Oberembrach

Abstimmungskampf trübt Dorfidylle

Die Oberembracher Bevölkerung muss an der Urne darüber entscheiden, wie der Verkehr künftig durchs Dorf rollen soll. Die Vehemenz, mit welcher der Abstimmungskampf geführt wird, überrascht die Gemeindepräsidentin.

Der aktuelle Abstimmungskampf im idyllischen Oberembrach ist von Gehässigkeit geprägt.

Der aktuelle Abstimmungskampf im idyllischen Oberembrach ist von Gehässigkeit geprägt. Bild: Archiv

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Die Leserbriefspalten im «Zürcher Unterländer» werden momentan von zwei Themen dominiert – der Selbstbestimmungsinitiative der SVP und der Abstimmung in Oberembrach über die Verkehrsführung durch die Gemeinde nach der absehbaren Sperrung des Eigentals. In der kleinen Gemeinde mit gut 1000 Einwohnern ist das Thema Verkehr zum grossen Politikum geworden.

Von einem gespaltenen Dorf ist die Rede in den Leserbriefen, von Polemik, ja gar von amerikanischen Zuständen. «Oberembrach zwischen Texas und Alabama» lautet zum Beispiel der Titel eines eben erst eingegangen Leserkommentars. Flugblätter machen in der Gemeinde in hoher Zahl die Runde, sogar professionell gestaltete und gedruckte Broschüren flattern in die Haushalte. So einen intensiv geführten und emotionalen Abstimmungskampf hat das Dorf selten erlebt.

Für Gemeindepräsidentin Verena Koch Hanselmann kommt die Aggression, mit welcher die Debatte geführt wird, doch eher überraschend. Sie ist bemüht, die Wogen zu glätten. «Es spielt auf beiden Seiten sicher noch viel Frust über den verlorenen Kampf um die Offenhaltung des Eigentals mit», sagt sie. Ein Grossteil der Bevölkerung fühle sich übergangen. Sie sei froh, wenn die Abstimmung vorüber sei, sagt die Gemeindepräsidentin.

«Ich bin froh, wenn die Abstimmung vorbei ist.»Verena Koch Hanselmann, Gemeindepräsidentin

Worum geht es? In gut neun Jahren wird der Kanton die Eigentalstrasse, welche Oberembrach mit Bassersdorf verbindet, aus Naturschutzgründen für immer schliessen. Der Gemeinderat hat sich deshalb Gedanken für die Zeit danach gemacht und legt den Stimmberechtigten am 25. November zwei Varianten für die künftige Verkehrsführung durchs Dorf vor. Die eine sieht vor, die Autos durch das Wohnquartier an der Jakob-Bosshart-Strasse rollen zu lassen, dafür würde eine Tempo-30 Zone realisiert. Kostenpunkt: 700'000 Franken. Beim zweiten Vorschlag würde der Verkehr um das Quartier herumgeführt. Dazu müsste die bereits bestehende Schülerstrasse ausgebaut werden. 1,6 Millionen Franken würden dafür fällig. Der Kanton würde sich an beiden Varianten zur Hälfte oder maximal mit 700 000 Franken beteiligen.

Angst um das Gewerbe

Glaubt man den Flugblättern, so fürchten die Gegner der Umfahrung vor allem um das Gewerbe. So würde der Verkehr nicht mehr am Volg, der Bibliothek, dem Coiffeur-Salon, dem Restaurant Mühle und der Raiffeisen-Filiale vorbeirollen. Auch die Kosten werden als Argument ins Feld geführt. Die Befürworter der Umfahrung wollen den Verkehr nicht über eine enge Strasse durch ein Wohnquartier leiten. Sie betrachten die höheren Ausgaben als Investition in die Zukunft.

Der Gemeinderat hat sich in den Abstimmungsunterlagen für die Variante Schülerstrasse ausgesprochen. «Für uns sind beide Varianten gute Lösungen», sagt Koch Hanselmann. Das Gemeindegesetz verlange von der Exekutive, dass diese bei einer Grundsatzabstimmung mit Varianten Stellung beziehe. Die Behörde habe am Ende die Umfahrungslösung favorisiert. Das schlechteste Szenario wäre laut der Gemeindepräsidentin, wenn beide Vorschläge abgelehnt würden.

Erstellt: 14.11.2018, 17:06 Uhr

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