Bäckereien

Altbacken geht bei Bäckern nicht

Zwei bekannte Unterländer Bäcker sind kürzlich pleitegegangen. Mit Mühlebach und Beck Keller hat die Region zehn Bäckereiverkaufsstellen verloren. Während die einen scheitern, ist ein anderer Unterländer weiter auf Erfolgskurs. «Man muss sich eben bewegen», sagt René Fleischli.

Bild: Michael Trost

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Es war ein harter Schlag: Die vom Konkursamt verfügte Schliessung des gesamten Beck-Keller-Imperiums hat für viel Aufsehen gesorgt in den letzten Tagen. Alle 13 Verkaufsstandorte vom Zürichsee übers Limmattal bis weit ins Unterland sind davon betroffen. Rund 100 Angestellte stehen als Folge des Bankrotts seit Ende letzter Woche ohne Job da. Nach dem Ende der Bäckerei Mühlebach, die von Stadel aus für fünf weitere Standorte in der Region Backwaren produzierte, ist es der nächste prominente Bäckereikonkurs im Unterland in diesem Jahr.

Ganz überraschend kam das Ende von Beck Keller mit Sitz in Regensdorf allerdings nicht, wenn man sich umhört. Kritisiert wird, dass die Auswahl und Menge an Produkten sowie oft auch die Servicequalität nicht mehr den gewachsenen Ansprüchen genügt habe in letzter Zeit. Bereits am frühen Morgen seien die Gipfeli ausgegangen, dann habe es keine Mittagsmenüs mehr gegeben und Regale mit Zusatzprodukten seien auch aus dem Laden entfernt worden, berichtet ein Ex-Kunde aus Niederhasli.

Keller-Filialen wurden der Konkurrenz angeboten

«Ich bin nicht überrascht. Höchstens darüber, wie schnell es nun zu Ende gegangen ist», sagt René Fleischli. Er ist der andere grosse Bäckereiunternehmer im Unterland. Und Fleischli ist erfolgreich unterwegs. In Niederglatt 1986 mit fünf Mitarbeitern gegründet, konnte der Betrieb bis heute stetig zulegen. Fleischli hat aktuell zehn Verkaufsstandorte und beschäftigt insgesamt 300 Angestellte.

Die drei grossen Bäckereiketten in der Region bis 2018 – Nur Fleischli bleibt übrig (Quelle: Quelle: red/telsearch.ch, Grafik: mk)

Könnte sich Fleischli die Übernahme der Keller-Filialen vorstellen? «Uns wurde die Übernahme von Filialen bereits angeboten», sagt er. Er sei genau deshalb in den letzten zwei Monaten bereits von Klaus Stahl, dem neuen Inhaber von Beck Keller, kontaktiert worden. Die alte Besitzerfamilie mit dem parteilosen Regensdorfer Ex-Gemeinderat Hans Keller als Chef hatte das Unternehmen im Februar 2017 verkauft. Der neue Inhaber verteidigt sich im «Blick», er habe das Ruder noch herumreissen wollen, aber es habe nicht mehr gereicht. Die Kritik am schwächer gewordenen Angebot kontert er mit dem Argument einer absichtlich vorgenommenen Sortimentsstraffung.

«Altbacken, das geht halt nicht. Ein guter Bäcker zu sein, reiche nicht, sondern es brauche auch Unternehmergeist.» René Fleischli

Dazu meint Fleischli: «Eine gewisse Sortimentsbreite muss man schon haben und wenn etwas ausgeht, muss man tagsüber halt nachbacken.» Woran sind Beck Keller und Mühlebach letztlich gescheitert? Waren sie nicht flexibel, haben sie Trends verpasst, kein genügend attraktives Sortiment gehabt, waren sie zu stark in alten Gewohnheiten festgefahren, wie man es auch immer wieder zu hören bekommt auf der Strasse? – «Altbacken», so nennt es Fleischli treffend, «das geht halt nicht.» Ein guter Bäcker zu sein, reiche nicht, sondern es brauche auch Unternehmergeist. «Man muss sich eben bewegen», sagt er und betont, dass er jetzt aber keinesfalls schlecht reden wolle über die Gescheiterten.

Fleischli übernimmt – in Buchs und eventuell auch anderswo

Eigene Kundenumfragen hätten gezeigt, wie man sich positionieren müsse. Und betreffend Unternehmergeist hat der Niederglatter Bäcker längst bewiesen, dass er mutig und modern ist. Für sein Bäckerei-Café samt Tankstelle in Rümlang hat er sogar einen Innovationspreis erhalten. Trotz allen Erfolgs: Auch Fleischli ist unter Druck. «In Zürich hat man uns den Laden im Globus gekündigt», gibt er erstmals öffentlich bekannt. Doch das scheint ihn nicht sonderlich zu beunruhigen. Aktuell läuft ein neues Vergabeverfahren. «Falls wir den Standort im Globus nicht behalten können, hätten wir dafür wieder freie Kapazitäten», lässt der Verwaltungsratspräsident durchblicken.

An der Front ist Konrad Pfister seit 2014 der Chef im Fleischli-Betrieb. Dass es den Bäckern im Land grundsätzlich schlecht geht, widerlegt auch der neue starke Mann im Betrieb durch eine mutige Vorwärtsstrategie. Im November wird in Dübendorf eine neue Filiale eröffnet. Und von Mühlebach wird Fleischli den Standort in Buchs übernehmen. Ein oder zwei weitere Standorte könnten hinzukommen. Noch sei aber nichts besiegelt. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 04.10.2018, 10:48 Uhr

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