Kloten

Wie bei den Royals zu Tisch

Am «Frauezmorge» der reformierten Kirche fühlte frau sich wie eine Königin – denn keine Geringere als Zita the Butler schenkte Tee aus. Die Butlerin aus Adlikon arbeitet auch im englischen Königshaus.

Zita Langenstein zeigt, wie Scones mit Clotted Cream und Erdbeerkonfi auszusehen haben.

Zita Langenstein zeigt, wie Scones mit Clotted Cream und Erdbeerkonfi auszusehen haben. Bild: Sibylle Meier

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Das freiwillige Team der reformierten Kirche deckte die Tische für den Frauezmorge, am Buffet wirkte die Butlerin Zita Langenstein. Sorgfältig drapierte sie die Scones, die sie selbst gebacken hatte. Sie stellte original englische Clotted Cream, ähnlich dem Doppelrahm, dazu und Erdbeerkonfi. Dann durften sich die rund 100 Besucherinnen am Buffet bedienen oder wurden von Zita the Butler bedient.

Sie schenkte Tee ein, erklärte dessen Herkunft und Zubereitung, gab Clotted Cream und Konfitüre auf die Teller und erzählte nebenbei, dass diese Köstlichkeiten eigentlich zum Nachmittagstee der Briten gehören. Dies alles tat sie zugewandt, aufmerksam, freundlich und in Uniform. Selbst die weissen Handschuhe fehlten nicht. Die Besucherin Monika Röthlin aus Kloten freute sich über den aussergewöhnlichen Service. «Ich finde es super, wie die Butlerin Zita Langenstein uns das Dienen nahebringt, in Worten und Taten.»

Mädchentraum verwirklicht

Zita Langenstein, 57, wurde in Nidwalden in eine Bauernfamilie hineingeboren. Sie verkündete als kleines Mädchen, dass sie dereinst Butlerin werden möchte. Inspiriert hatte sie dazu der Butler in der Fernsehserie «Graf Yoster». Niemand nahm den Mädchentraum ernst. Nach der Schule machte sie die Lehre zur Hotelfachassistentin und arbeitete als Servicefachfrau.

Während rund zwanzig Jahren arbeitete sie für renommierte Häuser und verlor dabei nie ihr Fernziel aus den Augen. Jahr für Jahr bewarb sie sich an der bekannten Ivor Spencer Butler School in London. Jahr für Jahr bekam sie eine Absage, 18-mal. Bis sie dann im Jahr 2005, als die Akademie ihre jahrhundertealte Regeln änderte und Frauen zuliess, die Zusage bekam. «Ein lang gehegter Traum ging endlich in Erfüllung», erinnerte sich Langenstein.

Anhand von 1000 Fragestellungen gestaltete sich die Ausbildung an der Akademie und war anspruchsvoll. Die angehende Butlerin lernte zum Beispiel, mit einem Säbel eine Flasche Champagner zu öffnen. «Dies gehört zur Inszenierung eines rauschenden Festes», sagte Langenstein. «Höchste Priorität lag auf der interkulturellen Kompetenz, den organisatorischen Fähigkeiten und der Flexibilität.» Weiter gehörten Disziplinen wie Autowaschen und Kofferpacken zur Ausbildung. «Wir lernten, nach bestimmten Regeln einen Wagen so zu putzen, dass er danach aussah wie neu – und auch dementsprechend duftete.»

Haushaltsmanagement, Weihnachtsvorbereitungen, Organisation von Geschenken, die Ausrichtung von Feierlichkeiten und Empfängen und vieles mehr gehören ebenso zur Kompetenz einer Butlerin.

Prüfung sehr gut bestanden

Als Abschlussprüfung bekam sie die Aufgabe, einen Afternoon Tea zu kredenzen. Ihr Mann hatte den zündenden Gedanken, den Afternoon Tea im Swiss Style auszurichten. «Zum echten Afternoon Tea gehören Schwarztee, Scones, Clotted Cream, kleine Sandwiches und leichte Patisserie», führte Langenstein aus. Einige Zutaten, die den Briten heilig sind, beliess sie, andere ersetzte sie mit ausgewählten Schweizer Spezialitäten.

Prompt errang sie mit ihrer Interpretation den ersten Rang und durfte ihren selbst kreierten Afternoon Tea zum 80. Geburtstag von Königin Elisabeth präsentieren. «Da war ich wirklich aufgeregt», bekannte die Butlerin. Offenbar war die Königin von der Schweizerin und deren Dienstleistung angetan, denn seit diesem Zeitpunkt erhält Zita Langenstein immer wieder mal ein Engagement im englischen Königshaus.

Im unterhaltsamen Vortrag liess die Butlerin Anekdoten einfliessen und zeigte damit, dass es nebst handfesten Fähigkeiten auch eine Portion Humor braucht, um die vielseitigen Wünsche der anspruchsvollen Kundschaft zu erfüllen.

Zita Langenstein lebt im Zürcher Unterland in Adlikon und ist seit vielen Jahren Leiterin Weiterbildung bei Gastro Suisse Zürich. Kurz streifte sie, worauf es in der Gastronomie ankommt: Den Gast im Mittelpunkt sehen – und bei schwierigen Kunden sei Höflichkeit und Diplomatie geboten. Dass Zita Langenstein die Anfrage von Irena Cavelti, Fachfrau Senioren der reformierten Kirche, für einen Vortrag am Frauenzmorge sofort annahm, überraschte und freute Cavelti sehr. «Die charmante Anfrage nahm ich gerne an», sagte Zita the Butler. Mit Applaus bedankten sich die Gäste für die royalen Geschichten.

Erstellt: 12.07.2019, 16:50 Uhr

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