Wallisellen

An der A1 entsteht ein 1A-Naturpark

Mitten in der Betonwüste des Glattals liegt eine grüne Oase. Am Rand des meistbefahrenen Autobahnabschnittes der Schweiz wollen die Walliseller in einer aufwändigen Aktion den alten Glattkanal in einem Schutzgebiet naturnah umgestalten.

Mitten im Gebiet liegt dieser Weiher, der Lebensraum für so manche Tierart bietet. Im Zuge der geplanten Revitalisierungskur sollen allerdings standortfremde Pflanzen und Tiere – wie etwa amerikanische Wasserschildkröten – aus dem Schutzgebiet entfernt werden.

Mitten im Gebiet liegt dieser Weiher, der Lebensraum für so manche Tierart bietet. Im Zuge der geplanten Revitalisierungskur sollen allerdings standortfremde Pflanzen und Tiere – wie etwa amerikanische Wasserschildkröten – aus dem Schutzgebiet entfernt werden. Bild: Sibylle Meier

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Sogar eine Biberfamilie hat sich auf der grünen Insel im Siedlungsbrei zwischen Autobahn A1 und der Walliseller Industrie niedergelassen. Dabei kann das Gebiet nicht gerade als die grosse Wildnis bezeichnet werden. Dies soll aber den Wert des Gebiets «Hinterem Grindel» nicht schmälern, findet der Walliseller Gemeinderat, im Gegenteil. So planen die Behörden aktuell eine Gewässerrevitalisierung, Altlastensanierung, Anpassungen des Wegnetzes und eine neue Möblierung mit Sitzbänken. Insgesamt sind hierfür rund 900 000 Franken vorgesehen. Das ist nicht wenig Geld, die manch einer als luxuriöse Verschönerungsmassnahme empfinden dürfte, aber die Gemeinde ist eben auch dazu verpflichtet diesen Landstrich zu pflegen, wie die Behörden selber betonen.

Schliesslich hatten die politischen Verantwortlichen bereits 1985 eine Verordnung erlassen, die verlangt, dass der über 500 Meter lange und zwischen 200 und 300 Meter breite Streifen entlang der Autobahn ein erhaltenswürdiges Schutzgebiet sein solle. Schon damals wurde der Wert des Naherholungsgebietes herausgestrichen. Mittendrin befindet sich ein kleiner Weiher, der vom alten Glattkanal gespiesen wird. Dieser führt an Feuchtwiesen vorbei zur einstigen Walliseller Herzogenmühle, während der Hauptlauf der Glatt heute auf der anderen Seite der Autobahn bei Schwamendingen dahinplätschert.

Ein neuer Wasserlauf und Reptilienburgen

Nun liegen die Pläne und Beschreibungen der geplanten Aufwertung und Neugestaltung des Gebiets Hinterem Grindel bei der Gemeindeverwaltung Wallisellen zur öffentlichen Einsicht auf. Ein Blick auf die beabsichtigten Massnahmen zeigt, dass sogar noch neuer Gewässerraum entstehen soll. Denn eine unterirdische Meteorleitung soll ausgedolt werden. Das ist eine mächtige Regenwasserröhre, die in den Brühlbach mündet, der ebenfalls durch das Gebiet verläuft.

So entsteht dereinst direkt am Waldrand, östlich des Weihers, auf rund 140 Metern Länge ein neues Gerinne mit verschiedenen Wassertiefen, das neuen Lebensraum für Tiere und Pflanzen bietet. Unter anderem ist die Rede von drei neuen sogenannten «Reptilienburgen», die entlang des Grabens erstellt werden sollen.

Geschützte Biber im Gebiet dürfen nicht gestört werden

Auch der Zufluss zum Weiher ist neu geplant. Dazu will man den Kanal aufweiten und den Hauptwasserstrom mit einem 100 Meter langen Seitengerinne versehen, wodurch neue Kiesflächen und gar Inseln entstehen könnten. Aber nur oberhalb des Weihers. Denn gleich unterhalb, beim Abfluss haben die geschützten Biber ihre Burg in Form eines Asthaufens gebaut und dürfen keinesfalls gestört oder gar vertrieben werden. Deshalb verzichtet man dort auf grössere bauliche Anpassungen am bestehenden Kanal. Das Bauprojekt ist mit Auflagen versehen, wonach insbesondere darauf zu achten sei, dass keine Absenkung des Wasserspiegels erfolge und die Tiere nicht gestört würden. Während der Bauarbeiten quasi direkt vor der Haustüre der Biberfamilie dürfte dies zu einer echten Herausforderung für die Arbeiter werden. Denn auch am Weiher selbst sind etliche Anpassungen geplant. Es sollen Ufer abgeflacht werden, Schilfgürtel angelegt, neue Holzplattformen gebaut, der Strömungsverlauf optimiert und unerwünschte Gehölze am Ufer ausgegraben werden.

Ausserdem hat man auch Viecher entdeckt, die da gar nicht hingehören und im kleinen Biotop die einheimischen Tierarten bedrängen könnten. Es sind dies Exemplare von amerikanischen Gelb- und Rotwangenschildkröten, die im Schutzgebiet einst ausgesetzt wurden. Sie sollen in der Folge eingefangen und in eine passende Auffangstation verbracht werden.

Noch dieses Jahr umsetzen

Einfacher dürften es sein, die Wege am Glattkanal etwas weiter weg vom Ufer anzulegen. Statt fast direkt am Wasser soll der Ida-Zuppinger-Weg zwischen Weiher und Strassenbrücke bei der Herzogenmühle künftig rund 14 Meter vom Kanal entfernt verlaufen. Das schafft Platz für eine neue Ufergestaltung mit grösseren und kleineren Buchten, künstlich angelegten Armen und begehbaren Holzplattformen sowie Gewässerzugängen samt neuen Sitzgelegenheiten.

Der Zeitplan sieht vor, dass die gesamte Umsetzung noch 2018 erfolgt. Ob dies wirklich gelingt, können die Walliseller Stimmberechtigten an einer der nächsten Gemeindeversammlungen entscheiden, wenn über den notwendigen Kredit abgestimmt wird. Christian Wüthrich (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 12.01.2018, 20:14 Uhr

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