Kloten

Wohnungsbau boomt in Kloten trotz Fluglärm

In Klotens Ostanflugschneise herrscht Hochbetrieb am Boden. Derzeit füllen sich die letzten freien Wiesen direkt im Endanflug auf Piste 28 rasant mit neuen Wohnblöcken.

Der neue Bauboom in der Ostanflugschneise manifestiert sich in Kloten augenfällig an mancher Ecke im Quartier. Wie hier an der Ackerstrasse, wo sich der grosse Baukran unter den landenden Flugzeugen ducken muss. Fotos: Sibylle Meier

Der neue Bauboom in der Ostanflugschneise manifestiert sich in Kloten augenfällig an mancher Ecke im Quartier. Wie hier an der Ackerstrasse, wo sich der grosse Baukran unter den landenden Flugzeugen ducken muss. Fotos: Sibylle Meier

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Lange ging gar nichts, dafür wird jetzt umso mehr gebaut im Gebiet Härdlen, Feld, Halden und Geissberg. So heissen die Wohngegenden Klotens, wo derzeit fast an jeder freien Ecke Neubauten hochgezogen werden. Mindestens ein Dutzend grössere und kleinere Mehrfamilienhäuser sind im Bau, einzelne schon fast fertig. Weitere sind erst ausgesteckt.

Das Spezielle daran ist die Lage: Die Baustellen befinden sich da, wo Kloten am stärksten vom Fluglärm betroffen ist – im Endanflug auf die Piste 28. Während Jahren war der Bau neuer Wohnungen dort nicht mehr erlaubt. Alt-Stadtrat und Gartenbauunternehmer Max Eberhard (SVP) wohnt auch da. «Mich stören die Flieger nicht», sagt er und lässt sich nicht beirren. Vor seinem Rücktritt per Ende 2016 war es er selbst, der sich als Bauvorsteher der Flughafenstadt massgeblich dafür stark machte, damit wieder neue Wohnungen gebaut werden dürfen.

Startschuss kam aus Bern

Anfang 2015 war es dann der Bund, der die Lärmschutzverordnung dahingehend anpasste, dass sich in den besagten Klotener Quartieren plötzlich wieder bauliche Perspektiven auftaten. Im revidierten kantonalen Richtplan heisst es seither: «Eingezonte und erschlossene Gebiete in der ‹Stadtlandschaft› und ‹urbanen Wohnlandschaft› (dazu zählt auch Kloten) sollen aufgezont werden können, wenn die Überschreitung des Immissionsgrenzwertes ausschliesslich durch den Flugbetrieb der ersten Nachtstunde (22 bis 23 Uhr) verursacht wird.»

Genau diese Situation trifft in Kloten auf einen Spickel zu, der durch die sogenannten (Lärm-)Abgrenzungslinien (AGL) so definiert wird. Darin steht auch Max Eberhards Wohnhaus sowie der Werkhof seiner Firma. Momentan befindet sich auch da eine Baustelle. «Wir nutzen die Gelegenheit und erstellen noch fünf Wohnungen in einem Neubau.» Das wäre vor Anpassung der Lärmschutzverordnung nicht möglich gewesen, räumt er ein. «Vielen Leuten macht der Fluglärm nichts aus», stellte er immer wieder fest. So auch jetzt: «Die Dachwohnung hatten wir schon vermietet, bevor die Baubewilligung da war.»

Erste Test-Eingaben vor drei Jahren

Vor rund drei Jahren waren es Private zusammen mit der Stadt Kloten, welche mittels ersten – quasi leeren – Baugesuchen sondiert hatten, ob die fraglichen Grundstücke nun wirklich überbaubar sind oder nicht. Sie warens und das war der Startschuss für die erhöhte bauliche Betriebsamkeit etwas mehr als einen Kilometer vor dem Pistenanfang. Hauptsächlich überflogen wird das Gebiet bei Normalbetrieb des Flughafens nur während den Abendstunden bei Landungen von Osten. Das ist wertags zwischen 21 Uhr und Betriebsschluss um 23.30 Uhr der Fall. An Wochenenden und Feiertagen beginnen die Ostanflüge jeweils schon um 20 Uhr.

Die Stadt Kloten steht dem Bauboom in der sensiblen Zone pragmatisch gegenüber. Ein Grundstück an der Ackerstrasse, gleich neben einem Quartierfussballplatz, gehört schliesslich der Stadt selbst. Dort stehen noch keine Bagger, aber wohl bald. Man sei daran das Bauland mit einem möglichen Investor «zu entwickeln», wie es im Fachjargon heisst. Ein weiteres Grossprojekt kündigen Baugespanne an der Härdlenstrasse auf zwei nebeneinanderliegenden Parzellen an.

Klotens grosses Manko

Klotens stellvertretender Verwaltungsdirektor, Marc Osterwalder, meint: «Dass hier nun so rasch gebaut wird, zeigt deutlich, dass in Kloten viel zu wenige Wohnungen auf dem Markt sind und dieses Manko nun gefüllt wird.» Rund 40000 Arbeitsplätze und nur 20000 Einwohner in der Stadt würden ein Ungleichgewicht darstellen. Osterwalder schätzt das baulich Potential in der Flugschneise aber lediglich auf «zusätzlich einige hundert Personen».

Aus Sicht des Lärmschutzes sei es legitim, dass die Grenzwerte als eingehalten gelten, wenn technische Vorkehrungen getroffen würden. Dazu zählen eine gute Gebäudehülle, schallisolierte Fenster und aktive Lüftungen. Kritischer als die neuen, seien vielmehr die älteren Gebäude, welche den Schall auch im Innern nicht gut absorbieren und die Bewohner deshalb nur unzureichend schützten.

Erstellt: 02.09.2019, 18:21 Uhr

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