Rafz

Altes Handwerk auf dem Feld wieder erlebbar machen

Wie das Korn früher vom Feld in die Mühle kam, wurde am Freitagmorgen – im Vorfeld der Rafzer Herbstmesse – demonstriert.

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Auf dem Feld in der Nähe von Rafz herrscht an diesem angenehmen Sommermorgen bereits Betrieb. Für einmal jedoch steht kein Mähdrescher am Start, um das reife Korn zu ernten, sondern ein Bindenmäher mit Traktor. So, wie es bis vor rund 40 bis 60 Jahren üblich war. Das Arbeitsgerät wird im Auftrag der Kommission für Ortsgeschichte Rafz mehrere Reihen Weizen mähen. Dieser wird – für die damalige Zeit hochmodern – in fixfertig gebunden Garben auf der Seite ausgespuckt.

«Puppen» im Feld

Früher war das Zusammenstellen der Garben zu sogenannten Puppen ausschliesslich Frauen- und Kinderarbeit. Am vergangenen Freitag ist Heidi Sigrist Berginz jedoch die einzige Frau auf dem Feld. Die Puppen, die meistens aus sechs Garben bestehen, ermöglichen dem Getreide nachzureifen und zu trocknen.

Heidi Sigrist Berginz zeigt auf ihre derbe Baumwollbluse und ist froh, dass sie lange Ärmel hat. Die groben Stiele des Weizens können unangenehm piksen. Insgesamt 400 Garben sollen es sein, deren Korn im Herbst im Ortsmuseum anlässlich der Herbstmesse publikumswirksam und anschaulich zu Mehl gemahlen wird – selbstverständlich mit dem entsprechenden historischen Mahlwerk.

Wer heute in einem Grossverteiler vor dem Regal steht und sich die Vielfalt an verschiedenen Broten, Mehlen und Körnern anschaut, ist sich wohl kaum bewusst, wie aufwändig damals deren Produktion war und bis heute geblieben ist. Genau dies zu ändern, sehen die Verantwortlichen der Rafzer Kommission für Ortsgeschichte als ihre Aufgabe. Kurt Baggenstoss erklärt die immer wiederkehrenden Themenbereiche. «Alle neun Jahre widmen wir uns wieder dem gleichen Gebiet. Sei es dem Weinbau, der Holzwirtschaft oder eben dem Getreide. Zu dieser Ausstellung schrieb ich quasi das Drehbuch», sagt er schmunzelnd, während auch er Garbe um Garbe zu aufrechtstehenden Puppen aufschichtet.

Sein Drehbuch beinhaltet auch das bewegte Bild, schlicht aus dem Grund, dass ein Film mehr über die Arbeit eines Bindenmähers zu erklären vermag. Daher wird dieser fleissig gefilmt. Auch dieser Film wird an der kommenden Herbstmesse zu sehen sein. Sie findet vom 21. bis zum 22. September in der Märktgass in Rafz statt (mehr Infos dazu im Internet unter der Adresse herbstmesse-rafz.ch).

Die Zeit der Mähdrescher

Schon fast komfortabel und stilecht lässt sich der Bindenmäher von einem – ebenfalls in die Jahre gekommenen – Hürlimanntraktor durchs Feld ziehen. Früher erledigten dies Pferde oder sogar Ochsen, wie ein dazugekommener Herr etwas wehmütig erzählt. Er ist 81 Jahre alt und schwärmt von seinen «Freibergern».

Wie so vieles aus Amerika kommend, wurden ab den 1970er Jahren zunehmend die grossen und effizienteren Mähdrescher eingesetzt. Auch die Getreidesorten veränderten sich und wurden und werden den klimatischen Verhältnissen angepasst. Heute wird früher geerntet als noch vor fünfzig Jahren.

So geht auch der Weizen, aus dessen Garben an der nahenden Herbstmesse Mehl entstehen wird, mit der Zeit. Mit der entsprechenden Anzahl Helfer und Helferinnen ist kurz vor Mittag das Tagwerk bereits erfüllt, und ein feiner Bauernzmittag wartet auf das Team.

Erstellt: 21.07.2019, 17:32 Uhr

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