dürfte mehr kosten als eine einzelne Unter- oder Überwerfung, dessen ist sich Nufer bewusst. «Doch eigentlich präsentieren wir hier dem Bund einen Geschäftsvorschlag. Denkt man an die Immobilienwertschöpfung, die ein neues Quartier im Zentrum an bester Lage zwischen Zürich und Winterthur mit sich bringen würde, dürften die Mehrkosten minim sein», schätzt er.

Erstellt: 24.01.2018, 11:24 Uhr

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