Glosse

Ärgerlicher Etikettenschwindel

SVP-Ständeratskandidat Roger Köppel lockt die Medien mit einer ominösen Einladung, um über die amtierenden Ständeräte herzuziehen.

Köppel verspricht eine «persönliche Erklärung zu seinem Wahlkampf» und spricht vor allem über andere.

Köppel verspricht eine «persönliche Erklärung zu seinem Wahlkampf» und spricht vor allem über andere. Bild: Dominique Meienberg

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Was tut man als Medienmensch, wenn der Kandidat der grössten Partei zu einem Medientermin einlädt, um «eine persönliche Erklärung zum Ständeratswahlkampf» abzugeben? Man geht hin. Obwohl der Absender Roger Köppel heisst, man also das Risiko eingeht, sich einspannen zu lassen.

Man geht hin, weil es ja auch anders sein könnte und die Chance besteht, dass eine wichtige und neue Information geboten wird. Der Möglichkeiten sind da viele. Entsprechend wurde im Vorfeld gerätselt: Gibt Köppel auf? Wechselt die SVP den Kandidaten aus? Hat Köppel ein gesundheitliches Problem?

Medien als Verstärker

An Ort und Stelle wird dann aber rasch klar: Nichts dergleichen. Köppel wollte die Medien als Verstärker für seinen Wahlkampf benutzen. Im Visier hat er seine Konkurrenten Daniel Jositsch (SP) und Ruedi Noser (FDP), die er als gleichgeschaltetes Duo «Nositsch» verspottet. Weil sich das abgenutzt hat, tischt er nun «einen Skandal von riesiger Tragweite» auf, wie er sagt: Die beiden missbrauchten ihr Ständeratsmandat zum Sammeln von bezahlten Nebenpöstchen, um sich persönlich zu bereichern. Als Beleg dafür nimmt er die vom Bundesparlament aufgeschaltete Liste der Nebenmandate, die je gut 20 Positionen aufweist.

Nun ist es ja keine schlechte Idee, wenn Politiker inskünftig die Einkünfte aus solchen Mandaten offiziell ausweisen und den Zeitpunkt der Mandatsannahme transparent machen müssten. Um das zu erreichen, wäre ein politischer Vorstoss das richtige Instrument.

Faules Manöver

Doch hier deutet alles auf ein faules politisches Manöver hin: Der Zeitpunkt so kurz vor dem Wahltermin, die schlechten Umfragewerte von Köppel, der Etikettenschwindel mit der «persönlichen Erklärung». Köppel versucht seine Konkurrenten als geldgierige Pöstchenjäger zu diffamieren, die nur ins eigene Portemonnaie wirtschaften. Um im Kontrast dazu als untadeliger und unbestechlicher Kämpfer und Retter der Nation dazustehen.

Doch die Masche ist zu billig, um zu verfangen. Als Journalist fühlt man sich verschaukelt, weil man so naiv war und wichtige News erwartete. Ein kleines Häppchen, immerhin, gab es. Köppel bezifferte seinen Lohn als Chefredaktor und Verleger: 279000 Franken.

Erstellt: 24.09.2019, 19:04 Uhr

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