Turnen

«Alles hat ein gutes Ende gefunden»

Der Bülacher Eddy Yusof zeigt am Mehrkampf-Final sein Können und schliesst als bester Schweizer auf dem 12. Platz ab.

«Ich wusste, was möglich ist und was ich turnen kann», erklärte Eddy Yusof. «Dass es mir jetzt und vor so einer Kulisse gelungen ist, macht mich sehr froh und sehr stolz.»

«Ich wusste, was möglich ist und was ich turnen kann», erklärte Eddy Yusof. «Dass es mir jetzt und vor so einer Kulisse gelungen ist, macht mich sehr froh und sehr stolz.» Bild: Keystone

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Einen Tag nach Martina van Berkel landete ein weiterer Olympionike aus dem Unterland auf Platz 12. Ebenso wie die Schwimmerin lieferte Kunstturner Eddy Yusof im richtigen Moment eine einwandfreie Vorstellung ab. «Ich bin sehr zufrieden», durfte er nach dem Einsatz in der Rio Olympic Arena zusammenfassen.

Im 23. Rang nach der bereinigten Rangliste des auch für ihn missglückten Team-Wettkampfs vom Samstag war er gerade noch in den Mehrkampf-Final der besten 24 Turner gerutscht. Der 9. Platz der Schweizer in jener Qualifikation und damit das Verpassen des grossen Ziels, des Teamfinals, musste zuerst verdaut werden. «Die Enttäuschung war auch am Sonntag noch sehr präsent», blickte Yusof zurück. Aber dann habe er sich aufgerafft: «Ich wollte im Mehrkampf-Final unbedingt nochmals Vollgas geben.»

Das tat er auch. Der Einstieg glückte ihm und seinem Teamkollegen Pablo Brägger perfekt. Yusof kam am Barren und am Reck, im Gegensatz zur Qualifikation, ohne Patzer durch. Nach drei der sechs Geräte lagen die Schweizer sogar in den Top ten: der Bülacher auf Platz 7 und Brägger auf 9. Yusofs Rückstand auf den späteren Olympiasieger Kohei Uchimura betrug in der Hälfte des Programms nur 0,8 Punkte. Zum Reck war Yusof von der Stadionsprecherin angekündigt worden. Nach der Übung flimmerte er lange über die Bildschirme in der Arena, worauf er von Kollege Brägger animiert wurde, zu winken.

«Sehr froh und sehr stolz»

Insgesamt schienen die beiden Schweizer die richtige Mischung zwischen Lockerheit und Konzentration gefunden zu haben. Das bestätigte sich am Pauschenpferd, ihrer «Wackeldisziplin». Als Yusof diese Übung beendet hatte, sprang sein Team auf und applaudierte. Beim Weglaufen von den Ringen, seinem letzten Gerät, ballte er die Faust. Der Job war vollbracht, sehr gut sogar. «Ich wusste, was möglich ist und was ich turnen kann», erklärte Yusof. «Dass es mir jetzt und vor so einer Kulisse gelungen ist, macht mich sehr froh und sehr stolz.»

Letztlich klassierte er sich vier Plätze vor Brägger, der ebenfalls eine nahezu fehlerfreie Darbietung bot. «Wir sind etwa auf gleichem Niveau. Details machen jeweils die Differenz aus», verglich Yusof. Seine eigene Leistung stufte er als «gut bis sehr gut» ein. «Im Training gelingt manchmal noch mehr. Aber für einen Riesenanlass wie diesen und mit der dazu gehörenden Nervosität war das schon gut.» Lange sei er vor dem Olympiafinal ruhig gewesen. «Aber als wir in die Arena einliefen, war das Herzklopfen spürbar.»

Am Maximum geturnt

Die Plätze 12 und 16 sind das beste Schweizer Ergebnis an einem Olympia-Mehrkampf seit Sepp Zellweger und Markus Lehmann, die 1984 in Los Angeles Elfter und Zwölfter geworden waren. Damals allerdings hatten die Athleten aus dem Ostblock wegen des Boykotts gefehlt.

«Das entspricht dem, was sie können, was sie in den letzten zwei Jahren an Grossanlässen, als es um etwas ging, gezeigt haben», analysierte Felix Stingelin, der Chef Spitzensport im STV, die Auftritte von Yusof und Brägger. «Sie haben am Maximum geturnt. Man müsste Kleinigkeiten suchen, um etwas zu kritisieren.» Er freute sich, dass eine klare Reaktion und Steigerung auf die missglückte Team-Qualifikation erfolgte. «Wir suchen eigentlich immer noch nach Gründen, weshalb es am Samstag nicht geklappt hat.»

Endlich Ferien

Eddy Yusof wird nun jenen Dämpfer mit dem 9. Teamrang sowie einen starken 12. Platz im Mehrkampf-Final in seine Bilanz einbeziehen können: «Wenn ich auf diese Olympischen Spiele zurück schaue, kann ich sagen, dass alles ein gutes Ende für mich gefunden hat», betont der Bülacher.

Sein weiterer Plan sah nach diesem Höhepunkt der Karriere ungefähr so aus: «Wahrscheinlich werde ich mal ein brasilianisches Bier versuchen. Im Olympischen Dorf Fussball spielen, es gibt dort viele Möglichkeiten, sich zu beschäftigen. Am Freitag, wenn es klappt, Brasilien gegen Kroatien im Basketball anschauen.» Und der nächste Wettkampf? «Uff, der ist weit weg. Meine Schulter und mein Ellbogen sind sicher auch froh, dass sie mal Ferien haben.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 11.08.2016, 15:55 Uhr

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