Büach

Altes Bauernhaus bleibt voraussichtlich unter Schutz

Der Bülacher Stadtrat hat ein altes Bauernhaus aus dem Inventar kommunaler Schutzobjekte entlassen. Der Heimatschutz rekurrierte und bekam, vorerst mündlich, recht.

Das alte Bauernhaus an der Lindenhofstrassen 2 in Bülach beschäftigt das Baurekursgericht. Bild: Sibylle Meier

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Martin Killias, Präsident des Vereins Zürcher Heimatschutz (ZVH) gerät fast etwas ins Schwärmen, wenn er das Innere der Liegenschaft Lindenhofstrasse 2 in Bülach beschreibt. Auch von den Lauben des Gebäudes ist er begeistert. Doch Killias hält das Gebäude vor allem aus einem Grund für schützenswert: Es ist für ihn ein wichtiger Zeuge der Erweiterung Bülachs über das Städtli hinaus. Diese Entwicklung müsse für kommende Generationen sicht- und erlebbar bleiben. «Die Strategie der Stadt, nur das Oval der Altstadt zu schützen und rundherum alles mit den gleichen viereckigen Flachdachsiedlungen zu überbauen, ist sehr kurzsichtig», findet er.

Der Stadtrat hat das einer Privatperson gehörende Gebäude im Juli 2019 aus dem Inventar kommunaler Schutzobjekte entlassen. Zuvor hatte er ein Fachgutachten in Auftrag gegeben, das die Schutzwürdigkeit bejahte. Killias kritisiert, die Exekutive habe sich nicht auf dieses Gutachten, sondern auf die eigene Einschätzung gestützt.

Entlassung und Rekurs

Peter Senn, Leiter Planung und Bau der Stadt Bülach erklärt hingegen: «Der Stadtrat hat eine Einzelfallbetrachtung vorgenommen und die verschiedenen Interessen ermittelt, gewichtet und gegeneinander abgewogen. Er ist zum Schluss gekommen, dass es im Sinne des überwiegenden öffentlichen Interesses ist, das Gebäude aus dem Inventar zu entlassen.»

Die Schutzwürdigkeit sei «nicht derart einzigartig und qualitätsvoll», als dass das Gebäude im Inventar verbleiben müsse, hiess es damals in der Begründung. Das öffentliche Interesse an der Verdichtung und das private an einer höheren Ausnützung würden schwerer wiegen.

Der ZVH rekurrierte Mitte August gegen den stadträtlichen Beschluss. Als Basis diente im Wesentlichen das gleiche Gutachten, auf das auch die Stadt ihren Entscheid gestützt hatte. Darin hielt eine Expertin fest, das im 17./18. Jahrhundert entstandene Haus sei ein wichtiger Zeuge der Siedlungsentwicklung entlang der Strasse Bülach-Schaffhausen und der Verbindung von Winterthur nach Baden. Besonders bemerkenswerte Ausstattungselemente fand die Gutachterin im Innern: Fachwerkwände, Täfer, Kachelofen sowie eine Reihe wertvoller Türen. Der ZVH forderte, das äussere Erscheinungsbild des Hauses samt Fachwerk und Dach seien unter Schutz zu stellen, genauso wie weite Teile des Inneren.

Gemeinsamer Augenschein

Der Bülacher Stadtrat erhielt daraufhin die Gelegenheit, auf den Rekurs des ZVH zu reagieren. Er hielt an seinem Beschluss fest. Im Rahmen des Verfahrens fand dann ein Augenschein mit allen Beteiligten statt. «Das Baurekursgericht teilte dabei mündlich mit, das Gebäude sei ganz klar schutzwürdig, sowohl was den Eigenwert, als auch was den Situationswert betrifft», sagt Killias. Peter Senn, der beim Augenschein ebenfalls anwesend war, bestätigt: «Das Gericht gab den Hinweis, dass es unseren Entscheid der Entlassung aus dem Inventar nicht stützen wird.» Noch liege der Stadt der formell-rechtliche Entscheid aber nicht vor. Erst wenn man dessen Begründung kenne, könne man entscheiden, ob ein Weiterzug ans Verwaltungsgericht Sinn mache. Der Entscheid sei aber auch noch aus einem anderen Grund wichtig: Im Lindenhofquartier gebe es noch weitere ähnliche Liegenschaften. «Es handelt sich um einen Präzedenzentscheid.»

Erstellt: 13.01.2020, 15:27 Uhr

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!