1. August

Wie das Unterland den Geburtstag der Schweiz feierte

Die diesjährigen Bundesfeiern im Unterland waren vor allem durch das Wetter geprägt. Wo schon am 31. Juli oder am Vor- und Nachmittag des 1. August gefeiert wurde, hatten die Besucher mit der anhaltenden Hitze zu kämpfen.

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Am 1. August-Abend zogen mehrere Gewitter über die Schweiz. Beispielsweise in Rümlang wurde die Feier deshalb in die Halle verlegt. Bereits am 31. Juli hingen in Hochfelden die Fähnchen über dem Areal des Werkhofs, weil die Gemeinde traditionell am Vortag des 1. August die Feier abhält. Kantons- und Schweizer Wappen schienen trotz fehlendem Feuerwerk und Höhenfeuer ein wenig Feststimmung verbreiten zu wollen. Rund 250 Gäste fanden sich ein, genossen Gratisbratwurst und Getränk.

Gemeindepräsidentin Simone Caneppele vermisste zwar das Feuerwerk, dafür gebe es aber «weniger Querelen». Für Gastredner Claudio Schmid, Kantonsrat und Ur-Hochfelder, sei es eine «extrem hohe Ehre und eine Krönung der politischen Laufbahn, hier eine Rede zu halten». Er sprach über direkte Demokratie und Mitbestimmung. «Unsere Vorfahren haben aus einem kleinen Fleck Erde ein lebenswertes und liebenswertes Stück Heimat gemacht.»

Mit dem Singen der Nationalhymne wollte es bei der Hochfelder Bevölkerung zwar nicht so ganz klappen. Trotzdem, die Feier gefiel. «Ich unterstütze die Rede von Claudio Schmid, bei der die Schweizer Werte hervorgehoben wurden», sagte der Hochfelder Dieter Vogt. «Schade, dass es kein Feuerwerk gibt, doch mein Pudel daheim fühlt sich so wohler.»In Dietlikon hielt gestern Vormittag der Strafrechtsprofessor, Publizist und Präsident des Schweizer Heimatschutzes die Rede zum Nationalfeiertag.

Martin Killias rekapitulierte die lange Geschichte der Schweiz, hob Höhepunkte wie die Niederschrift der Bundesverfassung im Jahr 1848 hervor oder erwähnte, dass die Schweiz seit 170 Jahren die gleiche Regierungsform habe, um dann in seinem letzten Absatz dezidiert Stellung zur aktuellen Lage bezüglich Baukultur zu beziehen. «2018 ist Europäisches Kulturerbejahr und soll uns allen den Wert des Erinnern-Könnens ins Bewusstsein rufen», sagte er und betonte, dass Dietlikon in vorbildlicher Weise das Kulturerbe pfleg und wahr.

«Die älteren Menschen können sich im alten Dorfbild wiedererkennen, und die Jüngeren werden später, auch wenn sie nicht mehr im Ort leben, mit Freude feststellen, dass der Dorfkern das Schöne, das ihn ausmacht, bewahrt habe», lobte er. Dafür gebühre es an diesem Tag dankbar zu sein, hielt der 70-Jährige fest. Als ihn Gemeindepräsidentin Edith Zuber zur Ansprache einlud, hielt sie sich an die langjährige Gepflogenheit, das Wort an diesem Tag keinem Politiker zu überlassen.

In der Bezirkshauptstadt Bülach wurde der 1. August auf dem Lindenhof mit urchiger Musik und einer Rede des Stadtpräsidenten Mark Eberli gefeiert. Rechtsstaat, wirtschaftlicher Wohlstand, idyllische Natur, direkte Demokratie – für Eberli ist die Schweiz ein «Paradies auf Erden». In seiner Rede fragte er deshalb die knapp 800 anwesenden Bülacher: «Haben Sie sich auch schon überlegt, wieso die Schweiz so gut dasteht?» Zwei Faktoren haben gemäss dem Politiker besonders zu der privilegierten Position unseres Landes beigetragen: die direkte Demokratie sowie die Reformation. So führe unsere direkte Demokratie dazu, dass sich die Bürger mit ihrem Land identifizieren und Engagement zeigen.

Die Reformation wiederum habe unsere Wertvorstellungen massgeblich geprägt, wie beispielsweise die Gleichheit von Mann und Frau oder unser Arbeitsethos. Eberli würde sich wünschen, dass die Schweizer diese Werte der Reformation nicht vergessen. Zudem sei es wichtig, dass sich die Bürger aktiv an der direkten Demokratie beteiligen – nur so könne diese auch weiterhin funktionieren.Die Gemeinde Boppelsen lud zur Bundesfeier auch die Einwohner von Otelfingen ein.

Als Festredner trat der Nationalrat und Chefredaktor der «Weltwoche», Roger Köppel, auf. Gemeindepräsident Hans Heinrich Albrecht konnte in der Schulanlage Mai­acher mehr als 300 Festbesucher begrüssen. Der in Kloten aufgewachsene Köppel stellte die Frage ans Publikum: «Was ist die Schweiz?» Die Antworten liessen nicht auf sich warten: Heimat, Freiheit und – einmal mehr – die direkte Demokratie.

Warum feiern wir am 1. August den Geburtstag der Schweiz? Der Bundesbrief, geschrieben im August 1291, also vor 727 Jahren, sei ein Dokument, das bezeugt: Die Schweiz ist die erste urkundlich erwähnte Selbsthilfeorganisation auf der Erde, ein guter Grund zum Feiern. Köppel zeigte auf, dass schon im Bundesbrief festgelegt ist, dass im Land keine fremden Herrscher geduldet werden.

Die Arglist unserer Zeit sei kein Gessler, sondern das seien Visionäre, die übergeordnetes Recht akzeptieren wollen, das Gegenteil vom Bundesbrief. Köppel appellierte an die Festbesucher: «Engagieren Sie sich politisch, treten Sie einer Partei bei, es muss ja nicht unbedingt die SVP sein.»Den Rümlanger Einwohnern hat gestern erstmals Peter Meier als Gemeindepräsident an der 1.-August-Feier seine Grussworte ausgerichtet. Festrednerin war Regierungsrätin Jacqueline Fehr – Feuer und Feuerwerk blieben auch hier untersagt. Wegen des einsetzenden Regens musst der Anlass in die Halle verschoben werden.

In seinem Grusswort sprach Meier zwei Themen an, um die er sich kümmern will: einerseits das Zusammenleben mit dem Flughafen – Arbeitgeber für die ganze Region bei Kapazitätsausbau über den Bedarf hinaus –, andererseits den Druck auf die Gemeindefinanzen – steigende Sozialkosten bei sinkenden Renten.

«Ich könnte jetzt über den Doppeladler reden», begann Justizdirektorin Fehr ihre August-Rede. Sie tat es auch kurz, um bald vom Ab- und Ausgrenzen «zur wahren Stärke der Schweiz» – ihrer Vielfalt – zu wechseln. Sie pries das Milizsystem und die unzähligen Leute, die sich ehrenamtlich und in ihrer Freizeit für ihre Gemeinde und deren Einwohner einsetzen; die Gemeinde als Ort, wo Integration stattfindet, «in den Schulen und in der Arbeitswelt», im Zusammenleben.

Sie sprach vom Übergang eines Wir der Ab- und Ausgrenzung zu einem Wir der Vielfalt. Darauf, auf das Gemeinsame, wollte sie mit den Rümlangern anstossen.Zuerst einen Auftritt in Buchs, danach ein Heimspiel in seiner Wohngemeinde Niederglatt konnte gestern Regierungsrat Markus Kägi absolvieren. Er nutzte die Gelegenheit, seine politische Karriere Revue passieren zu lassen und seine politischen Lektionen den Anwesenden weiterzugeben. Denn es war die letzte 1.-August-Feier, welche Kägi als Regierungsrat erleben durfte. Er tritt im nächsten Frühling nicht zur Wiederwahl an.

So sprach Kägi von den Projekten, welche in seiner Amtszeit fertiggestellt wurden, und betonte, wie wichtig gerade die Agglomeration bei vielen Projekten gewesen sei. Daneben gab er aber auch seine politischen Erfahrungen weiter. So habe er sich nämlich niemals in seiner ganzen politischen Karriere mächtig gefühlt. Denn Demokratie und mächtige Männer, das vertrage sich nicht, und in der Schweiz hatte man nun mal das Glück und die Zeit, eine Demokratie zu werden. Gerade die Agglomeration sei eine demokratische Sphäre, denn die Partizipation und der Aktivismus jedes Bürgers seien hier wichtig. Und so schloss Markus Kägi mit den Worten: «Ich freue mich, als einfacher Bürger in der Agglo zu sein.»

Erstellt: 02.08.2018, 10:27 Uhr

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