Niederglatt

Volksfeststimmung am Rasenmäherrennen

Wo sonst friedlich zottige Hochlandrinder auf dem Feld grasen, knatterten am Wochenende aufgemotzte Sitzrasenmäher und Mofas vor 2500 Zuschauern um die Wette.

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Das sonnige Wetter, der Gratiseintritt sowie die Aussicht auf spektakuläre Rennen mit umgebauten Rasenmähern und Mofas, lockte am Samstag viele Zuschauer aufs freie Feld im Zelgli bei Niederglatt. Dort fand der 3. internationale Roadrunner Cup statt. Und die Besucher wurden nicht enttäuscht. «Rasicross»-Mitorganisator Stefan von Allmen betont: «Die Begeisterung für publikumsnahe Motorsportsparten wird immer grösser.»

Das Rasenmäherrennen in Niederglatt war ein kleines (und lautes) Volksfest. Quelle: CA Media

Und wie schon im Vorjahr sind es wieder zahlreiche Besucher aus der Region, viele junge Familien mit Kindern und eingefleischte Fans, die den Event zu einem fröhlichen Volksfest machen.» Das Umweltthema überliess man dabei den Protestierenden in den Städten. Landbesitzer Thomas Volkart, der das Gelände zur Verfügung stellte, betont: «Die brache Wiese wird nach dem Anlass gepflügt und Mais angesäht. Die Rinder sind auf einer neuen, saftigen Weide.»

Dominator auf Jungfernfahrt

Vom leicht ansteigenden Gelände hatten die Zuschauer einen guten Überblick auf die rund 850 Meter lange Rennstrecke mit vielen Kurven und sahen ständig den pinkfarbenen Boliden mit der Nummer 43 vorne. Pilot Adrian Betschart aus Oberhallau hatte als Trainingsschnellster die Polposition eingenommen.

Trotz aufsässiger Verfolgung der Konkurrenten aus Luxenburg und Deutschland gab er in allen vier Läufen à 19 Minuten die Spitzenposition nie ab. Der Grund seines Erfolges erklärt der 21-jährige Landmaschinenmechaniker so: «Ich bestreite seit fünf Jahren Rennen. In dieser Zeit habe ich mich fahrerisch weiterentwickelt und meine Maschine technisch ständig erneuert. So aufgemotzt wie sie heute dasteht bin ich mit ihr auf Jungfernfahrt.»

Voraussetzung zur Teilnahme am Rennen ist ein Aufsitztraktor ohne Mähwerk mit originalgetreuem Chassis und Karosserie sowie Auspuff. Was unter der Haube steckt oder sonst modifiziert wurde bleibt das Geheimnis der Tüftler. Mit den 13,5-PS-Motoren erreichen die ehemaligen Rasentraktoren Höchsttempi von bis zu 60 Kilometern pro Stunde. Dies beansprucht im holperigen Gelände die tollkühnen Fahrer bis zur Schmerzgrenze.

Im Austausch mit Luxenburg

Der internationale Rasenmäher-Rennsport ist eine kleine Szene und deshalb besucht man sich gegenseitig an Anlässen. Aus Luxenburg, sieben Stunden mit dem Auto angereist, sind gleich drei Fahrer und eine Fahrerin. Christian Kaiser ist zum ersten Mal in Niederglatt und begeistert: «Die Rennstrecke ist anspruchsvoll und eine Herausforderung.» Diese Prüfung hat der 32-jährige Automechaniker mit einem Spezialmäher angenommen.

Die Maschine wird sonst nur in England eingesetzt, wo Kaiser schon ein Zwölfstundenrennen gewann. «Die Rennen sind mein Hobby, das ich aus eigenem Sack bezahle.» Zusammen mit den Kollegen campiert der Präsident der luxemburgischen Rasenmäherpiloten jeweils auf den Rennplätzen.

Die spezielle Konstruktion von Kaisers Gefährts war für die Niederglatter Strecke nicht ideal und so tanzte er mit seinem Boliden oft nur auf zwei Rädern um die Kurven, sodass ein Spitzenrang nicht möglich war.

Schneller und lauter als die Rasenmäher waren die aufgemotzten Mofas und Pitbikes, die erstmals zu Schauläufen in Niederglatt starteten. Für den 20-jährigen Sim Bucheli aus Niederhasli waren sie der Anziehungspunkt. «So Mega, wie die Mofas modifiziert und in verschiedensten Variationen hergerichtet worden sind», fand er.

Zur «Möficross»-Premiere, die beim Publikum an der Rennstrecke und in der gutbesuchten Festwirtschaft unterschiedliche Reaktionen hervorrief, meinte der Speaker lakonisch: «E chli lärme und stinke muess es.»

Erstellt: 07.04.2019, 18:44 Uhr

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