Furttal

Wasser aus der Limmat fliesst über den Berg ins Furttal

Das Bewässerungsprojekt Furttal ist bereit: Ab 2022 erhalten die Gemüse-, Salat- und Beerenkulturen von Hüttikon bis Regensdorf Wasser aus der Limmat.

Das Furttal ist das grösste zusammenhängende Gemüseanbaugebiet im Kanton und braucht entsprechend viel Wasser.

Das Furttal ist das grösste zusammenhängende Gemüseanbaugebiet im Kanton und braucht entsprechend viel Wasser. Bild: Archiv

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wasser ist im Furttal ein knappes Gut. Doch gerade die Gemüseproduzenten und Landwirtschaftsbetriebe im Tal sind auf Wasser für ihre Kulturen angewiesen. Für sie liegt jetzt eine Lösung in Griffweite: Ab 2022 können sie die Salate, Beeren und Kartoffeln von Otelfingen bis Regensdorf mit Wasser aus der Limmat berieseln. Bis dann ist das Bewässerungsprojekt Furttal umgesetzt, das vorsieht, Limmatwasser über den Hüttikerberg auf die Furttaler Felder zu pumpen.

Bis anhin haben die Gemüseproduzenten Wasser aus dem Furtbach und dem Grundwasser entnommen. Doch der Kanton Zürich erteilt die Konzessionen dazu nicht mehr. Das Grundwasser soll der wachsenden Bevölkerung als Trinkwasser vorbehalten sein. Und der Furtbach führt gerade bei Trockenheit, wenn die Kulturen am intensivsten bewässert werden müssen, zu wenig Wasser. Zudem ist die Wasserqualität problematisch für die Berieselung von Gemüse. Einzig der Golfplatz der Migros in Otelfingen kann weiterhin Wasser aus dem Furtbach beziehen.

150 Meter den Berg hoch

Für den Gemüseanbau aber wird die Limmat in Oetwil angezapft und Flusswasser von 382 Meter auf 532 Meter über Meer auf den Hüttikerberg befördert. Vom Hochspeicher fliesst es durch eine Druckleitung ins Furttal hinunter auf 420 Meter über Meer. Der Druck von 10 Bar im Verteilnetz reicht, das Wasser über fast fünf Kilometer bis nach Buchs und Regensdorf zu bringen.

Die Bewässerungsgenossenschaft Furttal (BGF), der 20 Gemüseproduzenten und Landwirte angehören, hat die nötigen Konzessionen und Bewilligungen für das Projekt unter Dach und Fach. Wie BGF-Präsident Ueli Forster von der Forster Gemüse AG in Dällikon erklärt, fehlt einzig noch ein Beschluss der Genossenschafter, was er aber als reine Formsache sieht.

Bund und Kanton zahlen mit

Das 8,25-Millionen-Projekt wird vom Bund und Kanton mitfinanziert. 31 Prozent der Kosten übernimmt der Bund, 30 Prozent der Kanton, 39 Prozent die BGF, die Furttaler Landwirte und Gemüsebauern also. Die Hälfte ihres Anteils schiesst die Zürcher Landwirtschaftliche Kreditkasse ZLK als zinsloses Darlehen ein. Der Anteilscheine für das nötige Eigenkapital werden den 20 Genossenschaftern aufgrund der benötigten Wassermenge berechnet. Der Rest wird mit freiwilligen Darlehen von befreundeten Genossenschaften und BGF-Mitgliedern beglichen. Die BGF verlangte von allen bis anfangs 2019 eine Wasserbestellung. «Nur wenn genau bekannt ist, wie viel jeder beziehen will, können wir die Anlage dimensionieren und die Kosten berechnen», hält Forster fest.

Der Wasserpreis, den Betriebe pro Kubikmeter bezahlen müssen, beträgt laut Forster circa einen Franken. Das ist gleich teuer oder sogar etwas günstiger als die Wasserpreise bisher. «Das Limmatwasser wird für uns Produzenten in Zukunft lebenswichtiges Wasser sein», erklärt Forster, denn: «Mit der Klimaentwicklung wird die Landwirtschaft mehr Wasser brauchen.» In trockenen Jahren wie 2018 benötige der Gemüseanbau 30 bis 50 Prozent mehr Wasser als in regenreichen Jahren.

Die Wassermenge, die ab 2022 von der Limmat auf die Furttaler Felder fliessen soll, ist beachtlich. Im Sommer, wenn alle Pumpen laufen, können laut Ingenieur Urs Müller täglich 9000 Kubikmeter Wasser aus der Limmat gepumpt werden, was der Wassermenge von dreieinhalb olympischen Schwimmbecken entspricht. Im Winter aber brauchen nur die Treibhäuser Wasser.

Baubeginn im Sommer

Läuft alles nach Plan, beginnen die Bauarbeiten im Sommer. Laut Urs Müller vom Büro Müller Ingenieure AG gilt es insgesamt zwölf Kilometer Rohre zu verlegen. Verlaufen wird das Verteilnetz zumeist über Landwirtschaftsland, doch müssen die Rohre auch unter Strassen, SBB-Gleisen und dem Furtbach gezogen werden. Eineinhalb Meter tief wird man die Kunststoffleitungen mit 20 bis 40 Zentimetern Durchmesser in der Erde vergraben. Gesetzliche Auflagen zum Boden- und Gewässerschutz führen laut Forster zu einer langen Bauzeit. Die Inbetriebnahme sei gemäss heutigem Planungsstand für 2022 vorgesehen.

Projekt mit Modellcharakter

Das Furttal dient gemäss dem regionalen Richtplan der Versorgung der Bevölkerung mit Frischprodukten und qualitativ hochstehenden Lebensmitteln. Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch das Engagement des Kantons für eine nachhaltige Lösung des Wasserproblems im Furttal. Laut Mediensprecher der Baudirektion, Wolfgang Bollack, ist das Furttaler Projekt eines der grössten, das jemals im Kanton realisiert worden ist. Weil die zunehmend trockenen Sommer die Gemüseproduzenten im ganzen Kanton vor Wasserprobleme stellen, könnte es durchaus Modellcharakter für andere Projekte haben.

Ein Bewässerungsprojekt mit Wasser aus der Glatt sei für den Raum Steinmaur in Planung, bereits in Bau eines in Alten (Kleinandelfingen) mit Wasser aus der Thur.

Grösster Bundesbeitrag

Beim Bundesamt für Landwirtschaft BLW ist kein vergleichbares Projekt bekannt, bei dem Wasser über einen Berg in ein anderes Tal für die Bewässerung gepumpt wird. Wie Mediensprecherin Karin Bovigny-Ackermann auf Anfrage schreibt, ist das Furttaler Projekt finanziell das grösste, das vom BLW unterstützt wird. Der Bund unterstütze zahlreiche Bewässerungsprojekte; bei diesen werde aber meist Wasser aus einem grösseren See oder Fluss entnommen und in der Nähe ausgebracht, so zum Beispiel beim Neuenburgersee. Das Furttaler Projekt könnte ein Vorzeigeprojekt sein, um zu zeigen, dass man langfristig auf die Entnahme von Grundwasser für die Bewässerung verzichten sollte, schreibt Karin Bovigny-Ackermann.

Erstellt: 14.01.2020, 18:24 Uhr

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles