Wespen

Wenn die Geduld mit den Plagegeistern am Ende ist

Eigentlich sollte man Wespen nicht töten, denn es sind Nützlinge. Doch wenn die wehrhaften Insekten den Menschen zu nahe kommen, siegt manchmal die Angst. Der ZU hat einem Schädlingbekämpfer bei der Vergiftung eines Nestes über die Schulter geschaut.

Siegfried Presslaber macht sich an einem Hornissennest zu schaffen.

Siegfried Presslaber macht sich an einem Hornissennest zu schaffen. Bild: Paco Carrascosa

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Vor dem Küchenfenster sieht man sie schon emsig hin- und herfliegen. Die Insekten schlüpfen unter einem Spalt unter dem Rolladen heraus, andere fliegen herbei und verschwinden am selben Ort. Siegfried Presslaber nimmt eine Taschenlampe und zündet in die Öffnung. «Es sind Hornissen», stellt der Experte fest. Hornissen gehören ebenfalls zu den Wespen und sind – entgegen ihres Rufs – nicht gefährlicher als kleinere Arten.

Der Mitarbeiter der landesweit tätigen Schädlingsbekämpfungsfirma Desinfecta mit Hauptsitz in Dällikon hat momentan viel zu tun. Jeden Tag rückt er vier bis acht mal wegen Wespennestern aus.

Diese Woche wurde er zu einem Mehrfamilienhaus in Bülach gerufen. Die Bewohner sind gerade nicht zuhause, haben aber einen Schlüssel hinterlegt. Presslaber stülpt sich seinen weissen Ganzkörperanzug aus Stoff über, zieht dicke Gummihandschuhe an und nimmt seinen Kanister mit Druckbehälter zur Hand.

Die Aufgabe ist schnell erledigt: Eine Ladung weisses Pulver unter den Rollladen gespritzt genügt, um die Königin zu töten. Zudem haben einige Hornissen-Arbeiterinnen, die gerade in der Nähe sind, ein wenig von dem Wirkstoff abgekommen. Sie verbreiten es zusätzlich im Nest. Der Stoff wirkt unmittelbar: Mehrere Tiere liegen bereits regungslos am Boden unter dem Küchenfenster.

Alle verenden mit der Königin

Ein Hornissenvolk bestehe aus einigen hundert Tieren, erklärt der Schädlingsbekämpfer. Der Grossteil davon sei gerade ausgeflogen, um Nahrung für die Königin und die Brut zu beschaffen. Je nach Nahrungsangebot kann es ein paar Tage dauern, bis alle zurück zum Nest kommen. Wenn sie aber merken, dass ihre Königin tot ist, würden sie ebenfalls ziemlich unverzüglich sterben, erklärt Presslaber.

Die Beseitigung von Wespennestern gehöre zu den Aufgaben eines Schädlingsbekämpfers, erklärt Presslaber. Wenn die Tiere nicht allzu zahlreich in die Wohnungen fliegen und die Bewohnerinnen und Bewohner nicht allergisch sind, versuche man sie jedoch zu überzeugen, die Tiere gewähren zu lassen. «Wir erklären ihnen, dass Wespen Nützlinge sind.» Sie ernähren sich von grossen Mengen von Mücken, Fliegen, Raupen und Maden und sind somit natürliche Schädlingsvertilger.

Zu spät fürs Umsiedeln

Bis etwa Anfang Juli sei es manchmal noch möglich, Wespennester umzusiedeln, sagt Presslaber. Doch nun, im August, sind sie bereits zu gross dafür. Sie würden beim Entfernen kaputt gehen.

Ein Einsatz der Firma Desinfecta kommt je nach Region auf 180 Franken oder etwas mehr zu stehen. Um Bienen- und Wespennester an ungünstigen Standorten kümmert sich häufig auch die Feuerwehr. Doch bei Wespennestern löst sich das Problem nach einer Saison sowieso ganz von alleine wieder: Die Insekten bauen jedes Jahr ein neues Wabennest und besiedeln das alte kein zweites Mal. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 19.08.2018, 17:11 Uhr

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